Theo Siegert ist seit Jahren der grösste Einzelaktionär der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Laut Geschäftsbericht 2018 gehören ihm 5,24 Prozent der SNB oder 5240 Aktien.

Siegerts Aktienpaket ist derzeit rund 30,6 Millionen Franken wert. Über seine Interessen wurde immer wieder spekuliert, denn als Privataktionär ist sein Stimmrecht gemäss Nationalbankgesetz auf höchstens 100 Aktien beschränkt. Damit kann er die Geldpolitik der SNB auch nicht beeinflussen.

Dass er nichts zu sagen hat, erklärt wohl, warum ein Deutscher überhaupt bei der SNB grösster privater Einzelaktionär sein kann. An der Generalversammlung der SNB am heutigen Freitag nimmt er nach Auskunft einer Mitarbeiterin seines Unternehmens de Haen-Carstanjen & Söhne nicht teil.

Bekannt wurde Siegerts SNB-Investition im Jahr 2008. Damals begründete er sein Engagement gegenüber der Zeitung «cash daily» mit der «Bonität und Professionalität» der SNB. Er strich auch die Langfristigkeit seiner SNB-Investition heraus. In anderen Worten: Siegert hält die SNB für eine sichere Investition.

Wer ist der Grossaktionär?

Theo Siegert lehrte von 1997 bis 2012 als Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Sein Spezialgebiet waren Finanzanalyse und Unternehmensführung.  

Zudem war Siegert lange beim deutschen Mischkonzern Haniel tätig, ab 2005 leitete er das Unternehmen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1993 die Unternehmensführung der Düsseldorfer Familienfirma de Haen-Carstanjen & Söhne. Die Firmengeschichte des Traditionsunternehmens reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Family Office

Früher handelte die Firma mit Waren für Apotheken, für die chemische und die Lebensmittelindustrie. Heute steckt dahinter der familieneigene Vermögensverwalter, in dem Siegert seit 2004 das Familienvermögen managt.

Siegert steht ausserdem verschiedenen Stiftungen und Verbänden vor und vergibt Stipendien in der Kunstszene. Doch auch dort hält er sich im Hintergrund – wie in seiner Funktion als SNB-Grossinvestor.

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Der Manager gehörte zu den Topverdienern unter den deutschen Aufsichtsräten. Noch immer sitzt er in zahlreichen Kontrollgremien: beim Dax-Konzern Eon und bei der Versicherung Ergo, früher auch bei Merck und bis 2012 bei der Deutschen Bank.

Stiller Teilhaber

Siegert äussert sich selten zu seinen Investments. Immerhin bringt es ihm eine Dividende von 15 Franken pro Aktie. Das sind knapp 80'000 Franken im Jahr. Bevor er 2017 seinen Aktienanteil reduzierte, waren es noch 100'000 Franken. Damals hatte Theo Siegert erstmals seit 2008 Teile seiner Aktien verkauft. 

Freuen dürfte ihn, dass die SNB das erste Quartal des Jahres mit einem satten Gewinn von 30 Milliarden Franken abgeschlossen hat. Im vergangenen Jahr hatte die Notenbank noch einen Verlust von fast 15 Milliarden hinnehmen müssen. Die Dividende bleibt allerdings immer gleich hoch und fällt auch selten aus. Zuletzt war dies für das Jahr 2014 der Fall.