Es läuft rund für die beiden führenden Corona-Impfstoffjäger, die amerikanische Moderna und die deutsche Biontech. Biontech hat am Montag für zwei seiner vier Impfstoffkandidaten von der FDA den privilegierten Status eines beschleunigten Zulassungsverfahren bekommen. Das Biotech-Unternehmen aus Mainz spannt mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer zusammen.

Und auch mRNA-1273, der Impfstoff von Moderna, nahme eine weitere wichtige Hürde: Es schloss die erste klinische Phase erfolgreich ab. Bei allen Probanden, denen der Impfstoff verabreicht wurde, konnten Antikörper nachgewiesen werden. Der Impfstoff wurde zweimal im Abstand von mehreren Wochen an 45 Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren gespritzt.

Neue Technologie

Moderna und Biontech arbeiten nicht mehr wie klassische Imfpstoffhersteller mit deaktivierten Viren, Virenteilen oder Oberflächenmolekülen, die eine Infektion simulieren und den Körper so dazu zu bringen, dass er Antikörper bildet. Sondern sie setzen auf die sogenannte Messenger-Technologie. Dem Körper wird dabei nur noch die Bauanleitung für das für das Corona-Virus typische Spike-Protein zugeführt – in der Absicht, dass das Immunsystem darauf reagiert.

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Die Daten zum Impfstoffkandidaten von Moderna zeigten, dass die Impfung eine «robuste Immunantwort» hervorrufe, sagte Tal Taks, Chief Medical Officer von Moderna, in einem Statement. Und auch Anthony Fauci ist zufrieden: «Die gute Nachricht ist, dass der Impfstoff die Bildung von Antikörpern hervorrief», sagte der Chef des National Insitute of Allergy and Infectious Disease, das die Studie durchführte. Und es handle sich nicht um irgendwelche Antikörper, sondern um solche, welche das Virus neutralisierten.

Die US-Regierung unterstützt Moderna mit fast eine halben Milliarde Dollar. Der Impfstoff wird, sollte es zu eine Zulassung kommen, zum Teil vom Schweizer Pharmazulieferer Lonza in Visp produziert werden.

Leichte Nebenwirkungen

Nicht ganz so gut sieht es bei den Nebenwirkungen aus. Zwar wurden keine schweren Nebeneffekte registriert, aber milde Beschwerden gab es doch einige, wie dem Studienbericht im «New England Journal of Medicine» zu entnehmen ist. Bei der Gruppe, welche die niedrigste Dosierung (25 Mikrogramm) erhielt, hatten 5 oder ein Drittel der Probanden nach der ersten Impfung leichte oder moderate Nebenwirkungen, in der Gruppe mit der mittleren Dosis (100 Mikrogramm) waren es 10 oder zwei Drittel und in der Gruppe mit der hohen Dosis (250 Mikrogramm) waren es 8 oder die Hälfte der Probanden. Gemeldet wurden Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Muskelschmerzen an der geimpften Stelle.

Noch häufiger waren die Nebenwirkungen bei der zweiten Impfung, wo die Hälfte der Probanden mit der niedrigsten Dosierung (7 von 13 Probanden), alle 15 Probanden in der 100-Mikrogramm-Gruppe und alle 14 in der 250-Mikrogramm-Gruppe Nebenwirkungen hatten; drei von ihnen schwerere. Die höchste Dosierung wird nicht mehr weiterverfolgt.

Die Börse setzt auf einen Erfolg

Der Aktienkurs von Moderna schnellte nach Börsenstart um 14 Prozent nach oben, aktuell liegt das Plus bei gegen 9 Prozent. Das Biotechunternehmen – das noch kein Produkt auf dem Markt hat und mit einer Technologie arbeitet, die sich bei Impfstoffen noch nicht bewährt hat – ist damit fast 30 Milliarden Dollar wert: eine gewaltige Wette auf die Zukunft.

Impfstoffkandidat mRNA-1273 geht nun direkt in die dritte klinische Phase, wo er an 30'000 Probanden getestet werden wird. Alle Augen dürften sich dabei auf das Sicherheitsprofil des Impfstoffs richten. Die Anforderung an die Sicherheit eines Impfstoffs sind sehr hoch, immerhin soll er im Erfolgsfall ja Milliarden an Menschen verabreicht werden. Da wiegen auch geringe Sicherheitsbedenken sehr hoch.

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