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CEO
Die Interviews des Carsten Schloter

Carsten Schloter: Das Handy stets griffbereit und offen im Gespräch. (Bild: Keystone)

Der Swisscom-Chef hat seinem Leben vermutlich selbst ein Ende gesetzt. Einige seiner Aussagen erscheinen nun in einem anderen Licht.

Von Timo Nowack
am 24.07.2013

Swisscom-CEO Carsten Schloter ist tot. «Die Polizei geht von einem Suizid aus», schrieb das Telekomunternehmen am Dienstag in einer Trauer-Mitteilung, die die Schweiz schockierte.

Nun fällt der Blick auf Aussagen Schloters, die der stets offene Manager noch vor wenigen Monaten machte: «Die modernen Kommunikationsmittel haben auch ihre Schattenseiten», sagte der CEO der «Schweiz am Sonntag» im Mai. «Das Gefährlichste ist, wenn man in einen Modus der permanenten Aktivität verfällt. Wenn man auf seinem Smartphone dauernd nachschaut, ob neue Mails reingekommen sind.» Dies führe dazu, dass man zu keiner Ruhe mehr finde. Jeder habe aber auch eine Verantwortung für sich selbst – «und soll sein Handy auch mal ausschalten».

Die Redaktoren der Zeitung fragten nach: «Können Sie das?» Und Schloter antwortete offen: «Nein. Ich stelle bei mir fest, dass ich immer grössere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen, das Tempo herunterzunehmen. Vielleicht liegt das am Alter.» Er lachte.

Im Zusammhang mit seiner zerbrochene Ehe stellte sich Schloter selbst die Frage: «Wie viele Zeitfenster an sieben Tagen und 24 Stunden gibt es noch, während denen man frei ist von jeder beruflichen und privaten Verpflichtung?» Jeder Mensch brauche solche Zeitfenster. Irgendwann komme ein Punkt, an dem man das Gefühl erhalte, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen. «Das schnürt Ihnen die Kehle zu. Unter einem solchen Eindruck – dass es weniger Verpflichtungen sein könnten – stehe ich immer noch», so Schloter.

«Das vermittelt mir immer wieder Schuldgefühle»

Auch gegenüber der «Medienwoche» gab sich Schloter im März offen und sprach über die Trennung von seiner Frau: «Es war einfach etwas sehr Einschneidendes in meinem Leben passiert. (Pause) Es war ein reales Scheitern und in diesem Sinn eine einmalige Erfahrung», sagte Schloter im Interview. «Ich habe mir überlegt, wie ich damit umgehe, und habe entschieden, offen darüber zu reden. Sonst versucht man, den Starken zu spielen – und glaubhaft ist das eh nicht.» 

Über Souveränität philosophiert der Swisscom-Chef: «Was bedeutet es, souverän zu sein? Wenn souverän bedeutet, relaxed zu sein, dann war ich das wahrscheinlich noch nie.» Er habe immer ein enormes Mass an innerer Spannung.

Doch seine Offenheit und Selbstkritik war kein Phänomen nur der letzten Monate. Schon im März 2012 fragte ihn Roger Schawinski, was seine grösste Niederlage war. Schloters Antwort: «Sehen Sie, ich habe drei kleine Kinder. Ich lebe getrennt, sehe die Kinder alles zwei Wochen. Und das vermittelt mir immer wieder Schuldgefühle. Ich habe das Gefühl, hier habe ich etwas nicht richtig gemacht.»

«Eine Art Luxus, mich zurücknehmen zu können»

Ausgleich zu seinem Dauerstress als Konzernchef fand Schloter im Sport - und das nicht nur durch die körperliche Beanspruchung. «Ich empfinde es als eine Art Luxus, mich zurücknehmen zu können», sagte er der BILANZ im Sommer 2012. «Nicht vorzutanzen oder etwas vormachen zu müssen, sondern einfach ‹one among the others› zu sein.»

Schloter starb am Dienstag im Alter von 49 Jahren. Er wurde an seinem Wohnort im Raum Freiburg tot aufgefunden.

 

 

 

 

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