Denner steht vor einem historischen Wechsel. Philippe Gaydoul, ehemaliger Chef und Besitzer des Discounters, tritt gemäss BILANZ-Recherchen am 15. März als VR-Präsident ab. Er wird an der Denner-GV freiwillig, aber mit einiger Wehmut abgeben; immerhin hat sein Grossvater Karl Schweri die Detailhandelsfirma 1951 gekauft und als Harddiscounter zur Blüte gebracht. 2000 übernahm Gaydoul, damals gerade 28-jährig, das Zepter. Sieben Jahre später verkaufte er Denner an die Migros. Der Verkaufspreis: 950 Millionen Franken.

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Wer Gaydoul als Präsident folgt, ist offenbar bestimmt. Ganz frei ist die Migros-Tochter bei der Wahl ihres Chairman nicht. Sie muss Vorgaben der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) einhalten, die diese bei der Übernahme formulierte. Dazu gehört: «Die Mehrheit des Verwaltungsrates einschliesslich des Präsidenten von Denner sind von Migros unabhängige Dritte.» Als unabhängig gelten Manager, die nicht auf der Payroll einer Migros-Gesellschaft figurieren. Damit fallen Denner-Vize Dieter Berninghaus (Handelschef Migros), der eigentlich logischer Nachfolger wäre, und VR Herbert Bolliger (Konzernchef) aus dem Rennen. Wählbar ist dagegen Oswald Kessler. Er ist seit knapp einem Jahr pensioniert, also formell unabhängig. Der 64-jährige Ex-Chef der Migros- Genossenschaft Zürich, der am Donnerstag gekürt wird, ist ein Präsident mit Verfalldatum. Denn die Weko-Auflagen gelten bezüglich Präsidium nur bis 2014. Berninghaus, im Migros-Konzern für Denner zuständig, wird wohl nach dem Kessler-Interregnum vom Vizepräsidenten- auf den Präsidentenstuhl rutschen. Das Revirement eilt allerdings nicht. Der Denner-Motor brummt, und mit Mario Irminger ist ein CEO installiert.

Für Gaydoul ist der Abgang bei Denner gut gewählt. Es war nie ganz einfach, dass der ehemalige Chef/Besitzer weiter im VR mitredete, obwohl das Unternehmen längst der Migros gehört. Zudem muss sich der Denner-Erbe dringend um seine Gaydoul Group kümmern, in der die Modemarken Fogal, Hanhart, Navyboot und Jet Set eingebracht sind. Die aufziehende Konsumunlust und der starke Franken drücken auf die Umsätze.