22 Jahre nach dem Zusammenbruch des Firmenimperiums des Schweizer Finanzakrobaten Werner K. Rey wird dessen Dachgesellschaft Omni Holding liquidiert – als letzte seines unüberschaubaren Firmengeflechts. Das schreibt die «Schweiz am Sonntag». Per Zeitungsinserat gaben die Liquidatoren diese Woche bekannt, dass die Gläubigern demnächst die Schlusszahlung erhalten. Diese beläuft sich auf mickrige 0,41 Prozent jenes Geldes, das sie im Börsenrausch der Achtzigerjahre in Reys Firma gesteckt hatten.

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«Das mit Abstand grösste Verfahren der Schweizer Wirtschaftsgeschichte ist damit beendet», bestätigt Co-Liquidator Eugen Isler. Ein Teil der Schlusszahlungen wurde bereits ausgerichtet, der Rest folgt in den nächsten Tagen. «Damit geht ein Kapitel der schweizerischen Wirtschaftsgeschichte zu Ende», sagt Martin Zeier von der Co-Liquidatorin PWC. «Die Firma ist jetzt liquidiert und wird in den nächsten Monaten aus dem Handelsregister gelöscht.»

1,48 Milliarden verloren

Gläubiger der börsenkotierten Omni Holding waren 74 Banken, Pensionskassen und Firmen, die mit Rey geschäftet hatten, zudem mehrere hundert Kleinanleger, die 1989 eine Obligation gekauft hatten. Aus der Konkursmasse erhielten die Gläubiger in mehreren Tranchen insgesamt 11,16 Prozent ihres Geldes zurück, das sie Rey anvertraut hatten. Das sind 186,3 Millionen Franken. 1,48 Milliarden Franken müssen sich die Gläubiger ans Bein streichen. Der gesamte Schaden ist jedoch weit höher.

Bereits im November 2011 hatten die Liquidatoren die wichtigste Tochtergesellschaft von Reys Firmenimperium abgewickelt, die Omni Beteiligungen AG. Die Gläubiger dieser Gesellschaft erhielten 84,1 Millionen Franken zurück. Den Rest ihrer Forderungen, 280 Millionen Franken, mussten sie abschreiben. Betroffen sind 15 Banken, Pensionskassen und Partnerfirmen.

Kollabiertes Firmenimperium

Ausserdem hatten die mehr als hundert Tochterfirmen und Beteiligungen einen Schuldenberg von schätzungsweise 2 Milliarden Franken hinterlassen. Der Gesamtschaden von Reys Firmengruppe beläuft sich also auf schätzungsweise 4 Milliarden Franken. In den Achtzigerjahren hatte der Finanzjongleur mit Krediten von Banken und Pensionskassen sowie der Hilfe von gutgläubigen Obligationären ein Firmenimperium zusammen gekauft.

1991 kam der Kollaps, Rey flüchtete auf die Bahamas, um sich dem Strafverfahren wegen Betrugs, Urkundenfälschung und betrügerischen Konkurses zu entziehen. 1996 wurde er verhaftet, zwei Jahre später an die Schweiz ausgeliefert. 1998 wurde er wegen betrügerischen Konkurses zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Heute lebt er in London.

(jev)