Für Alexander Lukaschenko gibt es ein leuchtendes Beispiel für den guten Kapitalisten: Peter Spuhler. «Was kann man zu so einem Mann sagen, der nicht nur viel verspricht, sondern bereits begonnen hat, diese Versprechen einzulösen?», fragte der weissrussische Präsident am 19. April seine «lieben Mitbürger, geschätzten Abgeordneten und Mitglieder des Republikrates» rhetorisch. In seiner Rede zur Lage der Nation überschüttete er den Schweizer Unternehmer geradezu mit Lob.

Ziel: Der schnelle Erfolg

Das Gemeinschaftsunternehmen mit Spuhlers Stadler Rail in Minsk sei ein gutes Beispiel für Privatinitiative, erläuterte Lukaschenko in seiner Ansprache weiter. Spuhler wolle Erfolg haben und das schnell. Und er habe das auch. Die neue gemeinsame Fabrik befinde sich zwar noch im Bau, habe aber bereits viele ausländische Bestellungen zur Lieferung von Zügen eingesammelt. Er meint damit die Lieferung von 24 Doppelstocktriebzügen für den russischen Bahnbetreiber Aeroexpress.

Im Dunstkreis des Despoten

Begonnen hat das Weissrussland-Abenteuer im März 2010. Damals ergatterte Stadler Rail einen Auftrag, zehn Flirt-Züge an die weissrussische Staatsbahn zu liefern. Doch Spuhler will mehr, viel mehr. Die Weissrussen könnten bis zu 80 zusätzliche Kompositionen bei ihm bestellen. Dafür musste er sich auf das Gemeinschaftsunternehmen mit dem weissrussischen Staatskonzern Belkommunmash einlassen. Das Resultat ist die gemeinsame Fabrik in Minsk. Mit dem Joint-Venture geriet Spuhler vollends in den Dunstkreis Lukaschenkos, den letzten Diktator Europas.

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Für Spuhler ist die Auslandexpansion aber zwingend. «Wir haben es mit einem toxischen Cocktail zu tun», sagte er dieser Tage in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt». Hohe Produktionskosten im Inland, plus starker Franken verteuerten die Stadler-Produkte im Ausland massiv. «Bei der Erschliessung neuer Märkte geht es immer in erster Linie darum, eine gewisse Wertschöpfung für unsere Schweizer Werke zu generieren», erklärt Stadler-Sprecher Tim Büchele die Strategie seines Chefs.

Sitzung mit Lukaschenko

Bald beginnt in Weissrussland die Produktion. Der Neubau in Minsk sei Ende dieses Jahres bezugsbereit, bestätigt man bei Stadler Rail. «Gebaut werden sie in Weissrussland, mit der gleichen Qualität wie in der Schweiz», freute sich Lukaschenko in seiner Rede. Und das ist noch nicht alles. Belkommunmash brachte auch die Herstellung von Trams und Trolleybussen ins Joint-Venture ein. «Neben dem Grossauftrag für Aeroexpress liegen rund 10 bis 15 Aufträge für Trolleybusse vor», sagt  Stadler-Sprecher Büchele.

Spuhler ist inzwischen in Weissrussland ein ziemlich gefragter Mann. Im April lud der weissrussische Verkehrsminister den Thurgauer Unternehmer und Ex-SVP-Nationalrat zu Lukaschenko ein. Der Präsident beauftragte die Regierung an der Sitzung, unverzüglich den Bau einer Bahnlinie zwischen Minsk und dem internationalen Flughafen der Hauptstadt an die Hand zu nehmen. Das Projekt sei «enorm wichtig» und solle fertig sein, wenn die ersten Züge aus dem Joint-Venture mit Spuhler nach Russland geliefert würden. «Die Anbindung des Flughafens an das Stadtzentrum ist Sache der politischen Behörden» kommentiert man bei Stadler Rail.