Die Branche weiss es seit einiger Zeit: Coop will seine Schokoladenfirma Chocolats Halba verkaufen, findet aber keinen Käufer. Gleich drei voneinander unabhängige Geschäftsleiter aus der Schokoladen nahen Industrie bestätigen dies gegenüber der «HandelsZeitung», wollen aber offiziell nicht mit ihrem Namen genannt werden. Aus verständlichen Gründen: Als Insider dürfen sie keine Geschäftsgeheimnisse ausplaudern.

Am weitesten wagt sich Daniel Bloch, Direktor von Chocolats Camille Bloch, vor: «Halba ist schon seit längerem zum Kaufen, aber wir haben nie Interesse gezeigt, da wir uns auf Spezialitäten konzentrieren und dafür über genügend Produktionskapazitäten verfügen.»

Jörg Ackermann, Leiter der Direktion Logistik/Informatik/Produktion bei Coop, dementiert einen Verkauf von Chocolats Halba: «Wir stehen zu unseren Produktionsunternehmen und beabsichtigen auch nicht, diese in absehbarer Zeit zu verkaufen.» Halba sei «ein gutes Zusatzgeschäft». Allerdings will er nicht verraten, ob und wie viel Gewinn der Betrieb abwirft.

*Fokussiert aufs Kerngeschäft*

Der Umsatz von Halba wird im neusten Coop-Geschäftsbericht nicht mehr aufgeführt. Der Umsatz brutto betrug letztes Jahr laut Coop-Mediensprecher Jörg Birnstiel 90,5 Mio Fr. Damit habe Halba auf dem Schweizer Herstellermarkt einen Anteil von 11,36% erzielt. 2003 betrug der Nettoerlös von Halba laut Coop Geschäftsbericht 83 Mio Fr. Ob das ein Wachstum für Chocolats Halba bedeutet, kann Birnstiel nicht herausfinden. Halba produzierte mit seinen 300 Mitarbeitern letztes Jahr 9725 t Schokolade. Rund 5700 t davon gehen in den Coop-Kanal, der Rest wird an übrige Anbieter in der Schweiz verkauft. Nur ein kleiner Teil der Produktion wird exportiert.

Trotz offiziellem Dementi spricht viel für einen Verkauf von Chocolats Halba. So verfolgt Coop-Chef Hansueli Loosli seit längerem die Strategie der Konzentration auf den Detailhandel und fährt neuerdings zusammen mit Bon appétit auf der zukunftsträchtigen Schiene der Gastronomie-Versorgung. Die Industrie spielt bei Coop im Gegensatz zum Konkurrenten Migros eine immer unwichtigere Rolle: Coop verkaufte seine Biscuit-Tochter Arni an Oscar A. Kambly, der seither zuerst für die Coop Marke Arni, später für die Dachmarke Coop Guetsli produziert. Weiter wurde das Käsezentrum Kilchberg an den Milchverwerter Emmi abgegeben, und die Strumpffabrik Argo von Coop legte letzten November ihren Betrieb still. Die übriggebliebenen Produktionsbetriebe von Coop wie Swissmill (Mehlmischungen), Nutrex (Essig), CWK (Kosmetik), Pasta Gala (Teigwaren) und Chocolats Halba wurden letztes Jahr als Divisionen in die Genossenschaft Coop integriert und der Direktion Logistik/Informatik/Produktion unterstellt. Wodurch sie einfacher zu verkaufen sind.

Ganz anders sieht die Strategie von Migros aus: Der grösste Detailhändler der Schweiz setzt stark auf die Karte der Industrie. Mit seinen 14 Industrieunternehmen ist Migros auch der grösste Nahrungsmittelproduzent hierzulande und erzielte mit seinen Industrieunternehmen 2004 einen Umsatz von 4,165 Mrd Fr., was einem Wachstum von 4,4% entspricht, wobei die Exportumsätze um 14,1% gestiegen sind.

Obwohl Halba offenbar seit längerem zum Verkauf steht, hat bisher niemand angebissen. Die Inlandverkäufe der Schweizer Fabrikanten beliefen sich letztes Jahr auf 69845 t in einem Wert von 814 Mio Fr. (siehe Grafik). Damit liegt die Branche deutlich hinter den Werten der früheren Jahre - Anzeichen dafür, dass sich auch in diesem Segment der Markt der Sättigung zuneigt. Bemerkenswert entwickelt sich der Import: Der Anteil der Importschokoladen am Inlandkonsum erhöhte sich zum vierten Mal in Folge und liegt nunmehr bereits bei 26,4%. Was der Attraktivität eines Schweizer Produzenten wie Halba nicht gerade förderlich ist.

*Kein Interesse an Halba*

Als potenzielle Käufer kommen am ehesten grosse Schweizer Schokoladenhersteller in Frage. Doch die winken ab. «Nestlé Schweiz hat in Broc genug eigenes Potenzial in der Schokoladenproduktion für die Schweiz und den Export», sagt Nestlé-Mediensprecher Philippe Oertlé. Marktführer Migros mit seiner Chocolat Frey, die einen Marktanteil von 37% hält, kann als Konkurrent kaum für den Rivalen produzieren, ausser ein Paradigmawechsel würde sowohl bei Coop als auch bei Migros stattfinden. Lindt&Sprüngli fällt als Käufer weg, da die Kilchberger Fabrik ausschliesslich ihre eigene Marke produziert und keine Eigenmarken für andere fabrizieren will. Einzig Barry Callebaut Schweiz mit Tochter Chocolat Alprose zeigt sich als eine der grossen Produzenten einem Kauf nicht völlig abgeneigt: «Wir möchten das nicht kommentieren. Wir schauen aber immer wieder nach Möglichkeiten», erklärt Barry-Callebaut-Mediensprecherin Gaby Tschofen.

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