Kupfer hat es Metalldieben besonders angetan. Für die Recyclingfirmen und die Bahnen sind die kriminellen Banden ein massives Problem. Die SBB hat ihre Lagerbestände an Kupfer markant verkleinert und die Alteisen-Firmen haben die Überwachung verstärkt. Zwei Drittel der Metalldiebstähle im Kanton St. Gallen betreffen Kupfer, wie der St. Galler Polizeisprecher Hanspeter Krüsi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagt. Ein Grossteil der Beute wird von den Dieben an Abnehmer ins Ausland verschoben.

Am Montag stand ein 36-jähriger Rumäne in St. Gallen vor Gericht, dem eine Beteiligung an mehreren Kupferdiebstählen nachgewiesen werden konnte. Ein Fall ereignete sich im Oktober 2013: Beim Einbruch in eine Recyclingfirma in St. Gallen stahlen Mitglieder der Bande 1200 Kilogramm Kupferdraht, rund 600 Kilogramm Kupferringe und rund 200 Kilogramm Abfallkupfer. Zum Abtransport der zwei Tonnen Kupfer stahlen die Diebe einen Lieferwagen der Firma. Drei Wochen später wurde der Wagen in Luxemburg aufgefunden.

Nachfrage enorm gestiegen

Die Nachfrage nach Kupfer ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Gerade in der boomenden Elektronikbranche findet das Edelmetall aufgrund der guten Leitfähigkeit Verwendung. Während die Nachfrage nach Kupfer rasant angestiegen ist, konnten die Fördermengen nur langsam gesteigert werden. Diese einseitige Entwicklung hat zu einem Angebotsdefizit geführt und den Kupferpreis 2008 bis über die Marke von 10'000 US-Dollar pro Tonne Kupfer steigen lassen.

2010 listet die Statistik für den Kanton St. Gallen 46 Metalldiebstähle auf, 2011 und 2013 waren es 27, 2012 kamen 34 zusammen und 2014 waren es 15. Fallende Kupferpreise sorgen für eine Atempause. Zurzeit wird eine Tonne Kupfer für rund 5800 Dollar gehandelt. «Sobald die Metallpreise wieder steigen, nehmen die Diebstähle wieder zu», sagt der Polizeisprecher.

Spezialisierte Banden

In Westeuropa hätten sich Banden auf Kupferdiebstähle spezialisiert. Der 36-jährige Rumäne, der vom Kreisgericht St. Gallen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt wurde, gehörte zu einer Diebesbande, die von einer Wohnwagensiedlung bei Strassburg aus wirkte. Die Bande ging in unterschiedlicher Zusammensetzung auf Diebestour.

Auf Baustellen, auch in der Schweiz, werden öfters Metallplatten oder gar tonnenschwere Bagger entwendet. Die Schäden, welche die betroffenen Firmen durch den Metallklau erleiden, sind enorm. Die Recyclingfirmen hätten ihre Sicherheitsmassnahmen erhöht, sagt Krüsi. Die Banden seien jetzt immer weiter östlich am Werk.

Millionenschaden bei SBB

Auch die SBB ist betroffen. 50 Diebstähle mit einem Gesamtschaden von einer Millionen Franken verzeichnete das Schweizer Bahnunternehmen im Jahr 2013. Es gebe immer wieder grosse Schwankungen, sagt SBB-Sprecher Reto Schärli. Die SBB führt keine Statistik über die Metalldiebstähle. Die Diebe stehlen entweder Kupfer aus Lagern oder Erdseile entlang den Strecken.

Im Kanton Aargau haben Kupferdiebe in den Jahren 2009 und 2013 mehrmals Erdungskabel abmontiert. Ein Kabelstück von einem Kilometer Länge hat einen Wert von 5000 Franken. Der Sachschaden beträgt das Doppelte. Die Erdungskabel verlaufen auf einer Höhe von vier Metern neben der Fahrleitung.

«Die Demontage ist lebensgefährlich», sagt Schärli. Die Erdseile stehen im Normalfall nicht unter Spannung, wohl aber die sich in unmittelbarer Nähe befindenden Fahrleitungen mit 15‘000 Volt Spannung. Für einen tödlichen Stromschlag brauche es keine direkte Berührung, auch die Annäherung an eine Fahrleitung könne tödlich enden.

Lagerbestände verkleinert

Inzwischen hat die SBB die Lagerbestände markant verkleinert. «Auch die Überwachung wurde intensiviert», sagt Schärli. Die dicht besiedelte Schweiz sei viel weniger stark von Metalldiebstählen betroffen als die Nachbarländer.

2013 wurden bei der Deutschen Bahn 2700 Fälle von Kupferdiebstählen verzeichnet, der Materialschaden bezifferte sich auf 17 Millionen Euro. Die Diebe legten zum Teil komplette Bahnstrecken lahm, die Reisenden mussten stundenlange Verspätungen in Kauf nehmen.

(sda/gku/me)