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Wintersport
Die Schweizer Schneesportindustrie setzt auf China

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Chinesische Skischüler: In China gibt es immer mehr Skimöglichkeiten.Quelle: Getty Images/VCG

Millionen von Chinesen entdecken Ski und Snowboard für sich. Schweizer Unternehmen wollen vom Boom profitieren.

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Von Marc Bürgi
am 26.01.2018

Asien wird  Zentrum des Wintersports: Im Februar finden in Peyonchgang in Südkorea die Olympischen Winterspiele statt. In vier Jahren ist erneut ein asiatisches Land an der Reihe, wenn China die Spiele in Peking ausrichtet. Die Gastgeberrolle Südkoreas und Chinas steht für die allgemeine Entwicklung im Wintersport: Asien ist der Kontinent, wo die Sportarten noch neue Anhänger gewinnen. Immer mehr Asiaten fahren Ski und Snowboard oder versuchen sich im Schlittschuhlauf.

Besonders in China sind die Disziplinen der kalten Jahreszeit populär: Die Regierung will die Bevölkerung für die Sportarten begeistern, um den Olympischen Winterspiele zum Erfolg zu verhelfen. Zum Zeitpunkt der Spiele 2022 sollen 300 Millionen Chinesen nach dem Plan der Regierung einen Wintersport ausüben. Riesige Summen werden in die Infrastruktur investiert, damit mehr Chinesen die Piste herunterkurven oder Runden auf dem Eis drehen können.

Hunderte neue Skigebiete

Noch um die Jahrtausendwende gab es in ganz China nur einige wenige Skilifte. In den letzten Jahren wurden Hunderte von Anlagen gebaut. Etwa 25 dieser Skigebiete seien gut ausgebaute Resorts nach westlichem Standard, sagt der Schweizer Branchenexperte Laurent Vanat. In mehreren Grossstädten gibt es zudem Indoor-Hallen für die Schneesportler. Bis zu den Winterspielen könnte die Zahl der Skigebiete auf mehr als 1000 steigen.
 

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Snowboarder im «Superman»-Kostüm: Schneesport wird in China populär.
Quelle: VCG/Getty Images

Der Boom wird auch dank der Schweiz ermöglicht. Schweizer Experten und Unternehmen liefern das Know-how und die Produkte für das Land ohne Tradition im Schneesport. Die Laaxer Weisse Arena Gruppe ist seit 2013 Partner für das Skigebiet «Secret Garden», eines der grössten in China: Dreieinhalb Fahrtstunden von Peking entfernt entstand dort in den letzten Jahren für fast 1 Milliarde Franken ein Resort mit über zwei Dutzend Skiliften, Hotels, Wohnungen und weiteren Anlagen.

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Die Pistenkarte des «Secret Garden» für die Saison 14/15: Die Weisse Arena Gruppe ist Partner des chinesischen Skigebiets.
Quelle: www.travelchinaguide.com

Laaxer bauen Olympia-Halfpipe

2022 werden dort mehrere Olympische Wettbewerbe ausgetragen. Die Bündner Experten unterstützen den Investor unter anderem beim Bau einer Halfpipe. Das Resort erhält zudem wie Laax eine «Freestyle Academy» – eine grosse Halle, wo Snowboarder, Skater oder Biker  ihre Tricks üben können.

Auch der Schweizer Skilehrerverband leistet Aufbauhilfe – «Swiss Snowsports» bildet in China Skilehrer aus. Im Dezember reisten Experten des Verbands nach Asien, um dort ihr Wissen zu vermitteln. 40 Chinesen erhielten eine Schulung, um selber zu unterrichten. Es laufen Gespräche über weitere Ausbildungsreisen. Der Verband möchte zudem zwei bis drei Skischulen in China gründen, um seine Marke dort bekannt zu machen.

China als «Segen» für die Wintersportindustrie

Schweizer Unternehmen beteiligen sich am Boom. Der Skihersteller Stöckli plant, China zu seinem wichtigsten Auslandsmarkt neben den USA machen. «Der chinesische Markt ist für die Wintersportindustrie ein Segen», sagte Chef Marc Gläser im Interview mit der «Handelszeitung». Dereinst könnte Stöckli in China jährlich bis zu 20'000 Ski absetzen, schätzte der CEO. «Das sind riesige Zahlen für eine Firma wie uns, die 50'000 Ski pro Jahr weltweit verkauft.»

Der Schweizer Snowboardhersteller Oxess liefert die Bretter für die chinesische Snowboard-Nationalmannschaft bis zu den Spielen 2022. Das Unternehmen erhielt dank dieser Zusammenarbeit letzten November sogar hohen Besuch: Der chinesische Sportminister liess sich den Betrieb im Zürcher Oberland zeigen.

Mammut setzt auf den Internethandel

Mammut ist ein weiterer Schweizer Hersteller, der in China wachsen will: Seit kurzem verkauft das Unternehmen seine Produkte auf dem chinesischen Internetmarktplatz JD.com, dem zweitgrössten Online-Retailer Chinas. Mit einem neuen Büro in Hongkong will Mammut die Expansion im aufstrebenden Markt vorantreiben. Auch Seilbahnhersteller sind aktiv. Bartholet Seilbahnen hat als erster Seilbahnbauer einen Auftrag für die Winterspiele erhalten: Die St. Galler bauten eine Gondelbahn im Skigebiet Green Mountain – für das Projekt ging das Unternehmen eigens eine Partnerschaft mit einem chinesischen Hersteller ein. 

Es gibt viele weitere Schweizer Unternehmen, die sich für einen Einstieg in Chinas Wintersportmarkt interessieren. Der Swiss Business Hub China,  der Ableger des Exportförderers Switzerland Global Entreprise, organisierte letztes Jahr eine Tour der Spielstätten für 2022 – ein Dutzend Schweizer Unternehmen schickten ihre Vertreter.

Olympia ist Motor für den Boom

Die Olympischen Winterspiele sind der Treiber für Chinas noch junge Wintersportindustrie. Ob der Boom über das Jahr 2022 hinaus anhält, wenn die staatliche Unterstützung nachlässt, wird sich zeigen. Zumindest für die nächsten Jahre ist China ein vielversprechender Markt. Stöckli-Chef Marc Gläser sagte der «Handelszeitung»: «Die Regierung hat gesagt, dass sie bis zu den Spielen 300 Millionen Wintersportler haben will. Von diesen 300 Millionen sind etwa 50 Millionen Skifahrer. Wenn die Regierung das ankündigt, wird es auch umgesetzt.»

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Indoor-Anlage in China: Auch Grossstädter können sich im Skifahren versuchen.
Quelle: Per-Anders Pettersson/Getty Images