Die Gerüchte kursieren seit Jahren, doch nun verdichten sie sich: Die Deutsche Bank und die Commerzbank sollen eine gemeinsame Zukunft planen. Eine Fusion der beiden grössten Bankinstitute Deutschlands hätte Auswirkungen auf den ganzen europäischen Finanzplatz – und auch auf die Schweiz. Hier haben beide Banken grosse Niederlassungen.

Deutsche Gewerkschaften befürchten bei einer Fusion den Abbau Zehntausender Jobs: Die beiden Banken machen sich auf mehreren Gebieten Konkurrenz. Insgesamt beschäftigt die Deutsche Bank knapp 100'000 Mitarbeiter, bei der Commerzbank sind es etwas weniger als 50'000, vielerorts in Deutschland stehen die Filialen gleich nebeneinander und offerieren dem Publikum eine vergleichbare Grundversorgung.

Doch in der Schweiz herrschen indes andere Verhältnisse: Hier kommen sich die beiden Institute wenig in die Quere. Die eine Bank konzentriert sich aufs Firmenkunden-Business, die andere setzt vor allem auf die Vermögensverwaltung.

Die Commerzbank betreut Unternehmen...

Konkret: Die Commerzbank Schweiz konzentriert sich auf Unternehmen mit Jahresumsätzen ab 15 Millionen Franken. Hier meldete die Bank vor einem Jahr – im Frühling 2018 – rund 1800 Kundenverbindungen. Und für deren Betreuung betreibt die Bank mit dem gelben Logo nicht nur einen Sitz in Zürich, sondern auch Niederlassungen in Basel, Bern, Lausanne, Luzern und St. Gallen; also ein ungewöhnlich dichtes Netz für eine Auslandsbank. Eine Spezialität der Schweiz-Tochter mit über hundert Angestellten ist die Exportfinanzierung.

... die Deutsche Bank wirbt um reiche Kunden

Die Deutsche Bank ist mit über 500 lokalen Mitarbeitern auch in der Schweiz der grössere der beiden Fusionskandidaten. Ihr Fokus liegt auf dem Wealth Management für vermögende Kunden, ferner im Asset Management, also im Geschäft mit institutionellen Investoren. Und sie hat auch Investmentbanking im Angebot. Hinzu kommt ein Ableger der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Laut den neusten Zahlen betrug die Bilanzsumme der Deutschbanker in der Schweiz 2017 gut 8,2 Milliarden Franken, womit sie einen Gewinn von 20 Millionen Franken erzielten.

Die Commerzbank steht seit 2013 unter der Leitung von CEO Marc Steinkat. In dieser Zeit ist sie stetig gewachsen. Mehr Bewegung herrschte bei der Deutschen Bank: Zuletzt verliessen gleich vier Topmanager das Institut. Chef Peter Hinder trat auf Anfang Februar zurück. Soeben wurde der Abgang von Vermögensverwaltungschef Peter Arni sowie von zwei weiteren Führungskräften bekannt.

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Imagefilm: So sieht sich die Commerzbank Schweiz.

Bis vor zehn Jahren machten sich die beiden Institute auch hierzulande stärker das Geschäft streitig: Die Commerzbank war wie die Deutsche Bank im Private Banking tätig – bis sie den Ableger in den Turbulenzen von Finanzkrise und Steuerstreit 2009 an die Bank Vontobel verkaufte. Zwei Jahre später machte sie einen zweiten Anlauf und startete das Geschäft mit Schweizer Firmenkunden.

(mbü)