Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da machen sich Risikokapitalisten im Silicon Valley zu Fahnenträgern des Veganismus und buttern Milliarden von Dollar in Fake-Fleisch-Startups, die noch keinen Cent verdienen. Da hebt eine Aktie wie die von Beyond Meat nach dem Start an der Börse ab wie eine Rakete und versechsfacht ihren Wert in knapp zwei Monaten. Da heizen Hollywoodgrössen wie Leonardo DiCaprio die Fantasien an, indem sie ins Geschäft mit pflanzlichen Burgern einsteigen.

Gut möglich, dass hier eine Suppe zu heiss gekocht wird

Für Skeptiker ist der Fall klar: Beim aktuellen Wirbel um vegane Burger, Würstchen und Bällchen haben wir es mit einem klassischen Hype zu tun. Um eine Modeerscheinung, befeuert von Gier und Greta-Effekt, die spätestens dann vorbei sein wird, wenn die Wirtschaft das nächste Mal schwächelt und die Menschen wieder andere Sorgen haben als die, ob ihre Proteine nun von der Kuh oder von der Kichererbse kommen.

Gut möglich, dass die Papiere von Beyond Meat derzeit überschiessen. Nicht ausgeschlossen, dass all diejenigen, die nun eine Wette auf kultiviertes Fleisch abschliessen, die Power aus der Petrischale überschätzen. Vielleicht wird hier eine Suppe etwas gar heiss gekocht.

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Doch die Richtung stimmt

Doch die Richtung stimmt. Denn eines ist klar: Bis ins Jahr 2050 werden 9 bis 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben und die werden so nicht zu ernähren sein wie wir heute leben. Das gibt der Planet einfach nicht her.

Der Fleischkonsum, wie wir ihn heute kennen, ist ein Desaster. Ökologisch. Moralisch. Gesundheitlich. Finanziell.

Er ist nicht nachhaltig für die Natur, weil der Anbau von Mais und Soja für Tierfutter ein ökologischer Unsinn ist und unnötig Unmengen an Kulturland beansprucht. Er ist Gift fürs Klima, weil die Fleischindustrie für rund einen Viertel der Klimagase verantwortlich ist und weil die Rinder, von denen mittlerweile eine Milliarde auf diesem Planeten leben, Methangas, ein besonders schädliches Klimagas, ausstossen. Und dass jedes Jahr mehr als 70 Milliarden Tiere weltweit geschlachtet werden, von denen die meisten zuvor unter erbärmlichen Bedingungen gehalten wurden, ist unerträglich; nur damit die Menschen ihr Schnitzel auf dem Teller haben und ihren Cervelat auf den Grill werfen können.

336 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr, doch nun zeichnet sich die Wende ab

Ganz abgesehen davon, dass der übermässige Fleischkonsum auch dem Menschen selbst nicht bekommt. Wer zu viel Fleisch – insbesondere rotes Fleisch - isst, der hat ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Forscher sind sich einig: Mit einer ausgewogeneren und weniger fleischhaltigen Ernährung liessen sich Milliarden an Gesundheitskosten vermeiden.

Der Fleischkonsum kannte in den vergangenen sechzig Jahren nur eine Richtung: nach oben. 1961 wurden 71 Millionen Tonnen Fleisch produziert, 2018 waren es 336 Millionen Tonnen. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass der «Peak Meat» naht. Gut so.