Hansjörg Beck, Betreiber des Ciné-Theaters in Gstaad, hatte das Geld am nächsten Tag auf dem Konto. Ein Formular, in zehn ­Minuten ausgefüllt und an seine Lokalbank geschickt – und die Gelder waren frei­gegeben: «Eine rundum positive Erfahrung», so der Kinounternehmer. Für ihn eine grosse Erleichterung, denn die Kinos ­gehörten zu den ersten Unternehmen, die im Rahmen des Lockdowns schliessen mussten, und zu den letzten, die wieder aufmachen dürfen: «Für mich gibt der Kredit Sicherheit, nicht in einen Liquidi­täts­engpass zu geraten.»

Als Bundesrat Ueli Maurer am 25. März das Notkredit-Programm für KMUs bekannt gab, hatte er genau dies vorgesehen: In einer halben Stunde habe man sein Geld, verkündete er. Es waren sportliche Vorgaben an die über 300 Schweizer Banken, die er praktisch über Nacht in das Programm ein­gebunden hatte. Doch die Banken setzten diese um: Tausende Anträge prasselten in den ersten Tagen auf die Kredit­abteilungen ein, und die Banken zeigten Flexibilität.

Rund um die Uhr im Schichtbetrieb

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) etwa zog Leute aus unterschiedlichsten Geschäftseinheiten ab – ­unter ihnen auch Mitarbeitende der im Rahmen des Lockdowns geschlossenen Kundenhallen – und setzte sie ans KMU-Pult, um Kreditanträge zu bearbeiten.

Bei der UBS meldeten sich pensionierte ­Kreditsachbearbeiter und boten ihre Hilfe an – die UBS nahm das Angebot dankbar an und holte sie mit kurzfristigen Zeitarbeitsverträgen vorübergehend wieder an Bord. «Wir hatten anfangs bis zu 6000 Anträge pro Tag – ­unglaublich», sagt UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann. Von 7 bis 23 Uhr sei im Schicht­betrieb gearbeitet worden, inklusive Wochenende.

So funktionieren die Überbrückungskredite

Viele Betriebe leiden in der Krise unter finanziellen Schwierigkeiten. Wie Sie den Liquiditätsengpass mit einem Covid-19-Kredit überbrücken, lesen Sie hier.

Auch bei den anderen Banken zwischen Boden- und Genfersee wurde praktisch rund um die Uhr gearbeitet, um die Flut zu bewältigen. Milliarden an Covid-19-Krediten waren nach den ersten vier Wochen vergeben, allein 2,4 Milliarden bei der UBS, 1,9 Milliarden bei der CS und 1,7 Milliarden bei Raiffeisen. Inzwischen hat sich die Gesamtsumme der beantragten Überbrückungskredite in der Schweiz auf 14,7 Milliarden erhöht.

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Axel Lehmann, Schweiz-Chef UBS: «Einer breiten Öffentlichkeit wurde vor Augen geführt, dass auch die Finanzbranche eine systemrelevante Schlüsselindustrie ist.»

Quelle: Stefan Kaiser/ Luzerner Zeitung

Männiglich rieb sich die Augen: Die Banken, lange vor allem als Hort für Bonus-hungrige Manager und geldgetriebene ­Trader gesehen, gehörten plötzlich zu den Guten: als zentrale Drehscheibe für eines der wichtigsten Rettungsprogramme in dieser Jahrhundertkrise. «Einer breiten ­Öffentlichkeit wurde vor Augen geführt, dass auch die Finanzbranche eine systemrelevante Schlüsselindustrie ist, ähnlich wie die Lebensmittelverteiler oder die Stromkonzerne», so UBS-Schweiz-Chef Lehmann. Alles habe funktioniert, vom Bargeldbezug am Bancomaten bis zur ­Zahlung mit der Kreditkarte oder dem Kontaktlos-Pay.

Neue Normalität

Man muss sich nur einmal vorstellen, das wäre anders gewesen – das von flatternder Nervosität geprägte System der ersten Lockdown-Wochen wäre wohl zusammengebrochen. Das Image der Banken schoss steil nach oben – sogar in den Rankings der beliebtesten Konzernchefs tauchten die Banker plötzlich wieder weit vorne auf.

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Doch nicht nur durch die Masse von Not­krediten wurden die Banken vor neue Herausforderungen gestellt. Praktisch über Nacht mussten sie auch die Kunden­betreuung auf neue Beine stellen, vor allem im Private Banking. «Viele über Jahre ein­gespielte Gepflogenheiten mussten geändert werden», sagt Anton ­Simonet, Head Wealth Management Switzerland bei UBS.

Das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden ist ein klassisches People Business, bei dem der per­sönliche Kontakt für den Aufbau eines Ver­trauensverhältnisses sehr wichtig ist. Dazu gehört gerne auch mal ein ausgedehnter Lunch in einem noblen ­Restaurant. Doch die verordneten Restaurantschlies­sungen, Stay-at-home-Appelle und Abstandsvorgaben setzten neue Massstäbe. Praktisch alle Banken reagierten ähnlich: Sie fuhren ihr virtuelles Beratungsangebot mächtig hoch.

Die besten Banken: Private-Banking-Rating 2020

Zum 12. Mal hat BILANZ undercover für einen echten Kunden die Dienstleistugen von Banken geprüft. Dieses Jahr war der Fall besonders verzwickt. Mehr dazu hier.

Bei der CS seien gut drei Mal so viele Kunden in virtuellen Konferenzen ­betreut worden wie vorher, sagt André ­Helfenstein, Schweiz-Chef der Credit Suisse. «Früher war es schwierig, ­jemanden an den Screen zu bringen, im Nu wurde dies zum Normalfall.» Virtuell zu kommunizieren, sei in den Wochen der Corona-Krise «zu einem Tool für fast jeden Haushalt geworden». Die Erfahrungen seien sehr gut, die Rückmeldungen der Kunden positiv, betont Helfen­stein. Am Screen zu beraten, habe ja auch Vorteile, man könne schnell mal ein Dokument aufschalten, oder der Kunden­berater könne sich online weitere Markt- und Anlage­studien holen und diese dann dem Kunden ad hoc präsentieren: «Es ­erlaubt eine spontane und schnelle Interaktion. Diese Form der Kundenbetreuung wird auch in Nach-Corona-Zeiten stark präsent bleiben.»

UBS-Wealth-Manager Simonet stimmt zu: Der virtuelle Beratungsprozess könne vielschichtig gestaltet werden, das schätzten die Kunden. Unvorbereitet in ein Meeting zu ­gehen, werde am Screen schnell ­entlarvt: «Ans Mittagessen nahm der Kundenberater mitunter einfach ­einen weissen Block mit. Die Broschüren wurden dann später nachgesandt.» Wining and Dining als ­Basis der Kundenbetreuung im Private Banking sei schon lange vor ­Corona rückläufig gewesen, sagt CS-Mann Helfenstein, diese Entwicklung sei nun eben beschleunigt worden.

Börsenschock verunsicherte Kunden 

Generell war das Bedürfnis nach Kontakt mit der Bank in sämtlichen ­Kundengruppen überdurchschnittlich gross, wie die Banken unisono berichten.

Vor allem in den ersten Tagen der Corona-Krise hätten die Telefone Sturm geläutet, sagt Patrick Odier, Senior Partner der Genfer Privatbank Lombard Odier. Denn infolge des Lockdowns, den immer mehr Länder beschlossen, stürzten die Börsen ab – Tagesverluste von teilweise bis zu acht Prozent sorgten regelrecht für Panik. Seit der Gründung der Bank 1796 habe es über vierzig grössere Wirtschaftskrisen gegeben, «doch so etwas wie jetzt hat es in den über zweihundert ­Jahren wohl noch nicht gegeben».

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Patrick Odier, Senior Partner Lombard Odier: «Es gab weltweit eine Flucht in Qualität – davon konnten wir profitieren.»

Quelle: Dukas

Die erste Frage der Kunden sei meist jene nach der Sicherheit der Bank und der hinterlegten Gelder ge­wesen, so Odier. Angesichts der starken Kapitaldecke habe man die ­Kunden schnell be­ruhigen können. Und bald habe die Krise sich gar zu einer eigentlichen Chance entwickelt, habe man doch von anderen Banken neue Kunden gewinnen können: «Es gab weltweit eine Flucht in Qualität – davon konnten wir profitieren.»

Die Krise habe die ­Stellung der Schweizer Banken bei der welt­weiten Kundschaft ­weiter gestärkt, sagt auch UBS-Mann ­Simonet. «In vielen Staaten kam es wegen Corona zu heftigen ­Erschütterungen – da wird sich manch einer über­legen, ob sein Geld in ­einem sta­bilen Land wie der Schweiz nicht besser an­gelegt ist.»

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Neue Produkte inmitten der Krise

Die Banken reagierten flexibel und lancierten flugs neue Dienstleistungen und Produkte – als ob sie von der Krise beflügelt worden wären.

Lombard Odier etwa nutzte die Chance, das ohnehin betreute Thema Nachhaltigkeit weiter zu ­pushen, und lancierte einen «Climate Transition Fund», der in den zwei Monaten seit der Krise mehr als 300 Millionen an Kundengeldern anzog.

Bei der UBS sorgte das Privatkreditgeschäft für Zulauf: Der in New York basierte Bereich O’Connor Capital Solutions hatte seit dem Lockdown die ­geschäftigste Zeit seines Bestehens. Als Beispiel nennen die Co-Leiter des Fonds, Baxter Wasson und ­Rodrigo Trelles, einen wohlhabenden US-Privatanleger, der aufgrund der ­fallenden Börsen von seiner Bank Margin Calls für seine hinterlegten Aktien bekam. Sie strukturierten seine Schulden um und lösten die Aktien als hinterlegte Sicherheit durch dessen ­Immobilien ab – für die UBS mit ­einem Zinsvorteil von mehreren Prozent verbunden. Business zu machen, haben die Banken also auch in der Krise nicht verlernt.

Auch für die einheimischen Unternehmer lancierten die Banken agil neue Lösungen. Etwa für Firmen, die mehr Reserven bildeten und aus Gründen der vorsichtigen Geschäftsführung keine Dividenden ausgeschüttet haben. Lombard Odier präsentierte einen Bond-Fonds mit kurzen Laufzeiten und hoher Liquidität, der quasi als ­Bargeldersatz und Storage-Möglichkeit dient; jetzt, da der Sicherheits­gedanke nach Cash ruft, Bargeld ­wegen der Negativzinsen aber un­attraktiv ist.

Auch im Klein­kundengeschäft fanden die Banken Wege, um bei den Kunden zu ­punkten. Mitarbeiter einer UBS-­Geschäftsstelle etwa brachten einer hochbetagten Kundin das Bargeld spontan persönlich vorbei, da sie ihr Haus wegen des Lockdowns nicht verlassen konnte – ein Service, den es im Grunde so nicht gibt. Die ­Raiffeisenbank Jungfrau quartierte ­zwei Mitarbeiter, die zu Hause nicht arbeiten konnten, auf Bank­kosten in einem lokalen Hotel ein – und unterstützte damit indirekt auch die notleidende Hotellerie.

«Kleinliche Kreditvergabe»

Im allgemeinen Wohlfühl-Schwall ging allerdings etwas unter, dass es durchaus Bereiche gab, in denen die Banken wenig punkten konnten. Gehäufte Kritik ist an der Kundenfront hinsichtlich der grossen Covid-19-Kredite, also jener der zweiten Stufe zwischen 500 000 und 20 Millionen Franken, zu vernehmen. Im Gegensatz zu den Krediten der ersten Stufe bis 500 000, für die der Bund zu 100 Prozent bürgt, liegt das Risiko bei der zweiten Gruppe nur zu 85 Prozent beim Bund, zu 15 Prozent ist es bei der kreditgebenden Bank. Dort, wo die Banken ein Eigeninteresse hätten, sei die ­Kreditprüfung pingelig streng und ziehe sich über Wochen hin, wird moniert.

Allerlei Vorschriften behindern die Kreditvergabe: Eine Auslandsniederlassung zum Beispiel kann schon ein Hinderungsgrund sein, weil die Vorgaben unter anderem verlangen, dass das Geld nicht aus der Schweiz abflies­sen ­können dürfe. «Dem Geist der vom Bundesrat beschlossenen ­Lösung läuft die klein­liche Kreditvergabe zuwider», ärgert sich ein ­Betroffener, der seit Wochen auf sein Geld wartet. UBS-Schweiz-Chef Lehmann hält dagegen: Natürlich habe die Bank auch ein Eigeninteresse, aber zu 85 Prozent stehe das Steuergeld der Bürger dahinter. «Das ist kein Honigtopf, aus dem sich jeder ­bedienen kann.» Die verschärfte Prüfung hält er an­gesichts der Beträge für ange­messen: «Wir können nicht einfach locker 20 Millionen geben und sagen, es kommt schon gut.»

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Bei den Krediten in der zweiten Kate­gorie wird auch andernorts deutlich intensiver geprüft. Bei der ZKB zum Beispiel haben bis Mitte Mai gerade mal 28 Unter­nehmen erfolgreiche Anträge gestellt, in einem Gesamtwert von rund 94 Millionen Franken. Zum Vergleich: Bei den kleineren ­Krediten gab es 7100 gesprochene ­Kredite im Gesamtwert von rund 710 Mil­lionen Franken.

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André Helfenstein, Schweiz-Chef Credit Suisse: «Es war eine Schweizer Parforceleistung, die auch im Ausland auf Interesse gestossen ist.»

Quelle: Paolo Dutto / 13 Photo

Die 85/15-Lösung war von den Banken selber ausgeheckt worden, vor allem der neue CS-CEO Thomas Gottstein war Ideengeber. Die ­Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den Banken sei hervor­ragend gewesen, heisst es von allen Seiten. Unter der Ägide von Finanzminister Maurer wurden zuerst die Chefs der fünf grössten Banken (UBS, CS, Raiffeisen, ZKB, BCV) ­zusammen mit der Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht eingebunden, dann die ganze Branche. Nur zehn Tage nach den ersten Gesprächen konnten die Banken die ersten Kredite sprechen: «Es war eine Schweizer Parforceleistung, die auch im Ausland auf Interesse gestossen ist», sagt CS-Schweiz-Chef Helfenstein.

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Gefahren noch nicht gebannt

Dennoch sind die wirtschaftlichen Gefahren für die Schweiz nicht gebannt, nicht zuletzt auch der Bankensektor muss sich auf eine neue Welt einstellen. Etwa im ­Bereich ­Hypotheken. «1,9 Millionen Leute arbeiten in Betrieben mit Kurz­arbeit, es gibt Unsicherheiten ­über den Arbeitsplatz», sagt Raiffeisen-CEO Heinz Huber, «da ist es verständlich, dass sich manche Leute wegen der künftigen Tragbarkeit ­ihres ­Eigenheims Sorgen machen.»

Bei den Abschlüssen von neuen ­Hypotheken sei denn auch im März eine gewisse Zurückhaltung spürbar gewesen, doch bereits seit April würden die Gesuche wieder zu­nehmen. Das gesamtwirtschaft­liche Risiko auf der Hypothekenseite hält er für überschaubar, weil die Kredite in der Schweiz meist gut abge­sichert seien: «Bei der ­Raiffeisen Gruppe beträgt die Netto-Belehnung im Schnitt gerade mal 60 Prozent.»

Laut Jürg Bühlmann, Leiter Firmenkunden bei der ZKB, war die Corona-Krise vor ­allem im Luxus­segment über fünf Million­en Franken pro Objekt sowie bei gewerb­lichen Liegenschaften deutlich spürbar, «für den Wohnimmobilien­markt insgesamt, vor allem im Wirtschaftsraum Zürich, habe ich aber auch weiterhin keine Bedenken».

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Heinz Huber, CEO Raiffeisen Gruppe: «Das gesamtwirtschaftliche Risiko auf der Hypothekenseite ist überschaubar.»

Quelle: Nathalie Taiana / Blick
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Wortklauberei bei den Versicherungen

Derweil die Banken im Corona-­Modus Stärke zeigen, präsentiert sich der andere grosse Block der Schweizer Finanzindustrie, die Versicherungsbranche, weit weniger trittfest. Vor allem die kleinliche ­Unterscheidung zwischen «Epidemie» und «Pandemie» sorgte in ­weiten Kreisen der Schweiz für ­Empörung. In der Gastro­branche hatten viele Betriebe im Rahmen ­ihrer Versicherungslösungen auch eine Epidemie-Versicherung abgeschlossen. Doch dann sprach die Weltgesundheits­organisation WHO von einer Pandemie – und lieferte den Versicherern einen Vorwand, ihre Zahlungen nicht leisten zu müssen.

Die Wortklauberei sorgte nicht nur bei den Kunden für Empörung, sondern auch in der Öffentlichkeit. Es kam zu einem Schwall von kritischen Zeitungsberichten, und im «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens mussten sich Bremser wie Axa oder TSM rechtfertigen.

Was folgte, war ein gehässiges Hin und Her, bei dem sich die Exponenten gegenseitig die Rechtsgutachten um die Ohren schlugen und in die sich zuletzt auch der Ombudsmann einschaltete – mit einem Rechtsgutachten, das die Versicherer in der Pflicht sah zu zahlen. Einzelne wie etwa Helvetia boten zu Vergleichslösungen Hand, andere wie Axa oder ­Generali blieben im Grundsatz bei ihrer ablehnenden Haltung. Axa ­verwies nur reichlich vage auf eine «Vergleichslösung auf individueller Basis», die man «pragmatisch» anwenden wolle. Der Ausgang des ­Seilziehens ist weiter ungewiss.

Grosse Verlierer im SMI

Doch nicht nur unter einem ­massiv verschlechterten Image haben die Versicherer zu leiden, auch auf Geschäftsebene sind dunkle Wolken aufgezogen. Die Swiss Re etwa musste im ersten Quartal 2020 ­einen Verlust von 225 Millionen Franken verbuchen. Unter anderem prasselten Zahlungsbegehren von Sportveranstaltern auf die Versicherer ein, wie zum Beispiel im Zusammenhang mit der Verschiebung der Olympischen Sommerspiele. Da die Swiss Re nach US-GAAP bilanziert, mussten zudem die Bewertungsverluste an der Börse voll erfasst werden. Kein Wunder, gehören die Versicherer zu den grossen Verlierern im SMI. Die Swiss Re performte mit ­einem Minus von 43,1 Prozent gar am schlechtesten von allen Schweizer Grosskonzernen (Stand 22. Mai).

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Was überrascht, ist die Struktur der Schäden. Im ­Bereich Lebensversicherung stellt auch die Swiss Re trotz Covid-19 kaum eine Zunahme der Leistungspflicht fest. Vor einigen Jahren habe die Versicherungsindustrie eine gemeinsame Studie zu den möglichen Risiken einer weltweiten Pandemie erstellt, sagt Swiss-Re-CEO Christian Mumen­thaler. Die Studie hat sehr genau vorhergesagt, wie sich eine Pandemie entwickeln könnte. Der fehlende Faktor, den niemand habe voraussehen können, waren jedoch die Lockdown-Massnahmen fast überall auf der Welt, die zu Betriebsunterbrüchen oder -schlies­sungen führten.

«Dass praktisch alle demokratischen Regierungen in einem derart hohen Ausmass den Schutz des ­Lebens vor den Schutz der Wirtschaft ­stellen würden, war in den damaligen ­Modellen nicht vorgezeichnet», sagt Mumen­thaler. Es sei ein Zeichen, «wie hoch moderne Gesellschaften den Schutz eines einzelnen Menschenlebens zu ­werten bereit sind».

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