Die Weihnachtszeit – eine Zeit der Besinnung und der Rückschau. Anleger des Schweizer Aktienmarktes können sich dieses Jahr durchaus ein Guetzli mehr gönnen. Denn die Entwicklung des SMI kann man 2019 als sehr erfreulich bezeichnen, besonders nach der schwachen Leistung mit Verlusten von 10 Prozent im vorigen Jahr.

In erster Linie war es für den Schweizer Leitindex ein Rekordjahr. Nach einem ersten Höhepunkt im November setzte der SMI dann kurz vor Weihnachten nochmal zu einer neuerlichen Rekordjagd an. Am heutigen Montagmorgen wurde bereits ein neuer Rekordstand von über 10'700 Punkten erreicht. Damit hat der SMI seit Jahresbeginn um satte 27 Prozent zugelegt.

Starkes erstes Quartal

Eingeleitet wurde die Jahresendrally einerseits von einer Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA. Andererseits dürfte der deutliche Wahlsieg von Boris Johnson den leidlichen Brexit-Diskussionen wohl bald ein Ende setzen.

Die gute Performance des Schweizer Aktienmarktes war entsprechend für viele Experten auch das Highlight des Jahres. «Besonders stark war das erste Quartal mit einem Kursanstieg von über 10 Prozent im SMI», sagte beispielsweise Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St. Galler Kantonalbank in der Rückschau.

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Politik des billigen Geldes treibt an

Die Gründe für die erfreuliche Aktienmarktentwicklung sind schnell gefunden. «Aktien sind derzeit schlicht alternativlos», fasst es ein Händler zusammen. Die Entwicklung des letzten Jahres könne man klar als liquiditätsgetriebene Hausse beschreiben. «Selbst in den USA ist die Geldpolitik wieder expansiv, das treibt die Kurse weltweit in die Höhe», so der Börsenexperte.

Ähnlich sieht dies Christian Gattiker, Chef-Investmentstratege bei Julius Bär. «Wichtigster Treiber war die Antwort der Geldpolitik auf die Unsicherheiten in der Wirtschaft rund um den Handelskonflikt. Besonders der 'Leitwolf' unter den Notenbanken, die US-Notenbank Fed, hat hier gegenüber 2018 eine 180-Grad-Wende vollzogen. Mehr als ein Dutzend andere Notenbanken sind ihr gefolgt.»

Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank macht noch weitere Treiber aus. «Viele SMI-Unternehmen haben ein ansehnliches Gewinnwachstum gezeigt. Nur bei vier Unternehmen sank der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr», erklärt der Experte. Zudem unterstütze die meist gute Dividendenrendite von Schweizer Titeln gerade gegenüber den negativen Zinsen von Staatsanleihen die Nachfrage nach Aktien.

Auch international lief es rund

Der SMI ist dabei mit seiner guten Entwicklung nicht allein auf weiter Flur. Weltweit können Aktienanleger auf ein starkes Jahr 2019 zurückblicken. So kletterte der US-Leitindex Dow Jones in New York bis kurz vor Weihnachten um 21 Prozent, der Dax in Frankfurt legte 25 Prozent zu und auch der EuroStoxx 50 stieg um 25 Prozent.

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Auch an den asiatischen Börsen konnte über Kursgewinne gejubelt werden. Für den japanischen Nikkei ging es um 19 Prozent nach oben, in Hongkong verbuchte der Hang Seng allerdings nur ein Plus von knapp 8 Prozent. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen kletterte indes um 34 Prozent.

Nicht nur eitel Sonnenschein

Aber VP Bank-Experte Hartmann ist nicht ausschliesslich positiv gestimmt. «Kritisch anzumerken ist, dass die drei Schwergewichte Roche, Novartis und Nestlé zusammen ein Indexgewicht von 54 Prozent haben. Das gute Gewinnwachstum dieser drei Unternehmen lässt den SMI stärker erscheinen, als die meisten Schweizer Unternehmen abgeschnitten haben.»

Gattiker fügt zudem hinzu, dass Anleger bis ins zweite Quartal 2019 warten mussten, um die Höchststände vom Januar des Vorjahres 2018 wieder zu erreichen. «So fulminant wie es auf 12 Monate ausschaut, ist der Anstieg also in der längeren Betrachtung nicht.»

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Legt man beispielsweise einen Zeitraum von 5 Jahren zugrunde, also seit Ende 2014, stehen «nur» rund 17 Prozent Kursanstieg auf der Haben-Seite für den SMI. Schuld daran ist die schwache Performance von Mitte 2015 bis Ende 2016 sowie das Verlustjahr 2018.

Dennoch darf behauptet werden, dass das Jahr 2019 durchaus seinen Platz in den Jahrbüchern der SMI-Geschichte finden wird - und das nicht zuletzt wegen eines neuen Rekordhochs.

(awp/mbü)

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