Nein, es geht nicht ums Geld. Bei Rolex und Patek Philippe geht es nie ums Geld. Auch wenn die Weigerung der Baselworld, den Uhrenmarken ihre Vorauszahlungen für die abgesagte Uhrenmesse 2020 vollständig zurückzubezahlen vielleicht so etwas wie der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Der Rückzug von Rolex, Patek Philippe, Chopard, Chanel und Tudor von der Baselworld ist im Kern ein Kampf der Kulturen, der unterschwellig bereits seit Jahren für erhebliche Verstimmung zwischen Messeleitung und Ausstellern sorgte.

Kurzzeitig ist es dem neuen Baselworld-Direktor Michel Loris-Melikoff zwar gelungen, die vom ehemaligen MCH-Chef René Kamm nie ernst genommene Eskalation des Konflikts mit der Vision eines realen Neuanfangs zu übertünchen. Doch zuletzt schlichen sich wieder die alten Muster ein: Die Baselworld-Verantwortlichen agierten nicht wie Gastgeber, die sich für ihren Service gut bezahlen lassen, sondern agierten wie arrogante Landlords, welche ihre Abhängigkeit vom Goodwill der relevanten Uhrenmarken auch nach dem Auszug der Swatch Group nicht begriffen haben. Nun bekommen sie die Quittung aus der Westschweiz und den dort beheimateten Marken.

Die «bonne société» – die gute Genfer Gesellschaft – rächt sich an den «Ploucs» – den ungehobelten Rüpeln – aus Basel. Und geht siegreich vom Platz. Ohne Rolex und Patek gibt es auch für anderen Marken kaum mehr einen Grund, Unsummen in die Präsenz in Basel zu investieren, um etwas vom Glanz der grossen Marken abzubekommen. Das Ende der Baselworld ist nach über 100 Jahren besiegelt. 

Anzeige