Die Energieaktien stürzten in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 ab und fielen um mehr als 50 Prozent, so sagt es ein im März veröffentlichter Bericht von S&P Global Market Intelligence.

Wie das in Dollar aussieht, ist besonders auffällig. Die 25 grössten Öl- und Gasunternehmen nach Marktkapitalisierung verloren Ende März in nur drei Monaten 811 Milliarden Dollar, nachdem sie Ende letzten Jahres eine Gesamtmarktkapitalisierung von fast zwei Billionen Dollar erreicht hatten. 

Exxon verlor in diesem Zeitraum etwa 135 Milliarden Dollar, das sind etwa 17 Prozent des Gesamtwertes, der verdunstet ist. Andere grosse Unternehmen wie Shell und Total verloren ebenfalls Milliarden.

Schlumberger erlitt den grössten Einbruch beim Wert seiner Aktien. Laut S&P verlor das Ölfeld Dienstleistungsunternehmen 36,9 Milliarden Dollar oder 66 Prozent seiner Marktkapitalisierung

«Raffinerie- und Pipeline-Unternehmen sahen besonders grosse Schwankungen in der Marktkapitalisierung», sagte S&PEnergy Transfers, zum Beispiel, die Firma hinter der umstrittenen Dakota Access Pipeline, verlor fast zwei Drittel ihrer Marktkapitalisierung und fiel innerhalb von drei Monaten von etwa 34 Milliarden Dollar auf etwa 12 Milliarden Dollar. 

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Unterdessen wird erwartet, dass Pipeline-Unternehmen, die sich auf den Gastransport konzentrieren, wie z.B. Kinder Morgan, «den finanziellen Abschwung besser überstehen werden als ihre kleineren Kollegen aus der Mitte des Marktes». Sie haben eher einen vielfältigen Kundenstamm und sind nicht auf ein einzelnes Ölfeld angewiesen, so S&P.

Ölfelder

Auch in der Krise saugen die Pumpenheber das Öl weiter aus dem Boden.

Quelle: Getty Images/EyeEm

Coronavirus hat die Nachfrage nach Öl verkratzt 

Die Gewinne der Ölindustrie sind an den Ölpreis gebunden, der in den letzten drei Monaten dramatisch eingebrochen ist und seit Jahresbeginn um bis zu 65 Prozent gesunken ist. Das Problem ist die implodierte Nachfrage.

Die Regierungen haben grossen Teilen der Weltbevölkerung geraten, zu Hause zu bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Das bedeutet, dass weniger Menschen reisen und erdölbasierte Brennstoffe verbrauchen. 

Saudi-Arabien hat auch damit begonnen, das Angebot zu erhöhen, was den Preis noch weiter in den Keller treiben dürfte.

Wiederbelebung des Ölpreises

Die Anzeichen dafür, dass sich eine Koalition ölproduzierender Nationen auf eine Drosselung des Angebots verständigt, treiben den Preis, der am Donnerstag und Freitag der letzten März-Woche sprunghaft angestiegen ist, in die Höhe.

Aber selbst eine Angebotskürzung wird nicht viel zur Wiederbelebung des Ölpreises beitragen, so die jüngsten Berichte von Goldman Sachs

In der ersten Aprilwoche pendelte der Preis für US-Rohöl um 26 Dollar pro Barrel. Bei diesen Kosten werden viele Ölfirmen wahrscheinlich Geld verlieren – wenn man bedenkt, dass der Break-even-Ölpreis für den Cashflow eines durchschnittlichen Unternehmens bei etwa 25 Dollar pro Barrel liegt, so das Forschungsunternehmen Rystad Energy. 

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Business Insider

► Dieser Text wurde zuerst am 6. April 2020 unter dem Titel «$810 billion in market value up in smoke: Here are the 25 biggest losers in the wake of the oil price meltdown» im Abo-Angebot des «Business Insider Prime» publiziert.

 

Kommen als Nächstes die Haushaltskürzungen und Entlassungen?

Bis zum 26. März hatten die zehn grössten Öl- und Gasunternehmen nach Marktkapitalisierung laut S&P bereits rund 30 Milliarden Dollar an Ausgabenkürzungen angekündigt.

Die meisten dieser Kürzungen liegen in der Grössenordnung von 20 Prozent oder mehr. Aber die Haushaltskürzungen sind erst der Anfang. 

Eine Kürzung der Ausgaben bedeutet in der Regel eine Reduzierung der Öl- und Gasförderung und einen Personalabbau.

Mehrere Unternehmen, darunter ConocoPhillips und Occidental Petroleum, haben ihre Produktionsprognosen für 2020 bereits gesenkt, und andere – wie Apache und Halliburton –  entlassen oder entlassen laut mehrerer Nachrichtenberichte Mitarbeiter. 

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Öltanks am Hafen, Cuxhaven, Nordsee, Niedersachsen, Deutschland, Europa Copyright: imageBROKER/WilfriedxWirth ibldwh04527518.jpgOil tanks at Port Cuxhaven North Sea Lower Saxony Germany Europe Copyright image broker WilfriedxWirth ibldwh04527518 JPG Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung!

Wie hier in Cuxhaven lagern viele Öltanks direkt am Wasser.

Quelle: imago/imagebroker

Die Rangliste

Business Insider hat anhand von Daten von S&P Global Market Intelligence eine Rangliste der 25 grössten Öl- und Gasunternehmen, sortiert von den kleinsten zu den grössten Verlusten in Prozent ihrer Marktkapitalisierung erstellt, in den ersten drei Monaten des Jahres. (Die Zahlen in der Klammer stellen Verluste in Dollar für den gleichen Zeitraum dar.)

  1. Neste Oyj - 2,6% (686 Millionen Dollar) 
  2. TC Energy Corp. - 17,1% (8,6 Milliarden Dollar)
  3. Enbridge Inc. - 27,3% (22 Milliarden Dollar)
  4. TOTAL - 29,9% (42,7 Milliarden Dollar)
  5. Cheniere Energy Partners - 32,2% (6,2 Milliarden Dollar)
  6. BP - 32,2% (41 Milliarden Dollar)
  7. Kinder Morgan Inc. - 32,2% (16,4 Milliarden Dollar)
  8. Eni - 34,8% (19,1 Milliarden Dollar)
  9. Equinor - 36,9% (24,3 Milliarden Dollar)
  10. Chevron - 40% (90,6 Milliarden Dollar)
  11. Williams Cos. Inc. - 40,3% ($11,6 Milliarden)
  12. Repsol - 41,4% (9,6 Milliarden Dollar)
  13. Royal Dutch Shell - 41,5% (96,2 Milliarden Dollar)
  14. ExxonMobil - 45,6% (134,8 Milliarden Dollar)
  15. Enterprise Products Partners - 49,2% (30,3 Milliarden Dollar)
  16. Valero Energy Corp. - 51,7% (19,8 Milliarden Dollar)
  17. Suncor Energy - 51,9% (26,1 Milliarden Dollar)
  18. Phillips 66 - 52,2% (25,6 Milliarden Dollar)
  19. ConocoPhillips - 53% (37,4 Milliarden Dollar)
  20. MPLX - 54,4% (14,6 Milliarden Dollar)
  21. EOG Resources - 57,1% (27,8 Milliarden Dollar)
  22. Canadian Natural Resources - 58,3% ($22,4 Milliarden)
  23. Marathon Petroleum Corp. - 60,7% (23,7 Milliarden Dollar)
  24. Energy Transfer - 64,1% (22,1 Milliarden Dollar)
  25. Schlumberger - 66,4% (36,9 Milliarden Dollar)
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Dieser Artikel zählt zum Abo-Angebot des «Business Insider Prime». Das Original wurde aus dem Englischen übersetzt.

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