Angesichts des Zusammenbruchs von Archegos Capital steht die Credit Suisse  vor einschneidenden Veränderungen im Top-Management.

Informierten Kreisen zufolge wird womöglich noch am heutigen Dienstag der Rückzug von Investmentbankchef Brian Chin bekannt gegeben. Wie zu hören ist, geht auch Risikochefin Lara Warner, ebenso verschiedene andere Manager im Segment. CEO Thomas Gottstein indessen wird die Bank weiterhin leiten.

Belastung von 4,4 Milliarden Franken

Der Kollaps des amerikanischen Family Office Archegos im Zuge nicht mehr zu bewältigender Nachschussforderungen wird Credit Suisse Milliarden Dollar kosten. Die Grossbank verbucht in dem Zusammenhang eine Belastung von 4,4 Milliarden Franken, wie sie am Dienstag mitteilte.

Für das erste Quartal stellte das Institut einen Vorsteuer-Verlust von rund 900 Millionen Franken in Aussicht. Die Credit Suisse setze das Aktienrückkaufprogramm im Volumen von mindestens einer Milliarde Franken aus und kürze die für 2020 geplante Dividende. Sie plant zudem eine Überprüfung des Prime-Brokerage-Geschäfts.

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Auch die Kompensation für die Geschäftsleitung soll tiefer ausfallen als ursprunglich beantragt. Der Verwaltungsrat zieht seinen Vorschlag an die Generalversammlung für die Boni zurück. Auch VR-Präsident Urs Rohner muss eine tiefere Entlöhnung hinnehmen. Er soll seinen «Chair fee» in Höhe von 1,5 Millionen Franken nicht erhalten.

Geändert wird auch der Dividendenvorschlag. Die Aktionäre sollen nun noch eine Dividende von 10 Rappen erhalten statt der ursprünglich vorgeschlagenen 29,17 Rappen. Die Entlastung der Verwaltungsrats wird nicht an der GV traktandiert.

Rücktrittswelle im Management

Laut einem Bloomberg vorliegenden internen Memo wird der Chef des Credit-Suisse Handelsbereichs Aktien, Paul Galietto, mit sofortiger Wirkung zurücktreten, der Bank jedoch in diesem Monat noch beim Übergang behilflich sein. Seine Aufgaben sollen vorläufig von Anthony Abenante übernommen werden, der den Bereich Execution Services leitet. Zurücktreten wird auch Parshu Shah, Risikochef des Bereichs Prime Services.

Weitere Abgänge umfassen dem Memo zufolge Ryan Atkinson, Leiter des Bereichs Kreditrisiko der Investmentbank, sowie Ilana Ash, Leiterin des Bereichs Gegenparteien-Kreditrisiken in der Investmentbank-Sparte, und Manish Mehta, der das Kreditrisiken-Segment für den Hedgefondsbereich geleitet hat.

Ein Banksprecher lehnte eine Stellungnahme zu den Rücktritten von Chin und Warner sowie den anderen Veränderungen im Management ab. Chin und Warner selbst waren für umgehende Kommentare nicht erreichbar.

Lohnkürzungen

Die Geschäftsleitung der Credit Suisse wird mit dem Wegfall der Boni insgesamt 40,8 Millionen Franken weniger Lohn erhalten als ursprünglich vorgesehen. Nach dem US-Hedgefund-Debakel sollen die Mitglieder der Geschäftsleitung nur noch die fixen Entschädigungen erhalten.

CS-Chef Thomas Gottstein hat damit wohl zumindest noch sein fixes Gehalt von 2,9 Millionen Franken zugute. Ursprünglich hätte sein Jahreslohn 8,5 Millionen Franken betragen sollen. Für die gesamte Geschäftsleitung, zu der Ende Jahr 13 Mitglieder gehörten, bleibt laut den Zahlen des Vergütungsbericht 2020 noch ein fixes Gehalt von insgesamt 29 Millionen Franken.

Ob es bei den Zahlen bleibt, ist aber noch nicht sicher. Der Verwaltungsrat behält sich nämlich aufgrund der Untersuchungsergebnisse zu den Archegos- und Greensill-Affären weitere Massnahmen vor. So könnte er laut den Angaben gegenüber betroffenen Mitarbeitenden auch einen «Malus» einfordern oder variable Vergütungelemente zurückfordern.

VR-Präsident Urs Rohner wird derweil auf sein Honorar für den Vorsitz des Verwaltungsrats in Höhe von 1,5 Millionen Franken verzichten. Damit bleibt ihm allerdings laut dem Vergütungsbericht noch immer sein Basishonorar in Höhe von 3 Millionen Franken sowie gut 200'000 Franken für «Vorsorge und sonstige Leistungen». Die anderen Verwaltungsräte müssen keine Abstriche hinnehmen.

(awp)

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Kollaps von Greensill Capital

Gottstein übernahm die Geschäftsleitung der Schweizer Bank letztes Jahr nach einem Spionageskandal um seinen Vorgänger. Er versprach reinen Tisch zu machen, doch stattdessen türmten sich in diesem Jahr neue Probleme auf. Vor dem Archegos-Desaster warf bereits die Rolle der Credit Suisse beim Kollaps des Lieferkettenfinanzierers Greensill Capital Fragen zum Thema Risikokontrolle auf.

Das 1,5 Milliarden Franken (1,4 Milliarden Euro) schwere Aktienrückkaufprogramm der Credit Suisse könnte wegen der Rückschläge erneut ausgesetzt werden, und auch Dividendenzahlungen könnten in Frage gestellt werden.

Aktien für 2,3 Milliarden Dollar verkauft

Am Montag verkaufte die Bank Aktien im Wert von rund 2,3 Milliarden Dollar aus dem Archegos-Engagement in Paketdeals - über eine Woche nach anderen exponierten Banken. Dies betraf Anteile von ViacomCBS, Vipshop Holdings. und Farfetch, sagte eine Person mit Kenntnis der Transaktion.

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(bloomberg/reuters/awp/gku)

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