Nein – Tidjane Thiam sei als Bankchef nicht geschwächt: Dies sagte Urs Rohner, der Präsident der Credit Suisse, im Anschluss an die Veröffentlichung des Berichts zur «Causa Khan». «Ich habe mit allen Geschäftsleitungsmitgliedern gesprochen – sie stehen alle hinter Thiam», so Rohner im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» (Paywall). «Er ist ein starker Firmenchef und hat in den letzten Jahren für die Bank viel erreicht. Die Geschichte hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig starke Kontrollorgane in einem grossen Unternehmen sind.»

Eine Bank von der Grösse der Credit Suisse könne die besten Prozesse haben – sie werde nie davor gefeit sein, dass eine kleine Gruppe von Personen ohne das Wissen der Chefs handelt. «Das wird nur bekannt, wenn es schiefläuft.»

Thiam werde nun «aus meiner Sicht noch lange» Chef der Credit Suisse bleiben, so Rohner weiter. «Das Wichtigste ist, dass der Verwaltungsrat für jede Position in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat selber einen Nachfolgeplan hat. Den haben wir. Das Zweitwichtigste ist, über diese Pläne nicht zu sprechen.»

Volle Verantwortung übernommen

Auch Konzernchef Thiam brach inzwischen sein Schweigen zum Skandal. In einem Memo an die Mitarbeiter schrieb er, dass mit dem Rücktritt seines langjährigen Vertrauten Pierre-Olivier Bouée die volle Verantwortung übernommen worden sei.

Die jüngsten Ereignisse seien zutiefst bedauerlich, da der Ruf der Credit Suisse gelitten habe und Fehler gemacht wurden, schrieb der Chief Executive Officer in einem internen Memo, in das «Bloomberg News» Einblick hatte. Credit Suisse lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Verwaltungsrat der Grossbank hat Thiam am Dienstag entlastet und erklärt, dass eine interne Untersuchung keine Beweise dafür erbracht habe, dass dieser von der Beschattung von Iqbal Khan, dem ehemaligen Leiter des Bereichs international Wealth Management, gewusst habe. Die Bank löste Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouée ab. Der Franzose war ein wichtiger Vertrauter von Thiam, er hatte seit zwei Jahrzehnten und in drei Konzernen mit ihm zusammengearbeitet. Laut dem Untersuchungsbericht hatte Bouée ohne Rücksprache die Beschattung in Auftrag gegeben um zu verhindern, dass Khan Kunden und Broker für seinen neuen Posten bei UBS Group AG abwerbe.

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«Absoluter Einzelfall»

Der Bericht habe bestätigt, dass die Überwachung von Iqbal Khan ein absoluter Einzelfall gewesen sei und die betroffenen Personen die volle Verantwortung trügen, so Thiam in der internen Mitteilung weiter. Es seien schwierige Fragen zu Kultur und ethischen Standards aufgeworfen worden. Der Verwaltungsrat habe rasch auf diese reagiert.

Thiam hat noch nicht öffentlich mitgeteilt, wann er erstmals von der Bespitzelung erfahren hat. Er nahm am Dienstag nicht an einer Pressekonferenz in Zürich teil, bei der die Bank die Ergebnisse ihrer Untersuchung vorstellte.

Bloomberg» | rap)