Der Spezialchemiekonzern Clariant weist nach einem turbulenten Jahr einen drastischen Gewinnrückgang aus. Und weil der kurzfristige Ausblick eingetrübt bleibt, baut das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren 500 bis 600 Stellen ab.

Wie Clariant am Donnerstag mitteilte, stagnierte der Umsatz bei 4,40 Milliarden Franken und der Reingewinn brach um 90 Prozent auf 38 Millionen ein. Es war vor allem einem eine Rückstellung über 231 Millionen Franken, welche die Rechnung belastet hat. Den Betrag hatte Clariant im Sommer für eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung der EU-Kommission verbucht.

Verhaltene Profitabilität

Doch auch diese Rechnung, und die Kosten für den Firmenumbau ebenfalls ausgeklammert, blieb die Profitabilität verhalten. Der Betriebsgewinn EBITDA vor Einmaleffekten stieg um eine Millionen auf 740 Millionen Franken und die operative Marge lag mit 16,8 Prozent auch auf Vorjahresniveau. Der operative Cashflow sank um 4 Prozent auf 509 Millionen Franken.

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Die Zahlen beziehen sich auf die von Clariant als «fortgeführte Geschäfte» definierten Bereiche. Als Kerngeschäfte gelten seit Sommer nur noch die Care Chemicals (etwa Substanzen für die Kosmetikindustrie), Katalysatoren und Natural Resources (Produkte für den Erdölsektor und den Bergbau).

Der Rest wird verkauft. Zuletzt hatte Clariant kurz vor Weihnachten das Geschäft mit Farbgranulaten (Masterbatches) losgeschlagen - für 1,56 Milliarden Dollar. Wie versprochen sollen daher die Aktionäre eine ausserordentliche Bar-Dividende von 3 Franken je Anteil erhalten. Die ordentliche Dividende bleibt bei 55 Rappen.

Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Analysten-Prognosen (AWP-Konsens) erfüllt. Die Experten hatten durchschnittlich einen Umsatz von 4,39 Milliarden Franken sowie einen EBITDA von 731 Millionen erwartet.

Kosten um 50 Millionen Franken senken

«2019 sind wir einen wesentlichen Schritt in unserer Strategie vorangekommen, uns auf unsere Geschäfte mit Spezialitäten zu fokussieren», lässt sich der interimistische Konzernchef Hariolf Kottmann in seinem Statement zitieren. Und die geplante Veräusserung des Bereichs Pigmente werde noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Mit dem dann fokussierten Portfolio werde Clariant ein überdurchschnittliches Wachstum, eine höhere Profitabilität und eine stärkere Cashflow-Generierung erzielen. Dies gelte jedoch noch nicht für 2020: Das Wachstum werde angesichts der schwachen Wirtschaftslage und der anhaltend ungünstigen Wechselkursbedingungen «stärker eingeschränkt» sein.

Clariant habe daher Effizienzmassnahmen definiert, um die Kostenbasis um 50 Millionen Franken zu senken und die Margen entsprechend zu verbessern. Diese würden in den nächsten zwei Jahren zum Abbau von etwa 500 bis 600 Arbeitsplätzen führen. Ende 2019 beschäftigte Clariant rund 17'200 Mitarbeitende.

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Clariant: Stephan Lynen übernimmt für Patrick Jany als neuer CFO

Stephan Lynen folgt auf Patrick Jany, der zu A. P. Moller-Maersk wechselt. Der neue Finanzchef ist seit 20 Jahren bei Clariant. Mehr hier.

(sda/reuters/gku)

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