Die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie werden meist als Dilemma dargestellt zwischen dem einen Ziel, möglichst viele Menschen­leben zu retten, und dem anderen Ziel, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Doch das ist verkürzt. Denn der weltweite Shutdown schadet nicht nur der Wirtschaft – er wird auch ­Konsequenzen für die Gesundheit vieler anderer Patientinnen und Patienten haben.

Hier ist eine der gesundheitlichen ­Folgen: Die Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen drohen die weltweite Medikamentenentwicklung für ­andere Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes aus der Bahn zu werfen. Klinische Studien, bei denen neue Wirkstoffe an Patientinnen und Patienten getestet werden und die Voraussetzung für die Zulassung durch die Behörden sind, können nicht anlaufen; sei es, weil die Patienten nicht zu den Kontrolluntersuchungen ins Spital gehen können oder wollen oder weil die Ärztinnen und Pfleger in den Spitälern wegen der Covid-19-Patienten so stark beansprucht sind, dass sie keine klinischen Studien mehr betreuen können. Die Folge: Der medizinische Fortschritt droht ins ­Stocken zu geraten, neue Medikamente können nicht wie geplant auf den Markt gebracht werden.