In modernen Ländern arbeiten die meisten Angestellten fünf Tage. Anfang des letzten Jahrhunderts war im Westen aber noch eine längere Arbeitswoche die Regel. Und in Zukunft könnte sich nun eine kürzere etablieren.

Die Rede ist von der Vier-Tages-Arbeitswoche. Die Idee dahinter ist bestechend: Vielleicht lässt sich die Arbeit auch in vier Tagen erledigen, wenn die kürzere Arbeitswoche die Produktivität der Angestellten erhöht.

An den freien Tagen könnten sich die Menschen ihren Familien und Freunden widmen, Dinge erledigen, sich weiterbilden – oder einfach das Leben geniessen.

Zufriedenere Angestellte

Die kurze Arbeitswoche stösst schon lange auf grosses Interesse in Wirtschaft und Gesellschaft. Aber durchsetzen konnte sich das Modell bislang nicht. Dabei liefern bisherige Versuche durchaus Argumente dafür:

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So waren in einer britischen Studie von 2019 die Angestellten weniger häufig krank und fühlten sich ausgeglichener. Die beteiligten Unternehmen wiederum zeigten sich über die geleistete Arbeit zufrieden, und sie erhöhten ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.

Auch der Softwarekonzern Microsoft machte positive Erfahrungen mit der kürzeren Woche: In dem Experiment in Japan erhöhten die Angestellten ihre Produktivität massiv.

Spaniens Regierung prüft das Modell

Viele Fragen bleiben offen. Nur positive Effekte hätten kürzere Arbeitswochen vermutlich nicht. Zwei neue Untersuchungen könnten weitere Antworten liefern:

So wird in Spanien das Arbeitsministerium die Wirkung einer 32-Stunden-Woche analysieren. Die linksgerichtete Regierung hofft insbesondere, dass durch kürzere Arbeitswochen zusätzliche Jobs entstehen.

Und mit Unliever experimentiert ein weiterer grosser Konzern mit einer Vier-Tages-Woche: Der Konsumgüterhersteller will noch diesen Monat in Neuseeland mit einem Versuch starten.

80 Mitarbeitende werden ein Jahr lang weniger lang arbeiten und dennoch gleich viel verdienen. Sollte sich das Modell bewähren, werden womöglich auch  die 155'000 übrigen Angestellten von Unilever in den Genuss davon kommen.

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Eine kürzere Arbeitswoche könnte der Gesellschaft helfen, die Folgen der Digitalisierung und der Alterung der Bevölkerung abzufedern. Der Ruf nach einer Vier-Tages-Arbeitswoche wird mit Sicherheit noch lauter werden.

(mbü)