Im Gegensatz zum orakelhaften Auftreten von Alan Greenspan spricht Ben Bernanke eine klare, einfach verständliche Sprache. Auch bei der Geldpolitik bemüht sich der 52-jährige Ökonomieprofessor um mehr Transparenz als sein Vorgänger: So möchte er den Kurs des Federal Reserve Board nach einem fixen Inflationsziel ausrichten, wie das bei den meisten Notenbanken üblich ist. Greenspan sträubte sich gegen ein solches Ziel, weil das seinen Handlungsspielraum eingeschränkt hätte.

Allerdings: Seit Bernanke 2002 ins Fed berufen wurde, hat er mit seiner Art, Klartext zu sprechen, schon zweimal beträchtlichen Wirbel verursacht. Im November 2002 warnte er lauthals vor einer angeblichen Deflationsgefahr und sinnierte über drastische Mittel, die man im Notfall einzusetzen gedenke. «Die US-Regierung verfügt über eine Gelddruckmaschine, mit der sie kostenlos so viele Dollars produzieren kann, wie sie will», erklärte Bernanke und bemühte dabei die Metapher vom Hubschrauber, der Dollarbündel über dem Land abwerfen kann – was ihm bei Kritikern prompt den Übernamen «Helicopter Ben» eintrug. Eine spätere Studie der Federal Reserve Bank von Atlanta zeigte indes, dass diese Deflationsängste stark übertrieben waren.

Ein kontroverses Echo ausgelöst hat der zukünftige Fed-Chairman auch mit einer Rede im April letzten Jahres. Darin ortete er die Ursache für das rekordhohe US-Aussenhandelsdefizit nicht in der amerikanischen Schuldenwirtschaft, sondern in einer angeblichen «Sparschwemme» aus Japan, China sowie zahlreichen europäischen Ländern, denen es an sinnvollen Investitionsmöglichkeiten mangle. Diese Gläubigernationen finanzieren mittlerweile fast die Hälfte der amerikanischen Staatsschulden. Sollte Bernanke auch als Fed-Chairman an seiner unkonventionellen Theorie der «Sparschwemme» festhalten, dürfte er sich bei diesen Ländern wohl einige Sympathien verscherzen.

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