In Bitcoin investieren viele. Ab dieser Woche kann man auch in eine der wichtigsten Plattformen investieren, die den Handel mit der Kryptowährung ermöglicht: Coinbase.

Die amerikanische Trading-Plattform bringt am nächsten Mittwoch, dem 14. April, mit dem Tickersymbol «COIN» knapp 115 Millionen Aktien unter die Leute. Coinbase wählt dafür ein Direkt-Listing und umgeht den herkömmlichen Prozess eines «initial public offerings» (IPO) mithilfe von Investmentbanken.

Umsatz um das Neunfache gesteigert

Coinbase ist eine der beliebtesten Handelsplätze für Kryptowährungen und hat sich im Vergleich zu anderen Plattformen als sicher und stabil erwiesen. In den USA ist Coinbase die Nummer Eins im Markt. Derzeit hat Coinbase etwa 56 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Das Wachstum des Unternehmens ist enorm.

Im ersten Quartal dieses Jahres hat das Unternehmen 1,8 Milliarden Dollar Umsatz gemacht – im ersten Quartal 2020 waren es 191 Millionen Dollar, ein Jahr davor 66 Millionen Dollar. Massgeblich angetrieben wurden die Umsätze durch die massive Kurssteigerung bei Bitcoin. Der Wert der grösstkapitalisierten Kryprowährung der Welt hat sich seit vergangenem Oktober von rund 10'000 Dollar auf zeitweise über 60'000 Dollar nach oben katapultiert.

Manche sagen schon, Coinbase sei wie ein Unternehmen, das «im Goldgräberrausch Schaufeln verkauft». Allerdings relativiert sich das glänzende Image des Unternehmens etwas durch eine hohe Bewertung. Der Börsenwert wird zwei Tage vor dem Läuten der Glocke, die das Debut markiert, auf 90 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt. Diesen Schätzungen zufolge wird Coinbase zum 90-fachen eines prognostizierten 12-Monate-Gewinns handeln. So hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind bei Tech-Aktien und speziell bei IPO-Aktien nichts neues. Das Unternehmen ist damit aber fast schon automatisch sehr hohen Erwartungen ausgesetzt.

Nutzerwachstum und Krypto-Kreditkarten

Ähnlich wie bei Netflix steht die kommende Börsen-Story von Coinbase unter dem Thema Nutzerzahlen. Im ersten Quartal hatte die Plattform nach eigenen Angaben 6,1 Millionen monatliche Transaktionsnutzer (MTU, monthly transaction users). Bei einem weiteren Bitcoinboom könnte die Zahl auf 7 Millionen steigen. Bei einer Seitwärtsbewegung am Kryptomarkt wären es 5,5 Millionen, im schwächsten Szenario 4 Millionen, so die eigenen Schätzungen von Coinbase.

Einige am Markt sagen, dass die Transaktionsgebühren, von denen Coinbase lebt, noch unter Druck kommen werden. Wie Bloomberg schreibt, zahlt man für einen Trade im Wert von 100 Dollar 3,49 Dollar Gebühren – der Rivale Kraken berechnet nur 1,50 Prozent. Bitstamp wiederum verlangt nur 50 amerikanische Cent. Coinbase dominiert den Markt und gilt als sehr sicher, aber hat den möglichen Nachteil, als «first mover» von neueren, innovativeren und beweglichen Konkurrenten in den Schatten gestellt zu werden. 

 

Auch die Regulierung von Kryptowährungen könnte dem Geschäftsmodell von Coinbase noch zusetzen. Der Hedgefonds-Star Ray Dalio glaubt gar, dass die USA den Gebrauch von Kryptowährungen noch sehr stark einschränken werden - so, wie Präsident Franklin Roosevelt in den 1930er Jahren einmal den privaten Handel mit Gold verbot (cash berichtete).  

Der Erfolg der Aktie wird nur teilweise davon abhängen, ob Coinbase weiterhin ein starkes Wachstum an Nutzerinnen und Nutzern aufweisen wird. Coinbase und damit die künftigen Börsenanleger des Unternehmen setzen auch darauf, dass sich um die Krypotwährungen ein eigentliches Ökosystem entwickeln wird. Coinbase bietete eine Plattform an, die Handelsunternehmen Geschäfte in Bitcoin ermöglichen - eine Art PayPal für Kryptozahlungen. Das Unternehmen arbeitet auch an einer Kreditkarte für Kryptozahlungen. 

Direkt-Listung: Tech-typisch, aber intransparent

Ein Thema für Kleinanlegerinnen und -anleger ist auch der gewählte Börsengang über ein Direkt-Listing. Gerade Tech-Firmen tendieren zur direkten Platzierung von Aktien. Aus der Optik eines Krypto-Brokers, der ohnehin mit einer neuartigen Anlageklasse auftritt, ergibt dieses einen gewissen Sinn. Kryptowährungen wie Bitcoin verstehen sich als Konkurrenz zu den etablierten, von Notenbanken kontrollierten Währungen und auch zu einer Anlageklasse wie Gold, die seit Menschengedenken als Wertspeicher verwendet wird.Bei dieser Art Börsengang verkaufen die bisherigen Eigentümer ihre Anteile über die Börse. Die Idee, neues Kapital aufzunehmen, besteht zunächst nicht.

Diese Form des IPOs hat aber Kritiker. Die Preisbildung läuft weniger transparent ab als beim herkömmlichen Prozess. Es gibt weniger Regularien zu Direktplatzierungen, was Anlegerinnen und Anlegern weniger Anhaltspunkte zu ihrem Investment liefert. 

Dennoch: Ein starken Kursanstieg bei Coinbase wie bei den letzten grösseren Tech-IPOs direkt nach dem Listing scheint geradezu in der Luft zu liegen. Die sehr starken Umsatzahlen des Unternehmens begeistern viele Investoren. Zudem ist Coinbase der erste Krypto-Handelsplatz, der in den USA an die Börse geht. Der Nimbus des Erfolgsinvesments von Bitcoin könnte der Coinbase-Aktie am Markt zumindest kurzfristig stark nützen. 

Der Kauf einer Coinbase-Aktie hängt im Grunde genommen aber stark mit der Erwartung zusammen, dass Bitcoin weiter an Bedeutung gewinnt. Wie es um diese und andere Kryptowährung in einem Jahr stehen wird, ist nicht leicht vorherzusagen. Wer in den nächsten Tagen Coinbase-Aktien kaufen will, muss sich vorher eine Meinung zur weiteren Entwicklung bei den Kryptowährungen bilden.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf «Cash.ch» unter dem Titel: «Das nächste Super-IPO? Der Krypto-Trader Coinbase geht an die Börse»