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Expansion
China-Aktionär beflügelt Schweizer Seilbahnbauer

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Seilbahn von Bartholet in China: Das Land bereitet sich auf die Olympischen Winterspiele in Peking vor.Quelle: zvg

Chinesen haben sich am Seilbahnbauer Bartholet beteiligt. Jetzt will der St. Galler Hersteller in China kräftig wachsen.

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Von Marc Bürgi
am 19.02.2018

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea sind noch im vollen Gang. Doch Hunderte von Kilometer weiter nördlich laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Austragung der riesigen Sportveranstaltung. China macht sich bereit für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Mit riesigem Aufwand werden neue Anlagen für den Wintersport gebaut.

Für den Schweizer Seilbahnhersteller Bartholet hat sich damit ein lukrativer neuer Markt aufgetan. Das St. Galler Unternehmen ist einer der führende Anbieter in China – und will jetzt dank seines neuen chinesischen Grossaktionärs im dem Land kräftig wachsen. Letzten November kaufte die chinesische Cederlake Capital zusammen mit einem europäischen Partner die Mehrheit am operativen Geschäft von Bartholet – es war einer der sieben Deals von chinesischen Investoren hierzulande im Jahr 2017. Zum operativen Geschäft gehören beispielsweise die Aufträge und die Patente. Der Rest des Unternehmens – die Fabrik und die übrige Infrastruktur – bleibt vollständig in Familienbesitz.

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Chinesische Investoren auf Einkaufstour: Rund 250 Übernahmen und Beteiligungen chinesischer Investoren gab es letztes Jahr in Europa.
Quelle: Statista

Der erste Auftrag für die Spiele in Peking

Cederlake und sein Partner sollen zum Türöffner für Bartholet in China werden. «Sie haben dort ein sehr grosses Netzwerk, dadurch konnten wir bereits einige Aufträge gewinnen», sagt Bartholet-Präsident Roland Bartholet. Das Unternehmen aus Flums gewann als erster in seiner Branche einen Auftrag für die Olympischen Spiele, eine Gondelanlage für das Resort «Green Mountain» nordwestlich von Peking. Fünf Aufträge führt Bartholet in diesem Jahr in China aus.

Mit diesen Projekten will sich Bartholet nicht zufrieden geben. «Vor und nach den Spielen werden noch Dutzende Skigebiete entstehen. Da offerieren wir mit: Für dreissig Skigebiete werden beispielsweise rund 150 Anlagen benötigt, das ist ein riesiges Potenzial für uns», sagt Roland Bartholet. «In den grossen chinesischen Städten hat der Mittelstand Einzug gehalten. Der will jetzt Skifahren und andere neue Sportarten betreiben. In den nächsten Jahren wird es noch einen massiven Ausbau geben.»

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Probesitzen in der Gondelbahn: Besucher an einer Wintersportmesse in Peking.
Quelle: Keystone

Joint-Venture mit einem Staatskonzern

Um in China zu wachsen, hat Bartholet ein Joint-Venture mit dem grossem Staatskonzern Beijing North Vehicle Group gegründet. Über das Gemeinschaftsunternehmen führen die Schweizer ihre Aufträge aus. 60 Prozent der Arbeiten werden im Land gemacht. Bartholet produziert dort vor allem Masten und Rohre, damit die Stahlkörper nicht um die halbe Welt transportiert werden müssen.

Bedenken, wegen dieser engen Partnerschaft mit einem Staatskonzern kopiert zu werden, hat Präsident Roland Bartholet nicht. Einheimische Hersteller könnten nicht die gleiche Qualität liefern wie die westlichen Anbieter. In China stehen die St. Galler vielmehr im Wettbewerb mit den gleichen Konkurrenten wie in Europa: Die Branchengrössen Doppelmayr/Garaventa und Leitner forcieren ihr China-Geschäft.

Gondelbahnen für Grossstädte

China ist nicht das einzige Land in der Region, wo Bartholet kräftig wächst: Südkorea hat dank der Olympischen Spiele ebenfalls den Skisport für sich entdeckt, dort baut Bartholet derzeit vier Anlagen in Nähe von Pyeongchang, dem Austragungsort für die aktuellen Spiele. Dazu kommt: Nicht nur für die asiatischen Wintersportorte werden neue Anlagen benötigt. Auch bei anderen Tourismusprojekten und in Städten kommen immer mehr Bahnen zum Einsatz. Derzeit macht Bartholet rund 50 Prozent seines Umsatz' auf dem Kontinent – der Anteil dürfte laut Präsident Roland Bartholet in den nächsten Jahren weiter steigen. «In Asien wird heute kräftig investiert – anders als in Europa, wo kaum mehr neue Anlagen entstehen.»