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Der Meistertrainer und das Schweizer Konto

Fabio Capello: Zwei Verträge, ein Fragezeichen.   Keystone

Wenige Fussballtrainer sind berühmter als der Italiener Fabio Capello. Der Kunstliebhaber verdient in Russland Millionen. Nun tauchen Dokumente auf, die zu Fragen Anlass geben.

Von Christian Bütikofer
am 22.05.2015

Fabio Capello ist eine Grösse im Weltfussball: Als Spieler gewann er mit seinen Clubs diverse Pokale. 1974 nahm er mit den Azurri an der Weltmeisterschaft teil. So richtig ging sein Stern aber als Trainer auf: Als Serientitelgewinner mit dem AC Mailand und 1994 Sieger der Champions-League war es nur eine Frage der Zeit, bis man ihn für ein höheres Amt bestimmte: Nationaltrainer.

Zuerst trainierte er die Engländer, nun dirigiert er Russlands «Sbornaja». Seine sportlichen Erfolge als Natitrainer sind bisher aber eher bescheiden ausgefallen. Doch mit dem Job in Russland schien Capello immerhin wirtschaftlich ein Traumlos gezogen zu haben: Er verdient dort soviel wie nie. Alleine für die WM-Qualifikation Russlands für die Weltmeisterschaft in Brasilien holte Capello zwei Millionen Euro ab.

Verlängerung bringt 7 Millionen Euro jährlich

Am 24. Januar 2014 hatte der Italiener mit dem Russischen Fussballbund eine Vertragsverlängerung unterschrieben, die ihm 7 Millionen Euro pro Jahr garantiert – plus Boni je nach Leistung der Mannschaft. Sollten die Russen etwa an die Euro 2016 fahren, liegt für Capello 1 Million Euro zusätzlich drin.

Nun tauchen für Capello wohl unangenehme Fragen auf, seit die unabhänige russische Zeitung «Novaya Gazeta» Dokumente im Zusammenhang zu Capellos Deal publiziert hat. Denn am gleichen Tag, als der Italiener den Vertrag mit dem Russischen Fussballbund in trockene Tücher gebracht hatte, tauchte sein Name auch in einem geheimen anderen Vertrag auf, der zwischen zwei weiteren Parteien abgeschlossen wurde: der britischen Firma Chestersen Ltd. und der monegassischen Faro Management Ltd.

Ominöser Berater-Vertrag

In diesem Vertrag wurde wiederum abgemacht, dass Chestersen die Faro Management als Berater («Consultant») unter Vertrag nimmt – für Marketing-Arbeiten und Werbe-Dienste «für Mr. Fabio Capello». Die Übereinkunft gilt von 2014 und 2018 und ist 10 Millionen Euro schwer, berichtet das Recherche-Netzwerk Organised Crime and Corruption Project (OCCRP). Gemäss diesem Vertrag sind von Chestersen bis April 2015 bereits 2,5 Millionen Euro an Faro Management geflossen.

Faro Management mit Adresse in Monaco wird von Stefano Ciglia repräsentiert – er ist ein Kadermitarbeiter einer Tochtergesellschaft der Schweizer EFG International Bank. Die Wege sind kurz, aber international: Laut den Akten unterhält EFG-Bank-Monaco-Vizepräsident Ciglias Faro Management ein Konto bei der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Inhaberin des Kontos ist die EFG Private Bank in Zürich.

Der Chef-Schiedsrichter...

Ein Mediensprecher des russischen Fussballverbandes (RFS) bestritt jegliche Kenntnis von Capellos angeblicher Verbindung zwischen Faro Management und Chestersen. Recherchen von OCCRP zeigten aber, dass Faro Management dem russischen Fussballverband nicht unbekannt sein dürfte. Denn RFS wurde schon früher von Faro Management vertreten: RFS mandatierte die Monegassen-Firma, als die Russen den italienischen Schiedsrichter Roberto Rosetti verpflichteten.

Rosetti bekam den Posten des RFS-Chefschiedsrichters und verdient dafür pro Jahr 1 Million Euro. Faro Management wiederum bekam 200'000 Euro für «Beraterdienste». Schiedsrichter Rosetti aber will von Faro noch nie etwas gehört haben.

Weiter amtete für Faro Management auch Elisabetta Bartoszcze als Direktorin. Sie erhielt von RFS auch Geld für die Vermittlung des italienischen Schiedsrichters und führt die exklusive Reisefirma Larus Sport an, die RFS zu ihrer Kundschaft zählt. Auch bei Capellos Russland-Abenteuer war sie eine Schlüsselfigur, berichtete das Fachportal Sportbox.ru.

Bank geht in Deckung

EFG-International-Medien- und Strategiechef Keith Gapp fand es auf Anfrage von handelszeitung.ch «nicht angemessen» einen «solchen Artikel» zu kommentieren. EFG-Manager Stefano Ciglia wollte zu seinem Faro-Mandat keine Stellung nehmen. Capellos Sohn und Manager, Anwalt Pier Filippo, verneinte gegenüber OCCRP jegliche Verbindung seines Vaters zu den erwähnten Firmen.

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