Vor gut zehn Tagen meldete sich CS-Konzenchef Tidjane Thiam überraschend auf der Bilder-Plattform Instagram: Er kommentierte einen Zeitungsartikel («false and defamatory») und erklärte dazu, er werde sich nun auch auf diesem Wege einbringen: «Ab jetzt werde ich diese Plattform von Zeit zu Zeit verwenden, um zu reden, wenn falsche Informationen ans Publikum gebracht werden.»

Sieht man es unter diesem Gesichtspunkt, so postete Thiam nun eine interessante Stellungnahme. Denn bekanntlich spekulieren die Medien dieser Tage besonders eifrig darüber, wie lange er wohl noch im Amt sein wird und ob er gehen soll. Wichtige Stimmen wie die «Neue Zürcher Zeitung» und «Bloomberg» legten einen Austausch an der CS-Spitze nahe.

Und was zeigt das neue Insta-Bild dazu? Man sieht einen entspannt lächelnden und ostentativ gut gelaunten Tidjane Thiam, umgeben von allen Konzernleitungs-Mitgliedern der Credit Suisse. Mit dabei auch Thomas P. Gottstein, also jener Schweiz-Chef der CS, der besonders gern als Ersatz für Thiam herumgereicht wird.

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Der Hintergrund: Es seht eine Verwaltungsratssitzung an, in der – so die bekannten Spekulationen – über das Schicksal von CEO Thiam entschieden und Konsequenzen aus dem Beschattungsfall der Grossbank besprochen werden.

CS-Präsident Urs Rohner und weitere Verwaltungsräte seien angesichts immer neuer Enthüllungen und der laufenden Untersuchung der Finanzmarktaufsicht Finma zur Einsicht gelangt, dass ein Befreiungsschlag notwendig werden könnte, meldet heute auch «Reuters».

Präsident Rohner beschäftige sich bereits mit der Frage, wer Konzernchef Thiam ersetzen könnte, falls die Finma zum Schluss komme, dass er seine Pflichten vernachlässigt habe: Dies sagten zwei mit der Sache vertraute Personen zur britischen Nachrichtenagentur. Die Wirtschaftsagentur «Bloomberg» hatte am Freitag ähnliche Aussagen vermeldet (die aber von CS-Präsident Urs Rohner explizit dementiert worden waren).

Die Verwaltungsrats-Sitzung von diesem Donnerstag dürfte zwar nicht unmittelbar in einem Führungswechsel resultieren, aber könnte die Weichen für einen solchen Schritt in der Zukunft stellen. Einer der Insider sagte zu «Reuters», erst müsse sich noch weisen, ob Urs Rohner selbst überhaupt genügend Unterstützung für seinen Kurs habe – oder ob auch seine Position in Frage gestellt werden könnte. Credit Suisse wollte sich nicht zu den Informationen äussern.

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Wer sich aber eindeutig hinter Tidjane Thiam stellt, ist der grösste CS-Aktionär Harris Associates: David Herro, Vize der Fondsgesellschaft, setzte sich nochmals für den unter Kritik stehenden CS-Chef ein. Sollte es zu einem möglichen Wechsel an der Führungsspitze der Bank kommen, droht er CS-Präsidenten Rohner mit einer Abwahl. In einem Schreiben, das der Finanzplattform «The Market» (Paywall) vorliegt, forderte Herro das Aufsichtsgremium auf Thiam öffentlich das Vertrauen auszusprechen. 

Er verfolge die Berichterstattung in den Medien mit grosser Sorge, schreibt Herro im Brief an den CS-Verwaltungsrat vom 3. Februar: Es wäre ein schlimmer Fehler, den CEO zu ersetzen, der das Unternehmen auf so positive Weise transformiert habe.

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(reuters/tdr/rap)