Der CS-Verwaltungsrat hat an seiner Sitzung vom 6. Februar 2020 den Rücktritt von Tidjane Thiam als CEO auf den 14. Februar 2020 angenommen. Er wird die Bank nach der Präsentation der Ergebnisse für das Gesamtjahr und das vierte Quartal 2019 verlassen. Neuer Chef der Grossbank wird Thomas Gottstein.

Damit ist der Machtkampf an der Spitze der Credit Suisse zugunsten von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner entschieden: Die CS-Führung war in den vergangenen Monaten rund um die Beschattung ehemaliger Manager – so etwa Iqbal Khan – in die Kritik geraten.

«Shock resignation»

Urs Rohner bleibe bis April 2021 Verwaltungsratspräsident, heisst es in einer Mitteilung der Credit Suisse weiter. Insidern zufolge war es im Nachgang der Beschattungsaffäre zu einer Auseinandersetzung zwischen Thiam und Rohner gekommen.Nachdem sich drei gewichtige angelsächsische Aktionäre – mit einem Stimmengewicht von insgesamt rund 13 Prozent – in den letzten Tagen sehr engagiert hinter Thiam gestellt hatten, wirkt der Abgang nun doch erstaunlich.

Die Wirtschaftsagentur «Bloomberg» schreibt von einer «Shock Resignation» und äussert die Vermutung, dass dies zu einem «uproar» der wichtigsten Aktionäre führen könnte. Es könnte allerdings auch sein, dass die ebenfalls gewichtigen Player aus Saudi-Arabien (Olayan Group: knapp 4,93 Prozent), Katar (Qatar Investment Authority: 5,21 Prozent) und Norwegen (Staatsfonds: 4,98 Prozent) im Hintergrund ein aktives Gegengewicht bildeten. 

Wie tickt Thomas Gottstein?

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Trotz dem Knall zum Ende streicht die Bank die Verdienste ihres abtretenden Chefs heraus. «Unter der Leitung von Tidjane Thiam hat die Credit Suisse zugleich eine neue strategische Ausrichtung vollzogen, die Kapitalreserven gestärkt, Kosten reduziert, Risiken abgebaut, Vielfalt gefördert und einen ausserordentlich hohen Grad der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen erzielt», lässt sich Rohner zitieren. «Die Credit Suisse ist gut aufgestellt und wir haben eine Vielzahl von begabten Mitarbeitenden, die auf seinen Erfolgen aufbauen können.»

«Thiam hat enormen Beitrag geleistet»

«Tidjane Thiam hat der Credit Suisse einen enormen Beitrag geleistet, seit er 2015 zu uns gestossen ist. Es ist klar sein Verdienst, dass die Credit Suisse heute wieder als grundsolide Bank dasteht und in die Gewinnzone zurückgekehrt ist. Der Verwaltungsrat und ich wünschen ihm für die Zukunft alles Gute», so Rohner weiter.

Auch Thiam zeigt sich zufrieden mit dem Erreichten: «Ich bin mit dem Verwaltungsrat übereingekommen, dass ich die Bank verlassen werde. Ich bin stolz darauf, was das Team während meiner Zeit erreicht hat. Wir haben die Credit Suisse erfolgreich transformiert. Vor allem haben wir unser führendes Wealth Manafgement weiter ausgebaut, unsere Global Markets-Einheit neu ausgerichtet, und eine massgeschneiderte Kundenbetreuung in den Regionen etabliert.»

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Thiam: «Hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung»

Von den Beschattungen habe er nichts gewusst, so der abtretende Chef: «Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen. Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. Ich bedauere das Vorgefallene und es hätte nie passieren dürfen.»

Thomas Gottstein, der neu ernannte Group CEO, verfügt über 30 Jahre Bankerfahrung, davon verbrachte er mehr als 20 Jahre bei der Credit Suisse. Sein Leistungsausweis basiert sowohl auf leitenden Funktionen im Investmentbanking (davon 13 Jahre in London) als auch im Private Banking. Seit 2015 ist er als CEO der Credit Suisse (Schweiz) AG und Mitglied der Konzernleitung für den Heimmarkt Schweiz verantwortlich.

Der künftige Chef lässt sich ebenfalls in der Mitteilung zitieren: «Ich danke dem Verwaltungsrat für das entgegengebrachte Vertrauen. Ich freue mich darauf, mich mit voller Energie zum Wohle dieser traditionsreichen Bank, ihrer Kunden und Aktionäre einzusetzen. Besonders stolz bin ich auf unsere rund 50'000 Mitarbeitenden, die täglich eine ausgezeichnete Arbeit leisten. Zudem möchte ich Tidjane Thiam für seine Unterstützung und Partnerschaft danken.»

(gku)

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