Die Covid-19-Pandemie hat im ersten Halbjahr bei Roche tiefe Spuren hinterlassen. Die Konzernverkäufe sanken um 4 Prozent, von mehr als 30 auf gut 29 Milliarden Franken. Bei konstanten Wechselkursen stiegen sie leicht und zwar um 1 Prozent.

Was aber lassen sich aus den Zahlen lesen? Das Wichtigste in drei Punkten:

1) Roche war besonders exponiert

Im Mai, auf dem Höhepunkt des Lockdowns, gaben die Verkäufe des Basler Pharmakonzerns um 15 Prozent nach. Das liegt daran, dass sich viele Spitäler auf die Behandlung von Covid-19-Patienten konzentrierten und dass Roche als Produzent von hoch innovativen Medikamenten gegen Krebs und andere schwere Krankheiten, die oft im Spital verabreicht werden müssen, hier besonders exponiert war.

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Doch die Erholung hat bereits begonnen – wenn auch zaghaft. Im Juni stiegen die Verkäufe wieder um 3 Prozent, ein Trend, der sich in den ersten Juli-Wochen bestätigte, wie Konzernchef Severin Schwan sagte. Zum Vergleich: Im ersten Quartal hatten die Verkäufe noch 7 Prozent im Plus gelegen. «Die Gesundheitssyssteme haben sich angepasst», sagte der Konzernchef, «die Patientinnen und Patienten gehen wieder zum Arzt.» Er gehe davon aus, dass das so bleiben werde und die Gesundheitssysteme in nächster Zeit weiter in der Lage sein werden, andere Patienten als solche mit Covid-19 zu behandeln – auch wenn nach wie vor eine grosse Unsicherheit bestehe, wie sich die Pandemie entwickeln werde.

 

2) Portfolio-Umbau auf gutem Weg

Die Pandemie trifft Roche in einer ohnehin anspruchsvollen Phase, der Konzern steht mitten in einem gewaltigen Portfolio-Umbau. Die Patente der drei umsatzstärksten Krebsmedikamente Mabthera/Rituxan, Avastin und Herceptin laufen ab, es müssen Umsätze im Umfang von Milliarden Franken kompensiert werden. In Europa sind die Nachahmerprodukte schon auf dem Markt, in den USA schlug die Umsatzerosion der Mega-Blockbuster durch die Biosmiliars in den vergangenen Monaten erstmals voll zu Buche. Die Verkäufe von Avastin gingen im ersten Halbjahr um 18 Prozent zurück, die von Mabthera/Rituxan um 23 Prozent und die von Herceptin gar um 28 Prozent.

Die gute Nachricht dabei: Die Umsatz-Einbrüche konnten trotz Pandemie durch neue Produkte kompensiert werden, insbesondere durch das Immunonkologie-Medikament Tecentriq, aber auch durch Hemlibra (gegen Hämophilie) und Ocrevus (gegen Multiple Sklerose).

Die neuen Produkte hätten im zweiten Quartal fast 40 Prozent der Umsätze ausgemacht, sagte Pharma-Chef Bill Anderson. Zudem gab es im ersten Halbjahr vier neue Zulassungen.

Auch die Rekrutierung von Patienten für grosse Studien für wichtige Indikationen wie Alzheimer und Chorea Huntington konnte abgeschlossen werden, vier wichtige Krebsstudien konnten trotz Pandemie begonnen werden.

3) Die Corona-Tests sind kein grosser Posten

Roche zählt weltweit den wichtigsten Playern bei der Sars-CoV-2-Diagnostik. Das Unternehmen kam schon im Januar mit einem ersten Virus-Test auf den Markt, später folgte im April ein Test, der vollautomatisch auf den grossen Labormaschinen läuft – «ein Quantensprung», wie Konzernchef Severin Schwan damals sagte. Zudem sind Basler im immer wichtiger werdenden Geschäft mit den Antikörper-Tests ein wichtiger Player. Mit Antikörper-Tests kann nachgewiesen kann, ob jemand eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht hat.

Das Geschäft mit der Virus-Diagnostik vermochte den Einbruch bei der regulären Diagnostik zu kompensieren. Die Verkäufe stiegen – bei konstanten Wechselkursen – um 3 Prozent. Wegen des starken Schweizer Frankens resultierte aber dennoch ein Minus von 6,3 auf 6,1 Milliarden Franken.

Die Verkäufe im Bereich Molekular-Diagnostik stiegen zwar um gut eine halbe Milliarde Franken, gleichzeitig gaben die Diagnostik-Verkäufe in den Zentrallabors und an den Points of Care – insbesondere der Arztpraxen – von 3,8 auf 3,2 Milliarden Franken nach.

Trotzdem ist die Pandemie eine Gelegenheit für Roche, seine Position in der Diagnostik auszubauen. «Wir sehen hier eine Chance», sagte Thomas Schinecker, Chef der Diagnostik-Sparte. Die Not sei teilweise so gross gewesen, «dass die Regierungen Militärflugzeuge schicken, um Komponenten für die Covid-19-Diagnostik abzuholen».