Als Reaktion auf die Medienspekulationen über einen Machtwechsel bei der Grossbank Credit Suisse meldet sich ein weiterer Grossaktionär zu Wort. Bekannt war bereits, dass sich die amerikanische Fondsgesellschaft Harris Associates für den Verbleib von Konzernchef Tidjane Thiam ausspricht. Harris ist eine Tochtergesellschaft von Natixis, welche wiederum zu 70 Prozent der französischen Bankengruppe BPCE gehört. An der Spitze von Natixis wie BPCE sitzt Laurent Mignon, der mit Tidjane Thiam im Verwaltungsrat des französischen Petrochemie-Konzerns Arkema war.

Nun engagieren sich zwei weitere Haupaktionäre aktiv für den amtierenden CS-CEO. Zum einen: Silchester International Investors. Die Private-Equity-Firma aus London hält laut eigenen Angaben 3,26 Prozent der CS-Aktien.

Sollte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner seinen CEO nicht weiterhin unterstützen können, solle er darüber nachdenken, seinen Posten vorzeitig zu verlassen, heisst es in einem Statement von Silchester vom Mittwoch. 

Urs Rohner ist seit 2009 Verwaltungsratsmitglied und seit 2011 Präsident. Eigentlich müsste er spätestens zur Generalversammlung 2021 abtreten, da er dann die maximale Amtszeit von zwölf Jahren im Gremium erreicht hat.

Drohung mit rechtlichen Schritten

Silchester sieht laut dem Statement keinen Grund, warum Tidjane Thiam nicht die volle Unterstützung von Rohner haben sollte; und warum dieser nicht wie geplant 2021 in Pension gehen sollte.

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Dann wurde – zweitens – bekannt, dass die amerikanische Vermögensverwaltungs-Firma Eminence Capital ebenfalls ein Schreiben an die CS-Spitze gerichtet hat: Wie die «Financial Times» (Paywall) zitiert, drohen die New Yorker dem Verwaltungsrat rechtliche Schritte an für den Fall, dass CEO Thiam gefeuert werden sollte. Eminence erscheint allerdings nicht in der Liste der grössten CS-Aktionäre mit mindestens drei Prozent am Aktienkapital; seine gesamten Assets under Management erreichen 7 Milliarden Dollar.

Harris: Mehr Aktien als bislang bekannt

Zuvor hatte sich bereits David Herro vom US-Fondsmanager Harris Associates sehr betont ein weiteres Mal hinter Thiam gestellt. Der Vertreter des schwergewichtigen CS-Aktionärs drohte Rohner mit der Abwahl, falls es an der operativen Spitze der Grossbank zum Führungswechsel kommen sollte: Dies erfuhr die Finanzseite «The Market».

Er verfolge die Berichterstattung in den Medien mit grosser Sorge, mahnte Herro demnach in einem Brief an den CS-Verwaltungsrat. Dieser datiert vom 3. Februar 2020 und liegt «The Market» vor. «Wir stellen fest, dass Herr Rohner offenbar versucht, Herrn Thiam aus seiner Position zu entfernen», sagte Herro zum Onlineportal. «Deshalb verlangen wir vom Verwaltungsrat, Urs Rohner mit sofortiger Wirkung zu ersetzen, wenn dieser nicht in der Lage ist, Tidjane Thiam als CEO öffentlich zu unterstützen.»

Laut dem Schreiben hält Harris Associates 8,42 Prozent der CS-Aktien. Bisher war ein Anteil von lediglich rund 5 Prozent bekannt. Das US-Fondshaus ist damit der mit Abstand grösste Einzelaktionär der Schweizer Grossbank, vor der Qatar Investment Authority (5,21 Prozent), dem Staatsfonds Norwegens (4,98 Prozent) und der Olayan Group aus Saudi-Arabien (4,93 Prozent).

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(awp/mlo/rap)