Mehr Professionalität geht nicht: Kurz nach seiner Kündigung bei der Credit Suisse verabschiedet sich Iqbal Khan in einem Brief ans Personal. Und verweist auf die erreichten «unglaublichen Resultate» und auf die Ehre, «dieses einzigartige Team» geführt zu haben.

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Zuvor schon hatte Konzernchef Tidjane Thiam seinen Mitarbeiter («ein herausragender Leistungsträger») über den grünen Klee gelobt und ihm einen «passenden Farewell» in Aussicht gestellt.

Bunte Girlanden, grosse Worte. Doch hinter der perfekten Inszenierung verbirgt sich ein Machtpoker, der monatelang mottete und diese Woche mit der Kündigung von Iqbal Khan ­endete. Der CEO des International Wealth Management von Credit Suisse geht ohne neuen Arbeitsvertrag in der Westentasche.

Dreamteam hat ausgeträumt

Dabei galt das Duo Thiam/Khan jahrelang als Traumteam in der neuen Credit Suisse: Hier der Konzernchef, der mit einem Fitnessplan die lendenlahme Grossbank wieder in Form bringt, dort Khan, sein Schlüsselspieler. Er war der Mann, der im wiederentdeckten Kerngeschäft, der inter­nationalen Vermögensverwaltung, für Milliardenzuflüsse sorgte und die ­Profitabilität verdoppelte.

Thiam gefiel auch, wie der Jungdynamiker mit seinen fulminanten Auftritten Analysten wie Anleger in den Bann zog. Khan war auf dem Weg zum Superstar, neben Thiam. Die Bande zwischen den beiden Ambitionierten waren eng. Sie setzen auf Asien, auf Wachstum und sprechen beide perfektes Englisch. Thiam arbeitete in London, Khan wuchs in Karatschi auf, in der Heimat seines Vaters. Die Beziehung ging tiefer.

Hecke an Hecke in Herrliberg

In der Zürcher Vorortsgemeinde Herrliberg kauften beide 2015 je ein Grundstück mit Villa, nur durch eine Hecke getrennt. Auch hier blieben die Machtverhältnisse ­gewahrt: Thiams Parzelle ist doppelt so gross wie die von Khan.

Iqbal Khan CS

Iqbal Khan: Der Chef der internationalen Vermögensverwaltung verlässt die Bank.

Quelle: @CreditSuisse / Twitter

Angeblich soll es in jüngster Zeit zwischen den Nachbarn zum Disput gekommen sein. Wenig begeistert sei Khan gewesen, als Thiam 2018 die Vermögensverwaltung mit dem Projekt «Momentum» regionalisierte und Macht aus der Zentrale in die Regionen verschob. Für Irritation sorgte schliesslich auf der CS-Chefetage, dass in den letzten Monaten ständig Gerüchte die Runde machten, wonach der aufstrebende Khan in Gesprächen mit Konkurrenten sei.

Am häufigsten sahen ihn die Medien als künftigen Bär-Boss. Die Privatbank wird nach dem Abgang von Boris Collardi von dessen früherem Stellver­treter Bernhard Hodler geführt. Aller Voraussicht nach dürfte dieser 2020 in den Bär-Verwaltungsrat übertreten und den Chefposten abgeben. Khan wollte mehr In der Credit Suisse hätte man die Meldungen über Khans allfälligen nächsten Karriereschritt gerne mit ­einem gesteuerten Dementi aus dem Off aus der Welt geschafft. Doch daran hatte der Heissbegehrte wenig Inte­resse.

«Grossartigen Kandidaten ausgesucht»

Schliesslich soll dieser auch beim Chef sachte sondiert haben, wie es denn um einen nächsten Karriereschritt bestellt wäre. Angeblich aber wollte Thiam keinerlei Zusagen abgeben, schon gar nicht über einen all­fälligen Wechsel auf den Präsidententhron, der 2021 frei wird, wenn Amtsinhaber Urs Rohner den Rücktritt gibt.

Mit seinem Abgang kann der smarte Khan unbeschwert alle Optionen im In- und Ausland sondieren. Ein Grossteil seines Marktwerts nimmt freilich sein Ex-Chef in Anspruch. Im Communiqué wird Thiam so zitiert: «Ich habe Iqbal Khan als grossartigen Kandidaten für den Job als CEO der interna­tionalen Vermögensverwaltung aus­gesucht.»