Reisen verkaufen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit in der Corona-Pandemie. Nicht nur Kunden, sondern auch Hotelplan-Chefin Laura Meyer kommen die sich ständig ändernden Ein- und Rückreiseregeln in die Quere. Wie viele habe auch sie ihre Familienferien im Frühling noch nicht buchen können, sagt Meyer, als sie uns am Hotelplan-Sitz in Glattbrugg ZH empfängt.

Wie fühlt sich das an, ein Produkt verkaufen zu müssen, das momentan gar nicht möglich ist?
Laura Meyer: So anspruchsvoll und über einen längeren Zeitraum hinweg herausfordernd war das Verkaufen von Reisen tatsächlich noch nie. Für die Angestellten, die mit so viel Leidenschaft arbeiten und organisieren, ist diese Situation extrem schwierig.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Was ist derzeit so kompliziert?
Viele unserer Mitarbeitenden sind noch in Kurzarbeit und im Homeoffice. Gleichzeitig müssen wir uns bei den Reiseplanungen und der Beratung der Kunden jeweils sehr schnell anpassen können.

Die Reisebedingungen der verschiedenen Länder und die Testpflicht bei Ein- und Ausreise ändern sich so oft. Airlines ändern ihre Flugpläne darum häufig und kurzfristig. Das hält die Kunden noch davon ab, ihre nächsten Ferien zu planen und zu buchen.

Was macht Ihren Kunden am meisten zu schaffen?
Das Hauptproblem ist die Quarantäne bei der Rückreise in die Schweiz. Sie sorgen sich auch, ob sie jetzt einen Corona-Test vorweisen müssen, wenn sie ins Ausland reisen.

Oder was passiert, wenn der Test vor Ort in der Feriendestination positiv ausfällt. Wir können für die Frühlingsferien derzeit nur empfehlen, kurzfristig zu buchen.

Gibt es auch Kunden, denen die Quarantäne egal ist?
Auch solche Kunden gibt es. Sie treten ihre Reise trotzdem an und gehen im Ferienort in Quarantäne oder eben dann bei der Rückkehr aus dem Risikoland in die Schweiz.

Was erwarten Sie von der Politik?
Kommt ein Land auf die Quarantäneliste, gehen die Buchungen zurück, und es wird annulliert. Streicht das BAG ein Land von der Risikoliste, dann ziehen die Buchungen an. Uns würde es sehr helfen, wenn sich die Quarantäneliste nicht so häufig änderte und wir genug früh darüber informiert würden. Und natürlich Tempo bei der Impfkampagne.

Ex-Bankerin und Digitalturbo

Laura Meyer (39) trat Anfang 2021 die Nachfolge von Thomas Stirnimann  an, der die Hotelplan Gruppe seit November 2012 geführt hatte. Die Migros-Tochter schloss das vergangene Geschäftsjahr mit dem grössten Verlust der Firmengeschichte ab.

Meyer soll Hotelplan mitten in der Corona-Pandemie neu ausrichten und digital fit trimmen. Das Rüstzeug dazu hat die Digitalexpertin in den letzten fünf Jahren bei der UBS Schweiz erworben, zuletzt als Leiterin Digital Distribution & Analytics.

Die Schweizerin stiess 2018 zum Hotelplan-Verwaltungsrat. Sie wohnt in der Stadt Zürich, ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder.

Welche Erwartungen haben Sie an die Schnelltest-Offensive und die Impfkampagne?
Wir hoffen auf eine möglichst schnelle und breite Durchimpfung. Es ist wichtig, dass die Impfkampagne jetzt in allen Kantonen richtig in die Gänge kommt. Das heisst: Impfen, impfen, impfen. Unterstützt von Massentests. Man sollte alles tun, was uns schnell aus der Pandemie bringt.

Glauben Sie daran, dass die Politik dies rechtzeitig schafft, sodass Reisen wieder möglich ist?
Ich vertraue darauf, dass unsere Politikerinnen und Politiker die richtigen Entscheide im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Pandemie fällen.

Wenn ich mir anschaue, was der Impffortschritt in Israel und Grossbritannien bereits bewirkt hat, dann bin ich für die Schweiz auch optimistisch.

Was halten Sie von der Impfpflicht, wie sie Hotels, Reedereien oder Airlines für ihre Passagiere planen?
Wir Reiseveranstalter sind in diesen Entscheiden nicht involviert. Solange die Durchimpfungsquote noch so niedrig ist, glaube ich persönlich nicht, dass das so schnell kommt.

Swiss-Mutterkonzern Lufthansa hat beispielsweise bereits erklärt, dass sie derzeit von einer Impfpflicht absehen.

Könnte die Impfpflicht ein Teil des «neuen Reisens» werden?
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Impfpass, dann mit der Corona-Impfung ergänzt, künftig zu jeder Reiseplanung dazugehört. Für gewisse afrikanische Länder ist bereits eine Gelbfieberimpfung Pflicht. Lieber einen Impfpass, um damit reisen zu können, als gar nicht mehr ins Ausland zu können.

«Fakt ist: Wir brauchen den Impfpass schnell, möglichst einfach, digital und sicher.»

Inwiefern bringt der Impfpass Vorteile?
Fakt ist: Wir brauchen den Impfpass schnell, möglichst einfach, digital und sicher. Dieser würde die Testerei vor der Abreise ersetzen. Für viele Destinationen braucht es gegenwärtig einen negativen PCR-Test. Damit sind auch Kosten verbunden, die man sich mit einem Impfpass sparen könnte. Wenn man eine vier- oder fünfköpfige Familie ist, verteuern die Tests eine Reise signifikant.

Hotelplan verkauft in der Schweiz Selbsttests zusammen mit Reisen. Ein Marketing-Gag?
Haufenweise verkaufen wir diese Test-Kits nicht, da müssen wir ehrlich sein. Wir sehen das als einen zusätzlichen Service an, bis der digitale Impfpass dann mal da ist.

Erste Anbieter verkaufen sogar Impftrips nach Russland oder Dubai. Wie stehen Sie dazu?
Hotelplan plant derzeit nicht, Impfreisen ins Angebot aufzunehmen. Wir offerieren auch sonst keine Reisen mit medizinischen Eingriffen inklusive.

Die Lust auf Meer und Palmen ist da, doch es dürfte in diesem Sommer für viele Schweizer wieder auf See und Grillfest in der Schweiz rauslaufen, solange von Auslandsreisen abgeraten wird.

Die Leute haben Sehnsucht nach Auslandsreisen, nach Strand am Meer. Persönlich glaube ich fest daran, dass im Sommer Ferien am Mittelmeerstrand möglich sein werden – zumal die Durchimpfungsquote dann höher sein wird. Ferien in Griechenland, Zypern und Tunesien sollten sicherlich möglich sein.

Darum haben wir uns auch Kapazitäten in Charterflugzeugen für diese Destinationen gesichert, um auch günstige Preise bieten zu können, wenn die Nachfrage anzieht.

Und wer nicht in einen Flieger steigen möchte?
Dann gibt es ein gutes Angebot an Ferienwohnungen und -häusern in der Schweiz. Diese sind aktuell so gut gebucht wie noch nie.

Wir raten hier, frühzeitig, also in den nächsten Wochen, zu buchen, denn mancherorts sind Ferienwohnungen in der Hauptreisezeit bereits ausgebucht.

Wohin zieht es Sie persönlich mit Ihrer Familie?
Für den Frühling haben wir noch nicht gebucht. Weil das wegen der sich ständig ändernden Reiseregeln sehr schwierig ist, entscheiden wir ganz kurzfristig. Das wird entweder ein Ferienhaus in Italien sein oder ein Hotel auf Mallorca. Im Sommer planen wir Ferien in Griechenland.

Sie hatten einen sicheren Job als Digitalbankerin bei der UBS und wechselten auf einen der unsichersten in der Reisebranche. Haben Sie den Schritt nach den ersten hundert Tagen an der Hotelplan-Spitze bereut?
(Lacht.) Keinen einzigen Tag habe ich meinen Jobwechsel bereut. Die Zeit bei der UBS war super. Aber auch bei der Hotelplan Gruppe bin ich begeistert von der Motivation unserer Mitarbeitenden, die nun schon lange Zeit im Krisenmodus arbeiten.

Ich bin überzeugt, dass wir gut aus dieser Krise herauskommen. Sonst hätten wir gestern auch nicht wieder alle unsere Filialen geöffnet.

Hotelplan hat vor Ihrem Antritt 425 Jobs abgebaut, über ein Dutzend Filialen geschlossen. Werden Sie noch mal den Rotstift hervorholen müssen?
Wir haben mit der Migros einen sehr starken Aktionär im Rücken. Und die Menschen haben Sehnsucht, wieder verreisen zu können. Wenn es längerfristig für die Strategie sinnvoll ist, überlegen wir uns sogar die Übernahme von Reisebüros oder kleineren Filialketten, die nicht mehr eigenständig überleben können.

Anfragen kommen immer wieder rein.

Dann bauen Sie, die Hotelplan weiter digitalisieren will, keine weiteren Filialen ab?
Ich möchte nicht ausschliessen, dass wir die eine oder andere Filiale doch noch schliessen müssen. Wir sind aber bereits ein schlankes und digitales Unternehmen, haben früh das automatische Produzieren von Reisen eingeführt.

Eben haben wir unseren Webauftritt der Marke Hotelplan neu lanciert und gehen das jetzt auch bei unseren Tochterunternehmen im Ausland an. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass nicht alle unsere Kunden Digitalturbos sind.

Es fällt auf, dass Sie im Job immer schwarz gekleidet sind. Das hängt hoffentlich nicht mit der Krise der Reisebranche zusammen ...
Beruflich bin ich tatsächlich immer schwarz angezogen. Privat gibt es manchmal verrückte Tage, an denen ich mich grau anziehe (lacht). Nein, ernsthaft jetzt: In der Freizeit ist mein Farbenspektrum etwas grösser.

Und mit der Stimmung in der Reisebranche hat mein Kleidungsstil wirklich nichts zu tun.

Sie gelten als äusserst effizient. In allem. Selbst Ihr eleganter Auftritt stets ins Schwarz sei der Effizienzsteigerung geschuldet, feixten schon Arbeitskollegen bei der UBS. Stimmt das?
Mein Kleidungsstil hat schon etwas mit Effizienz zu tun. Ich bin sehr fokussiert. Es hilft mir, wenn alles, was ich aus dem Schrank herausnehme, auf Anhieb passt und ich stilvoll angezogen bin. Das war nicht immer so, hat sich mit dem Vorankommen im Beruf und der Geburt meiner Kinder dann aber so ergeben. Schwarz ist schön und einfach.

Dieses Interview erschien zuerst beim «Blick» unter dem Titel: «Wir brauchen jetzt schnell den Impfpass».

Dieser Artikel wurde zuerst im Wirtschaftsressort des «Blick» veröffentlicht.