Attraktive Frauen und elegante Männer, die Stimmung ist gelöst, die Kulisse einmalig. Das Geburtstagsfest des Griffith-Club am 11. November in der Masoala-Halle des Zürcher Zoos ist eigentlich als feierliches Beisammensein mit opulentem Diner und schwerem Wein geplant. Doch es entwickelt sich ein ausgelassenes Fest, noch bevor das Dessertbuffet steht.

Eine Showeinlage zwischen Hauptgang und Nachspeise bricht den Bann: «Sagt uns einen Begriff, wir spielen ihn», verlangt der Chef einer Schauspieltruppe, die für die Unterhaltung engagiert worden ist. Da ruft einer «Liebe», ein anderer «Hass», jemand schlägt «Gemütlichkeit» vor, seine Tischnachbarin «Selbstvertrauen». Die Künstler zeigen ihr ganzes Können. Es wird gelacht, bis der Bauch schmerzt.

Die letzten Partygäste verlassen die Masoala-Halle um zwei Uhr morgens, darunter der Zürcher Headhunter Bjørn Johansson. Er ist Präsident des Griffith-Club und mit seinen 57 Jahren der Oldie der Veranstaltung: Mitglieder des Clubs dürfen nicht älter sein als 45, lautet die eherne Regel. Johansson ist davon ausgenommen, weil er sie praktischerweise selber formuliert hat. Als Gründer und Präsident darf er so lange Mitglied beim Youngster-Club bleiben, wie er will.

Gegründet hat er den Club, um künftig mehr junge, beruflich erfolgreiche und damit zahlungskräftige Männer und Frauen als Gönner und Förderer der Zürcher Grasshoppers rekrutieren zu können. Die Idee stammt nicht von Johansson selbst, sondern von den ehemaligen GC-Sponsoren Rainer E. Gut und Fritz Gerber. Die beiden haben in den vergangenen Jahren nahezu 100 Millionen Franken in den Grasshopper-Club gesteckt.

Als sie 2002 entscheiden, das Spenden ab 2004 anderen zu überlassen, müssen sie für Nachschub sorgen. Wie, fragt Rainer E. Gut besorgt, kann man die neue Managergeneration für die Grasshoppers gewinnen?

Johansson ist sofort Feuer und Flamme – und weiss Rat. Zusammen mit seinem Berufskollegen Pascal Forster, Jahrgang 1967, formiert er einen neunköpfigen Vorstand mit lauter beruflich erfolgreichen Mittdreissigern: Dazu gehören der Zürcher Wirtschaftsanwalt Thomas Ladner (Jahrgang 1968), Alexander Herzog (1967), Finanzchef von Holcim, oder Dany Bahar (1972), Assistent von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz. Die Angelpunkte sind rasch fixiert: Mitglieder nicht älter als 45, maximal fünf aus der gleichen Firma, höchstens zwanzig aus der gleichen Branche, möglichst wenige Berater.

Das Resultat ist ein Club, der ganz anders ist als die beiden alteingesessenen Gönnervereinigungen von GC: Im Unterschied zum Donnerstag-Club, den es seit 40 Jahren gibt und in dem das Durchschnittalter 58 beträgt, ist im Griffith- Club kaum ein Mitglied älter als 40. Und anders als im Business-Club mit vielen Mitgliedern aus KMUs im Grossraum Zürich absolvieren die Jungdynamiker des Griffith-Club ihre Karriere in international tätigen Grosskonzernen, wie Alexander Herzog, mit seinen 37 bereits CFO bei Holcim, oder Christoph Brand, mit 36 Chef von Swisscom Fixnet. Andere Mitglieder machen Karriere im eigenen Unternehmen, wie etwa der 35-jährige Armada-Venture-Besitzer Daniel Aegerter, oder sie entstammen Unternehmerfamilien wie Alex Wassmer vom Kies- und Betonunternehmen Kibag oder Philippe Gaydoul, Chef von Denner. Im Gegensatz zu den gesetzten Herren vom Donnerstag-Club haben sie ein entspanntes Verhältnis zum Fussball: Die Mehrheit der Mitglieder des Griffith-Club interessiert sich nicht oder nur am Rande dafür. Die für sie reservierten Plätze im Hardturmstadion, Südseite oben, sind leer oder nur schwach besetzt – und dies, obschon die Jahreskarte eine der Gegenleistungen ist, die Clubmitglieder für die Jahresgebühr von 4000 Franken erhalten.

51 Mitglieder waren beisammen, als am 11. November 2002 die Gründungsparty stieg, im Fifa Club zusammen mit Sepp Blatter und mit der englischen Fussballlegende Bobby Charlton aus Manchester. Heute sitzen im Griffith 108 Direktoren, CEOs, Partner, Berater, Finanzchefs, Präsidenten und Vizepräsidenten von namhaften Unternehmen. Aufgenommen werden Männer und Frauen mit einem respektablen Titel, die zudem von einem Mitglied empfohlen worden und auch der Aufnahmekommission genehm sind: Dieses Gremium besteht aus Pascal Forster und Dany Bahar, dem Schwiegersohn von Johansson. Die maximale Mitgliederzahl ist auf 200 beschränkt. Die harte Selektion zahlt sich aus – weniger für die Finanzen der Grasshoppers als vielmehr für den Griffith-Club selber. «Soweit ich weiss, gibt es auf der Welt keinen ähnlichen Club», sagt Johansson. Der Mitgliedermix sei gelungen, die Atmosphäre von «fun and friendship» einzigartig.

Die sechs so genannten Dinner-Tables seien «immer hervorragend besetzt». Diese Abendveranstaltungen finden sechsmal im Jahr statt, meist im Hotel Widder in Zürich. Sie beginnen um 19 Uhr mit einem Gastreferat, münden in ein dreigängiges Abendessen und enden gegen Mitternacht bei Cognac und Zigarre. Fest ins Programm gehört auch das Skiweekend in St. Moritz. Es findet am ersten Wochenende im März statt, beginnt am Donnerstagabend und dauert bis Samstagmittag, Partner dürfen sich gegen einen Aufpreis ab Freitagmittag hinzugesellen.

Solche Erlebnisse schaffen enge Freundschafen: Jörg Beer, Leiter Sponsoring bei SF DRS, hat eine Griffith-Fussballgruppe ins Leben gerufen; Helbling-Manager Beat Dolder organisierte als Captain der Golfgruppe vergangenen Juli die erste Griffith-Meisterschaft auf dem Golfpatz Nuolen (siehe «Networking mit Beat Dolder» auf Seite 87). Gewonnen hat Armada-Chef Daniel Aegerter. Anfang September dieses Jahres spielten die Golfer des Griffith-Club gegen diejenigen des Donnerstags-Clubs. Auf dem Golfplatz Zumikon obsiegten die Youngster gegen die Altherren mit vier zu zwei.

Richtig gemacht, ist Netzwerken eine aufwändige und Zeit raubende Angelegenheit. Jedes Jahr finden fünf bis zehn private Anlässe statt. Kibag-Chef Alex Wassmer lud vergangenen Sommer auf das firmeneigene Partyboot «Ufenau». Werbeagenturbesitzerin Alice Stümcke veranstaltet geführte Wanderungen durch Zürich. Und René Zeier von der Unternehmensberatung AMC Account Management Center organisierte im Oktober im Zürcher Hotel Widder ein Minisymposium zum Thema Leadership. Stargast war Henri B. Meier, ehemaliger Finanzchef von Roche und heute Risikokapitalgeber in der Biotechnologie. Sein Referat eröffnete er mit dem Satz: «Meine Vitalität steigt um 30 Prozent, wenn ich um junge Menschen wie Sie herum bin.»

Der 4. Juli 2003 gehört zu den Höhepunkten im inzwischen zweijährigen Veranstaltungskalender des Griffith-Club: Es stand der Besuch von «Rigoletto» im Zürcher Opernhaus auf dem Programm. Im Anschluss an die Aufführung waren die Youngster eingeladen, auf der Bühne und im Beisein der Sänger zu dinieren. Möglich gemacht hat das Hausherr Alexander Pereira höchstpersönlich: Er ist Mitglied des neunköpfigen Patronatskomitees, das dem Club zusätzliches Gewicht verleiht. Neben Pereira gehören Wirtschaftskapitäne wie Nestlé-Präsident Rainer E. Gut, Lindt-&-Sprüngli-Lenker Ernst Tanner, Holcim-Chef Markus Akermann und Rolf Dörig, CEO von Swiss Life und im Nebenamt Zentralpräsident des krisengeschüttelten GC, dazu.

Der Griffith-Club ist nur eines von drei Netzwerken, die Jungdynamiker der Schweizer Wirtschaft vereinen. Ein weiteres, noch hochkarätigeres ist der Entrepreneurs’ Roundtable. Auch hier ziehen praktisch die gleichen Männer die Fäden.

Die Idee des Entrepreneurs’ Roundtable entstand im Jahr 2000, zu einer Zeit, als die New Economy ihren Höhepunkt erreichte. Der Wirtschaftsanwalt Thomas Ladner und der Headhunter Pascal Forster begannen, in unregelmässigen Abständen Jungunternehmer und Investoren zu informellen Nachtessen um einen runden Tisch herum einzuladen. Anfänglich noch in Restaurants, verlagerte sich das gesellige Treiben zunehmend in die privaten Residenzen. Armada-Besitzer Daniel Aegerter lud als Erster die Kollegen zu sich nach Hause nach Zumikon ein und begründete so die Tradition des Gastgebens. An dem Abend soll, wie sich ein Gast erinnert, eine derart tolle Stimmung geherrscht haben, dass angeregt wurde, die Anlässe fortan nur noch im Rahmen der Villen und Firmensitze stattfinden zu lassen. Aegerter ist der Einzige, der heute noch an die New-Economy-Anfänge des Roundtable erinnert. Mit jeder Einladung wuchs das Kontaktnetz und umfasst heute 80 Führungskräfte um die 40 aus Wirtschaft, Politik und Kultur, davon etwa die Hälfte CEOs, Konzernleitungsmitglieder und Verwaltungsräte von börsenkotierten Firmen. Dazu gehören ABB-Chef Fred Kindle, Swiss-Life-CEO Rolf Dörig, Denner-Besitzer Philippe Gaydoul, Bührle-Spross Gratian Anda, Phonak-Lenker Valentin Chapero, IWC-Boss Georges Kern, UBS-Manager Marcel Rohner, Banker Michael Bär, die Unternehmer Jobst Wagner von der Rehau-Gruppe und Alex Wassmer von der Kibag oder Samuel Keller, Direktor der Kunstmesse «Art Basel». Im Gegensatz zu den alteingesessenen Herrenclubs wie Rotary pflegen die Youngster einen betont informellen Umgang. Alle duzen sich, das Tragen von Krawatten ist verpönt. Und noch etwas gehört zum Kodex: absolute Verschwiegenheit darüber, wer dazugehört und was sich an den Treffen abspielt.

Dabei ist das, was die junge Führungsriege der Schweizer Wirtschaft im trauten Kreis alles anstellt, durchaus berichtenswert.

Es sind für einmal keine PowerPoint-Präsentationen. Etwa achtmal im Jahr trifft man sich in der Firma eines Kollegen zum Essen und zum Schwatz. Und einmal jährlich, immer im September, versammeln sich die Männer – Frauen sind keine zugelassen – zum 48-Stunden-Abenteuer, einem Mix aus Nervenkitzel, Spass und Reflexion. Die durchschnittlich 20 bis 30 Teilnehmer umfassende Truppe trifft sich jeweils an einem Donnerstagnachmittag am Flughafen, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. 2002 führte sie ins Tessin, nach Ascona ins Hotel Castello del Sole. Gastgeber war Bührle-Spross Gratian Anda, dessen Familie das Hotel gehört. Ausserhalb der wattierten Räume des Luxushotels wurde den Managern einiges an Härte und Mut abgefordert. Barfuss über glühende Kohlen laufen und Fallschirmspringen sah das Programm vor. Die meisten machten voll Enthusiasmus mit und ergötzen sich heute noch an den damals erlebten Adrenalinschüben.

Im September 2003, dem zweiten Jahr des Bestehens, verbrachten die Entrepreneurs den 48-Stunden-Event in England auf einem herrschaftlichen Landsitz, der zur Rehau-Gruppe von Jobst Wagner gehört. Sie übten sich im Tontaubenschiessen und debattierten am Abend vor dem Kaminfeuer mit Andrew Gowers, dem Chefredaktor der «Financial Times», über ihr Selbstverständnis in der globalen Wirtschaft.

Ein weiterer Kick brachte das Abenteuer von letztem September, das in die Wälder Schwedens führte. Neben dem Lachsfischen übte sich die Schweizer Führungselite in einer Disziplin namens Paintball, bei der zu Teams gruppierte Männer in dunklen Tarnanzügen mit Druckluftgewehren Farbkugeln aufeinander schiessen. Als Stargast war Boris Becker geladen, der damit gleich feierlich in den Kreis aufgenommen wurde.

Spätestens am Samstagabend um sechs Uhr, auch dies hat Tradition, sind die Pfadfinder der Wirtschaft wieder zurück im trauten Heim bei Frau und Kind.

Der Zirkel heisst zwar etwas steif Roundtable, aber das Vergnügen steht im Vordergrund. Wenn die Medien von «einem der mächtigsten Netzwerke der Schweiz» schreiben, ist das wohl leicht übertrieben. Der Roundtable versteht sich als einmaliger Freundeskreis – «a unique circle of friends». Einige Teilnehmer, die sich an mangelnden Inhalten störten, versuchten zwar, eine thematische Diskussion in Gang zu bringen, etwa zum Wirtschaftsstandort Schweiz oder zum Verantwortungsbewusstsein der Chefs. Aber ihre Anregungen stiessen auf wenig Resonanz. Die den Zwängen und dem Leistungsdruck der globalen Wirtschaft unterworfenen Manager geniessen es offensichtlich sehr, ab und zu auf Ernsthaftigkeit und Managerfassaden verzichten und ihrem Abenteuertrieb einmal im Jahr ungeniert freien Lauf lassen zu können: Die meisten reservieren sich den Termin fürs gemeinsame Weekend jedenfalls schon ein Jahr im Voraus.

Netzwerke sind dann erfolgreich, wenn man die richtigen Leute zusammenbringt. Pascal Forster und Thomas Ladner verstehen das meisterhaft. Es existieren lediglich zwei Mitgliederlisten des Roundtable – eine ist im Besitz von Ladner, eine hält Forster. Wer aufgenommen wird, entscheiden diese beiden Strippenzieher allein. Sie sind es auch, welche die Einladungen verschicken.

Durch die Selektion können sie die Zusammensetzung des Roundtable nach ihrem Geschmack variieren und sicherstellen, dass das hohe Niveau nicht verwässert wird. Eine solche Gefahr geht vor allem von Beratern aus, für die, stets auf Kundenfang, ein Netzwerk wie der Roundtable ein herrlicher Jagdgrund wäre. Da die beiden – der eine Rechtsanwalt, der andere Headhunter – selbst wohl nie in einem solchen Zirkel Aufnahme gefunden hätten, haben sie eben gleich selber einen gegründet.

Niemand lässt sich zweimal bitten, um in den Roundtable aufgenommen zu werden. Ein Telefonanruf von Ladner oder Forster genügt, und ein neu installierter CEO ist dabei. Passt einer dann nicht in die Gruppe, etwa weil er sich borniert gebärdet, wird er einfach nicht mehr eingeladen. Ein solch klandestines Vorgehen wäre in einem formell organisierten Netzwerk wie einem Verein nicht möglich.

Forster und Ladner sind nicht nur die treibenden Kräfte des Griffith-Club und des Entrepreneurs’ Roundtable, sie gehören auch zu den Initianten eines in Gründung stehenden neuen exklusiven Etablissements. Im Herzen von Zürich, an der Fortunagasse, steht ein Haus, das zur Denner-Gruppe von Philippe Gaydoul gehört. Es beherbergte eine Zeit lang den Zigarren-Club Havanna Lounge, der kürzlich wegen Konkurses schliessen musste. Wenn alles nach Plan läuft, wird dort im Februar 2005 ein neues Gravitationszentrum für die junge Führungsgeneration eröffnet: der Club am Rennweg.

Denner-Besitzer Philippe Gaydoul, Swissfirst-Chef Thomas Matter und Kommunikationsberater Christoph Richterich entwickelten die Idee, für die junge Führungsgarde ein Clubhaus einzurichten. Was lag näher, um auf einen Schlag die ganze Führungsriege der Schweiz als Mitglieder zu rekrutieren, als den Roundtable einzubinden? Im Vorstand sitzen darum Pascal Forster und Thomas Ladner, zudem die Unternehmer Daniel Aegerter, Alex Wassmer, Hans-Jürg («Schoscho») Rufener, Eventmanager, der einst die Zürcher Biermesse gegründet hat, sowie Red-Bull-Manager Dany Bahar.

Allen Teilnehmern des Entrepreneurs’ Roundtable wurde die Mitgliedschaft im Club am Rennweg angeboten, und fast alle, ist zu hören, sollen bereits zugesagt haben. Zugelassen werden Männer und Frauen unter 45 Jahren, nur für die Startphase im ersten Jahr zeigen sich die Clubbetreiber auch bei 50-Jährigen gnädig. Die Jahresgebühr beträgt stolze 10 000 Franken. Für dieses Geld können die Members im Club frei konsumieren. Damit sich das Unternehmen mit Lounge, Bar und Restaurant rechnet, brauchen die Betreiber 150 bis 200 Mitglieder. Eine Galionsfigur wurde auch schon gefunden: Wahlschweizer Boris Becker.

Im Gegensatz zum Roundtable wird der Club am Rennweg keine frauenfreie Zone. Es wird weibliche Mitglieder geben. Carolina Müller-Möhl von der Müller-Möhl Group hat bereits zugesagt, ebenso Wicor-Lenkerin Franziska Tschudi. Auch Ehepartner der Mitglieder oder deren Kinder brauchen sich vor der Türkontrolle nicht zu fürchten. Am Samstagnachmittag, so die Vorstellung des Vorstands, könnten sich die jungen Wirtschaftsführer mit ihren Gattinnen und Sprösslingen nach dem Powershopping an der Bahnhofstrasse zu Tee und Kuchen im Club treffen, quasi toute en famille.