Das flächendeckende Fiebermessen erreicht die Schweiz: Der Lebensmittelmulti Nestlé führt an den Eingängen sämtlicher Standorte in der Schweiz Temperaturkontrollen durch, wie Recherchen von «SonntagsBlick» zeigen. Die Nestlé-Mitarbeiter am Hauptsitz in Vevey VD müssen genau gleich zum täglichen Fiebermessen antraben wie die Produktionsmitarbeiter, die in Avenches  VD, Orbe VD und Romont FR Nespresso-Kapseln produzieren, in Basel Thomy-Mayonnaise oder in Konolfingen BE Babynahrung. Insgesamt sind mehr als 10 000 Mitarbeiter von der Massnahme betroffen. «Je nach Grösse des Standortes und nach Eingang kommen unterschiedliche Temperaturmesstechniken zum Einsatz,  mehrheitlich erfolgt diese inzwischen automatisch mithilfe einer speziellen Kamera», sagt Nestlé-Sprecherin Inge Gratzer gegenüber SonntagsBlick. Nestlé ist kein Einzelfall. 

Auch Konkurrenz Unilever lässt Fieber messen

Gemäss einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» haben auch der britische Nestlé-Konkurrent Unilever sowie die Pilatus-Flugzeugwerke in Stans NW Anlagen, um bei sämtlichen Mitarbeitern in der Schweiz täglich die Körpertemperatur messen zu können. Doch auch Fussball- und Eishockeyfans könnten sich bald mit Fiebermessgeräten konfrontiert sehen. So setzte der FC Luzern laut «NZZ» an sieben Meisterschaftsspielen automatische Fieberscanner ein, um potenziell an Covid-19 erkrankten Personen den Zugang zum Stadion verweigern zu können. Der SC Bern will im Kampf gegen Corona ebenfalls auf kollektive Temperaturkontrollen der Fans setzen.  «Ja, wir werden Fieber messen», sagt Medienchef Christian Dick zu «SonntagsBlick». Wie, sei aber noch offen.

 

Wirkung ist umstritten

Beim Bund hält man derweil wenig von dieser Anti-Corona-Massnahme. «Die Frage wird in wissenschaftlichen Kreisen kontrovers diskutiert. Als alleinige Massnahme scheint die Temperaturmessung indes kein adäquates Mittel», schreibt eine Sprecherin. Man stütze sich dabei auf die Einschätzung der Covid-19-Taskforce. Die kantonalen Gesundheitsdirektionen teilen diese Meinung. Stellvertretend dazu die Begründung des Kantons Luzern: «Nicht alle mit Covid-19 infizierten Personen haben Fieber.»

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