Der linke, staatsgläubige und tief-rote Politiker Christian Levrat wird neuer Präsident der Post. Über 60'000 Mitarbeitende bekommen einen Strategiechef, der noch nie eine Sekunde in einem Unternehmen gearbeitet hat. Noch nicht einmal in einem Staatsbetrieb. Levrat ist Politiker, Gewerkschafter, NGO-Aktivist. Er ist ein Klassenkämpfer alter Schule. Kurz: Er ist eine Fehlbesetzung. Eine krasse Fehlbesetzung.

Dass die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga ihren Genossen Levrat im Gesamtbundesrat überhaupt durchgebracht, ist ein Armutszeugnis für die Regierung. Nicht, weil mit Levrat wieder einmal keine Frau zum Zug kommt; angesichts der fehlenden Qualifikationen Levrats für den Job ist sein Geschlecht ohnehin eine blosse Nebensache. Schwerer wiegt, dass Levrats Portierung die bisherige Post-Politik des Bundesrates seit der Auflösung der PTT anno 1998 völlig ad absurdum führt.

«Levrats Ernennung ist auch ein Schlag ins Gesicht von Firmenchef Roberto Cirillo. Es wäre nicht erstaunlich, wenn er bald das Weite suchen würde.»

Privatisierung von Postfinance? Sicher nicht mit Levrat! Eher würde er das gelbe Einzahlungsbüchlein als Service Public auf ewig festschreiben. Reduktion des Poststellennetzes? Nur über Levrats Leiche! Stellenabbau? Eher Rück-Verbeamtung der Post-Mitarbeitenden, schliesslich war Levrat mal Chef der Post-Gewerkschaft! Mehr unternehmerische Freiheiten? Nicht mit dem Etatisten Levrat! Ausdünnung der Zustell-Frequenz für private Haushalte? Niemals. Levrat dürfte die Steuerzahlenden der Schweiz viel Geld kosten.

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Levrat wird zum Salon-Sozi 

Sommarugas Freundschaftsdienst für einen alten SP-Mitstreiter, der nun für die kommenden zwölf Jahre bis ins Alter von 62 Jahren auf einem mit knapp 250'000 Franken entschädigten Teilzeit-Pensum sitzen kann, ist auch ein Schlag ins Gesicht von Firmenchef Roberto Cirillo. Er ist vor knapp drei Jahren angetreten, den politisch hochgehaltenen Mythos, die Post sei ein Unternehmen, mit realen Inhalten zu füllen. Das kann er nun vergessen. Es wäre nicht erstaunlich, wenn er bald das Weite suchen würde. Auch weil die aktuelle Konstellation, sowohl auf dem operativen Chefposten wie auch auf dem obersten strategischen Posten Personen ohne einschlägige Erfahrung zu haben, nicht lange gut gehen kann.

Wäre die Post ein normales Unternehmen, könnte die GV die Wahl des falschen Präsidenten noch verhindern. Bei der Post funktioniert das nicht: Der Bund ist die GV - und vereinigt alle Stimmen auf sich.