Die Bank Julius Bär ist in die Korruptionsaffären beim Weltfussballverband Fifa und im Umfeld des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA verwickelt. Einige Eckdaten.

Frühling 2015: Aus Unterlagen von US-amerikanischen Gerichten geht hervor, dass Konten bei der Bank Julius Bär bei mutmassliche Korruptionszahlungen im Umfeld des Weltfussballverbands Fifa eine Rolle spielten.

Mai 2015: In Zürich werden kurz vor einem Kongress des Weltfussballverbands Fifa mehrere teils hochrangige Funktionäre verhaftet und Hausdurchsuchungen durchgeführt. Um die Verhaftung hatten die USA im Rahmen internationaler Rechtshilfe gebeten. Unabhängig davon hatte die Bundesanwaltschaft aufgrund einer Anzeige bereits eine eigene Untersuchung wegen Verdachts auf Geldwäscherei eingeleitet.

Januar 16: Julius Bär entlässt im Zusammenhang mit der Fifa-Affäre einen ihrer Kundenberater.

Sommer 16: Julius Bär startet das Projekt Atlas, um den in früheren Jahren zu laschen Umgang mit möglicherweise problematischen Kunden zu korrigieren und vermeintliche Risiken betreffend Herkunft von Geldern zu eliminieren. In einem Interview sagt Julius-Bär-Chef Boris Collardi, die Bank wolle "ihr System verbessern", damit Fälle wie die Schmiergeldzahlungen bei der Fifa in Zukunft nicht mehr vorkommen.

Anzeige

Juni 17: In New York bekennt sich ein früherer Mitarbeiter von Julius Bär der Korruption und Geldwäsche beim Weltfussballverband Fifa schuldig. Der Mann gab zu, die Konten einer Sport-Marketing-Firma aus Argentinien verwaltet zu haben, über welche die Bestechungsgelder liefen und deren eigentliche Inhaber ein hoher argentinischer Fussballfunktionär war.

November 17: Konzernchef Boris Collardi, in dessen Amtszeit die nun von der Finma geahndeten Verfehlung bei der Bekämpfung von Geldwäscherei fallen, verlässt Julius Bär und wechselt zu Pictet. Neuer Chef von Julius Bär wird der bisherige Risiko-Verantwortliche Bernhard Hodler. Seit September 19 ist nun Philipp Rickenbacher Chef von Julius Bär.

März 2018: Aus US-amerikanischen Gerichtsunterlagen geht hervor, dass im Zusammenhang mit Bestechung und Geldwäscherei bei der staatlichen venezolanischen Erdölgesellschaft PDVSA auch Geld über Schweizer Bankkonti floss - unter anderem über solche bei Julius Bär.

Frühling 18: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) leitet laut eines Berichts in der NZZ ein Enforcement-Verfahren gegen Julius Bär ein. Grund sind die Verwicklung der Bank in die Korruptionsfälle von Fifa und PDVSA. Gemäss des Zeitungsberichts stützt sich die Behörde im Verfahren auch auf von der Bank Bär selbst in Auftrag gegebene Untersuchungen durch die Revisionsgesellschaft Deloitte und die Wirtschaftskanzlei Wenger Plattner, die beide dem Finanzinstitut ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hatten.

Juli 2018: Ein früherer Banker von Julius Bär, der für die Bank unter anderem in Panama tätig war, wird im Zusammenhang mit der PDVSA-Affäre in Miami verhaftet. Er bekennt sich im August der Geldwäsche für schuldig und wird im Oktober zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

August 18: Julius Bär führt im Zusammenhang mit den Korruptionszahlungen bei der PDVSA und nach dem Geständnis eines ehemaligen Mitarbeiters interne Untersuchung durch. Dabei findet die Bank rund 700 heikle Konten, wie später in Medienberichten zu lesen ist.

Anzeige

Februar 2019: Die PDVSA-Korruptionsaffäre wird definitiv auch in der Schweiz zum Fall für die Justiz: Die Bundesanwaltschaft startet ein Verfahren.

Februar 2020: Die Finma stellt bei Julius Bär schwere Mängel in der Geldwäschereibekämpfung fest und auferlegt der Bank Massnahmen zur Durchsetzung ihrer geldwäschereirechtlichen Pflichten. Zudem verbietet sie der Bank - bis die Mängel in der Organisation behoben sind - komplexe Firmenakquisitionen.