Durchgedrücktes Gaspedal bei der Amag: Der grösste Autohändler in der Schweiz hat 2019 das Geschäft ausgeweitet und den Gewinn gesteigert. Bei nur leicht höherem Umsatz von 4,7 Milliarden Franken hat die Amag, Importeur und Händler für die Marken des Volkswagen-Konzerns, den Marktanteil um fast zwei volle Prozentpunkte auf 29,4 Prozent geschraubt – zuletzt kam sie 2016 in diesen Bereich, zwei schwächere Jahre folgten.

Nun hat das verschwiegene Familienunternehmen laut einem Firmenkenner zudem die Vorsteuer-Rendite kräftig ausgebaut. Demnach verdient die Amag im Grosshandel, also im Import-Geschäft, rund drei Prozent vor Steuern, im stark umkämpften Retail immer noch ein Prozent – im Branchenvergleich ein guter Wert. Amag-CEO Morten Hannesbo hat dieses Niveau «in den Grundzügen» bestätigt.

Seat und Skoda verkaufen sich bestens

Die Gründe für den Aufwärtstrend liegen einerseits im Markt: Vor allem die beiden Konzernmarken Seat und Skoda verkaufen sich bestens, beide haben 2019 ihre Verkäufe um rund ein Viertel gesteigert. Ausserdem wächst das profitable Leasing-Geschäft stetig weiter; Konzerntochter Amag Leasing kommt auf eine Kapitalrendite nördlich von zehn Prozent.

 

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Andererseits hat die Amag ihre Strukturen umgebaut und aufgeräumt. Klar definierte «Business Units» mit eigenen Verwaltungsräten sorgen für Transparenz bei den Zahlen, alle müssen ihre Arbeitsleistung «marktfähig» anbieten, also extern konkurrenzfähig sein. Hannesbo oder sein Finanzchef Helmut Ruhl sind in ­jeder Unit vertreten. Amag-Eigen­tümer Martin Haefner bezeichnet die Struktur gegenüber Getreuen nicht als Beteiligungsholding, sondern als «Synergieholding». Spekulationen, die Aufteilung in Business Units solle Teilverkäufe, etwa des Parkhaus-Geschäfts, vereinfachen, dementierte Haefner intern: Er wolle, auch zum Erhalt der Arbeitsplätze, alle Geschäfte weiterführen – das Ganze sei mehr wert als die Summe seiner Einzelteile.

Da Haefner der Amag keine ­Dividenden entnimmt, sollen die ­geschmackvollen Gewinne voll ins Geschäft fliessen: Neue Autohäuser wie in Buchrain oder Genf kosten bis zu 50 Millionen Franken, und vor allem die E-Mobilität frisst Investitionen für Ausrüstung, Logistik und Schulungen. «In weniger als zehn Jahren wird jedes zweite Auto elek­trifiziert sein», sagt Hannesbo. Auch Haefner soll seine anfängliche Skepsis gegenüber der E-Mobilität aufgegeben haben und voll auf die neue Technik setzen.

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