Orangefarbene Tunnel schlängeln sich durch den Raum. Sie führen zu grossen Trichtern. Hier werden Karotten, Kartoffeln und andere Gemüse gewaschen, gehäckselt und zu Saft destilliert. Noch ist es in den Produktionsräumen der Biotta in Tägerwilen TG still. Die Produktion beginnt erst Anfang September.

Im Bürogebäude nebenan herrscht indes das ganze Jahr Hochbetrieb. Biotta ist eine Tochter der Thurella Holding. Diese hat eine turbulente Zeit hinter sich. Die Wachstumsstrategie der letzten zehn Jahre trieb die Firma fast in die Pleite. «Das Unternehmen wollte eine Zeit lang alles kaufen, was flüssig ist», so Thurella-Chef Clemens Rüttimann. Er leitet die Firma seit zwei Jahren. Für Zukäufe gab Thurella Dutzende von Millionen Franken aus. Zur Wachstumsstrategie gehörten auch die Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft und der Gang an die Berner Börse. Die Erwartungen waren riesig. Aus der bäuerlichen Hilfsorganisation sollte ein Unternehmen mit Massenmarken entstehen. Von Expansion in die USA und andere Länder sprach die damalige Führung. Die Obstbauern – Lieferanten und Aktionäre zugleich – rieben sich die Hände. Im Thurgau verglich man den Apfelsaftproduzenten mit der Swissair und ihrer Hunter-Stratgie.

Im Gegensatz zur Airline ging Thurella knapp am finanziellen Groun­ding vorbei. Kapitalerhöhungen, Immo­bilienverkäufe sowie die Aufgabe von ­Tra­­di­tionsmarken wie Obi und Rittergold ­bewahrten die Firma vor dem unrühm­lichen Schicksal. Die grosse Schrumpfkur liess den Umsatz von 200 auf knapp 30 Millionen Franken sinken. Und ganz zu Ende ist die Diät noch nicht. Auf Anfang 2014 verkauft Thurella die Mosterei Egnach. Der bisherige Rivale Möhl wird das Geschäft mit dem Apfelkonzentrat und dem Grosskunden Migros übernehmen. Thurella verabschiedet sich ganz aus dem Geschäft mit Äpfeln.

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Seit einiger Zeit weht ein anderer Wind im Riegelhaus in Tägerwilen, von wo aus Rüttimann das Geschäft leitet. Er setzt auf Klasse statt auf Masse: «Ich sehe Thurella als Boutique-Unternehmen.» Seine Strategie: Thurella soll sich mit Gemüse- und Fruchtsäften einen Namen machen, hergestellt aus Schweizer Bio-Rohstoffen.

Die Firmenorganisation hat Rüttimann bereits umgebaut. In den letzten zwei ­Jahren hat er die Führungsmannschaft verjüngt. «Der Turnaround ist geglückt», sagt Rüttimann. Thurella schreibe auf kleinem Niveau wieder Gewinne und steigere die Marktanteile. «Die Marke Biotta erfährt eine Revitalisierung und profitiert vom Bio-Boom», erklärt der Chef. So ist Biotta neu bei Alnatura Schweiz gelistet und der Bio-Supermarkt Veganz in Berlin, der Expansionspläne für die Schweiz hat, führt die Säfte ebenfalls. Rüttimann reak­tivierte auch das Fachhandelsgeschäft mit Drogerien und Reformhäusern.

Noch sind weitere Anpassungen nötig. Die Gemüsesäfte sind zwar bei den über 45-Jährigen bekannt, werden aber zu selten getrunken. Zudem schläft die Konkurrenz nicht. Die Detailhändler haben eigene Bio-Säfte auf den Markt gebracht. «Wir müssen Biotta noch aktueller machen», sagt Rüttimann. Als ideale Zielgruppe sieht er etwa die junge Mutter. Mit einem neuen Bio-Energy-Drink will er Konsumenten ab 30 Jahren überzeugen.

Traktor für die Jüngeren

Auf noch Jüngere zielt Rüttimann mit der Marke Traktor ab. Den Zürcher Smoo­thie-Produzenten übernahm er im letzten Herbst. Die Marke hatte vor der Übernahme mit Qualitätsproblemen zu kämpfen. Die Herstellung ist inzwischen in den Produktionsräumen von Biotta integriert und etabliert sich wieder. Der Umsatz liegt im einstelligen Millionenbereich. Rüttimann will mit neuen Vertriebskanälen zulegen und will mit Traktor in Bäckereien und Personalrestaurants.

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Das neue Unternehmen hat mit der bisherigen Thurella nichts mehr zu tun. Eigentlich passt deshalb auch der Name nicht mehr. Wie aus Tägerwilen zu hören ist, steht ein Wechsel von Thurella auf Biotta zur Diskussion. Rüttimann will sich dazu nicht äussern. «Eine Namensänderung wäre vorstellbar», sagt er bloss. Ebenso stellt sich die Frage, ob es sich für die kleine Saft-Boutique noch lohnt, an der Börse zu sein. Rüttimann will keine Spekulationen über eine Dekotierung anheizen: «Für dieses Thema ist es noch zu früh.»

Dafür macht er sich wieder Gedanken über Wachstum. Wenn auch nie mehr im Ausmass der alten Thurella. Mittelfristig könnten 40 bis 50 Millionen Franken aber möglich sein.