Marke entstauben, Sortimente klarer ordnen, Jeansproduktion in Europa ankurbeln: Das gehörte zu den Plänen von Giny Boer. Die niederländische Managerin übernahm im Januar 2021 den Chefposten beim Bekleidungsgiganten C&A.

Giny Boer, die vor C&A lange Jahre für das Möbelhaus Ikea tätig war, sollte für frischen Wind sorgen. Im Gespräch mit der «Handelszeitung» vor zwei Jahren wurde klar: Hier engagiert sich eine frische Macherin, die C&A wieder so interessant machen wollte wie in den 60er-Jahren, als die Marke Trends setzte. Für diesen neuen Drive war Boer angetreten. Doch jetzt tritt sie schon wieder ab.

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Familieninterner Manager als Übergangschef

Wie das Unternehmen mitteilt, trete Giny Boer als CEO zurück, «um non-exekutiven Aufgaben nachzugehen». Was das konkret bedeutet und weshalb es überhaupt zu diesem Schritt gekommen ist, sagt C&A nicht. Die Tatsache, dass noch kein definitiver Ersatz für Boer bereitsteht, lässt den Führungswechsel als eine abrupt entschiedene und kommunizierte Sache aussehen.

Als Interims-Chef wird ab sofort Edward Brenninkmeijer fungieren, ein Mitglied der C&A-Besitzerfamilie Brenninkmeijer. Schon bevor Giny Boer zum Unternehmen kam, leitete er den Europa-Teil als Interims-CEO.

Wichtige Schweiz-Connection in Zug

Wenn immer im Grossunternehmen C&A – über 1300 Filialen in 17 europäischen Ländern mit mehr als 27’000 Mitarbeitenden – wichtige Entscheidungen fallen, spielt auch die Schweiz eine Rolle. Dies deshalb, weil die Familie ihre Milliarden über die Cofra Holding in Zug verwaltet und dort auch die Fäden für die grossen strategischen Aktionen spinnt.

Dabei geht es nicht nur um Mode, sondern auch um andere Aktivitäten wie Immobilien oder Solarenergie. Schiesspulver sollte die Unternehmerfamilie dafür genug haben. In der Reichstenliste der «Bilanz» werden die Brenninkmeijers mit einem Vermögen von 13,5 Milliarden Franken geführt.

C&A in der Schweiz

Im Schweizer Modemarkt, der gemäss den Marktforschern und Marktforscherinnen von GfK Switzerland etwa 7,5 Milliarden Franken schwer ist, belegt C&A hinter Zalando, Manor und H&M den vierten Platz. Mit 92 Läden kam das Unternehmen im Jahr 2023 auf einen Umsatz von 382 Millionen Franken.

Im Jahr 2015, als der Onlineboom noch nicht so stark ausgeprägt war wie heute, stand C&A noch bedeutend stärker da. Damals waren es 100 Shops, die einen Schweizer Umsatz von 471 Millionen Franken einspielten.

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Güntert
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