2019 hatte die Bahn noch ein positives Ergebnis von 463 Milionen Franken gemeldet. «Die SBB haben ein spezielles Jahr hinter sich», bilanzierte denn auch Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar am Donnerstag bei der Bilanzmedienkonferenz mit einem hörbaren Seufzer. Der Verlust sei wegen der Covid-19-Pandemie der höchste seit der Ausgliederung der Bahn in eine AG 1999.

Der Start ins Jahr sei noch geglückt, doch das habe der Lockdown vor einem Jahr zunichte gemacht. Den Hoffnungsschimmer vom Sommer mit vielen einheimischen Reisenden habe dann die zweite Welle ausgelöscht.

Bahnchef Vincent Ducrot erinnerte an die Schwierigkeiten in dem "speziellen Jahr". Am 19. März 2020 hatten die SBB das Angebot heruntergefahren. Viele Pendlerinnen und Pendler arbeiteten im Home Office, Fahrgäste aus dem Ausland blieben aus. An die Abonnements-Inhaber zahlten die SBB 100 Millionen Franken zurück. Die Mieten für 1200 Geschäfte in den Bahnhöfen wurden angepasst.

Drastischer Passagiereinbruch

Durch die verschiedenen behördlich verfügten Massnahmen beförderten die SBB pro Tag durchschnittlich noch 843'000 Reisende, über einen Drittel weniger als im Vorjahr.

Die Personenkilometer sanken gesamthaft um 40,6 Prozent. Dabei schlug im Fernverkehr ein Minus von 43,7 Prozent zu Buche und im Regionalverkehr eines von 32,4 Prozent. Im internationalen Personenverkehr war der Rückgang mit 51,2 Prozent noch drastischer.

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Auch in den Bahnhöfen versiegten die Besucherströme. Weniger Reisende und Ladenschliessungen sind die Ursache für den Rückgang um einen Drittel.

Die finanziellen Erträge im Personenverkehr sanken gegenüber dem Vorjahr um 28,9 Prozent, die Drittumsätze in Bahnhöfen um 26,8 und die Erträge aus den Trassen um 12,4 Prozent. Der Güterverkehr war auf Tonnenkilometer bezogen um 2,4 Prozent rückläufig.

Immobilien als Ertragsbein

Wie SBB-Finanzchef Christoph Hammer erklärte, verursachte der Passagierrückgang im Personenverkehr einen Verlust von 661 Millionen Franken. Bei SBB Cargo Schweiz resultierte ein Verlust von 34,7 Millionen Franken, bei Cargo International ein Gewinn von 4,6 Millionen Franken.

Mit ihren Immobilien erwirtschafteten die SBB 244 Millionen Franken. Sie sind damit ein wichtiges Ertragsbein und stützen die Pensionskasse, wie Hammer sagte. Die Infrastruktur fuhr 45,8 Millionen Franken Verlust wegen gesunkener Trassenerlöse und Produktivitätsverluste durch Corona ein.

Die SBB betreiben den Fernverkehr und die Immobilien eigenwirtschaftlich, beim Güterverkehr ist das teilweise der Fall. Regionalverkehr und Infrastruktur sind subventioniert. Die Nettoverschuldung der Bahn stieg um 1,5 Milliarden Franken. Die Liquidität ist durch den Bund gesichert.

Angesichts der angespannten Finanzlage schnallen die SBB den Gürtel enger. So herrscht in der Verwaltung ein Anstellungsstopp, wie die Bahn am Montag an ihrer Bilanzmedienkonferenz mitteilte. Zudem stellen die SBB Investitionen zurück und führen Projekte nach Wichtigkeit aus. Das ergab einen Spareffekt in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch positive Meldungen

Neben den wirtschaftlichen Hiobsbotschaften berichteten die SBB-Verantwortlichen auch Positives. So normalisiert sich Mitte 2021 der Personalbestand bei Lokomotivführern und Kundenbegleitern, wie Ducrot erklärte.

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Bei der Flotte der Dosto-Fernverkehrszüge und bei anderem neuen Rollmaterial werden die Kinderkrankheiten ausgemerzt. Und am 1. April startet die Metro Ticino, das S-Bahnnetz des Südkantons.

Bei den Aussichten hielten sich die Verantwortlichen zurück. Das Mobilitätsverhalten sei in der aktuellen Pandemie schlecht vorauszusehen. 2021 wollen die SBB ihr Augenmerk auf die Kundinnen und Kunden richten.

Insgesamt zeigte sich die Kundschaft 2020 mit den SBB zufrieden. 76,3 Punkte ihre Zufriedenheit, 0,5 Punkte mehr als 2019. Die Personalzufriedenheit legte um 4 auf 70 Punkte zu.

(awp/tdr)