Das Geschäft mit den Superreichen wird für die Versicherer zum Kassenschlager und sorgt sowohl bei Bâloise als auch bei Swiss Life für ordentliche Zuwachsraten. Die Rede ist von strukturierten Lebensversicherungen, sogenannten Wrappers. Forciert werden konnte das Geschäft unter anderem dank den in Verruf geratenen Trusts und Stiftungen sowie der italienischen Steueramnestie. Die Finma warnt aber vor zuviel Übermut. «Das Wrapping-Geschäft birgt rechtliche Risiken», sagt Sprecher Alain Bichsel.

Wrappers zeichnen sich dadurch aus, dass Vermögensanlagen wie Aktien, Obligationen, Fonds und so weiter in eine Lebensversicherung übertragen und dadurch «ummantelt» werden. Im Anschluss erscheint bei der zuständigen Bank nur noch die Assekuranz als Eigentümerin des jeweiligen Depots. Neben der Verschleierung profitiert der Anleger von einem Steueraufschub in einzelnen Ländern sowie von einer steuerprivilegierten Vermögenswerteübertragung an die gewählten Begünstigten. Die Produkte werden hauptsächlich über Liechtenstein oder Luxemburg vertrieben. Der Versicherte profitiert dabei unabhängig von seinem Domizil von den Vorteilen des jeweiligen Versicherungsstandortes und damit beispielsweise von der steuerlichen Effizienz oder dem Konkursschutz. Swiss Life betreibt zusätzliche Tochtergesellschaften in Dubai und Singapur.

Besonders die Kundendaten-Verschleierung durch die Assekuranz stösst vermehrt auf Unmut in der Öffentlichkeit. So werfen immer mehr Kritiker den Versicherern vor, mit solchen Konstrukten Steuerhinterziehung zu fördern.

Rasantes Wachstum

Im Bereich Wrapping-Produk-te - bei Swiss Life Private Placement Life Insurance (PPLI) genannt - generierte der Lebensversicherer 2009 ein Neugeschäftsvolumen von 4,8 Mrd Fr. Das entspricht einem Wachstum von 139%. Und auch für 2010 soll die Nachfrage anhalten. «Kunden auf der ganzen Welt haben ein Bedürfnis nach Sicherheit bei Anlagen, generationenübergreifender Gesamtvermögensplanung oder einem hohen Mass an Liquidität und Flexibilität», sagt Peter Huber, CEO PPLI. Swiss Life sei im Markt gut positioniert, um von den Wachstumschancen profitieren zu können. Der Versicherer schätzt das Marktpotenzial auf rund 200 Mrd Fr.

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Auch Bâloise hat in diesem Markt stark zulegen können. Erst Ende 2008 gegründet, erzielten die Basler 2009 bei den strukturierten Lebensversicherungen ein Geschäftsvolumen von 1,6 Mrd Fr. Und auch hier hält der positive Trend an. «Wir sind gut ins Jahr 2010 gestartet, sicherlich auch aufgrund der bis April laufenden Steueramnestie in Italien», sagt Frank Nuy, CEO Bâloise Life (Liechtenstein). Parallel dazu würde sich Bâloise mit grenzüberschreitenden Vertriebsaktivitäten in Deutschland und Österreich positionieren. «Insgesamt wird es im 2. Halbjahr darauf ankommen, das Geschäft in diesen Märkten verstärkt aufzubauen, um die jetzt geschaffene Rechtssicherheit in Deutschland für uns zu nutzen», sagt Nuy.

Heikles Geschäft?

Doch am Wrapping-Himmel braut sich ein Gewitter zusammen. «Die Unternehmen sollen nicht unangemessene Risiken eingehen, womit letztlich ihre Stabilität gefährdet werden könnte», sagt Bichsel. Umso mehr prüfe die Finma nun, ob allenfalls Handlungsbedarf beim Risikomanagement im Zusammenhang mit den Wrapper-Produkten besteht. Die Notbremse hat bereits Zurich Financial Services gezogen und liquidierte ihre Liechtenstein-Gesellschaft per Ende 2009. Die Vertriebsaktivitäten wurden bereits Ende 2008 eingestellt. Dies würde jedoch nicht im Zusammenhang mit der Finanzkrise, sondern mit einer strategischen Neuausrichtung stehen, betont Sprecher Franco Tonozzi.

Sich vom Wrapping-Geschäft bisher ferngehalten hat die Allianz. «Wir wollen keine Produkte fördern, die ein Reputationsrisiko bergen», sagte Manfred Knof, CEO Allianz Suisse an der Jahreskonferenz. Knof weiss, wovon er spricht: Noch Anfang 2008 prüfte die Gesellschaft in Absprache mit dem Mutterkonzern den Eintritt in Liechtenstein. Aufgrund der sich zuspitzenden liechtensteinischen Steueraffäre wurde es der Allianz aber zu heiss. «Reputationsrisiken konnten nicht ausgeschlossen werden», begründete die Gruppe damals ihren negativen Entscheid.