Wir leben in verrückten Zeiten. Die USA erheben Zölle, mit denen nie jemand gerechnet hatte, und das Land zog in einen absurden Krieg gegen den Iran. Die Energiemärkte spielen verrückt und an den Börsen geht es wild auf und ab. Jeder wünscht sich ein wenig Normalität zurück.

Nun wird der Ruf nach der Nationalbank laut. Der Franken sei überbewertet, mit ihrem Kurs schade die Notenbank der Exportwirtschaft und gefährde so den Schweizer Wohlstand, ist vor allem von Vertretern der Uhren- und Maschinenindustrie zu hören. Und ja: Der Euro ist mittlerweile deutlich weniger wert als der Franken, und der Dollar bewegt sich bei Kursen, die wir einst für 1000 italienische Lira bezahlten. Haben die Kritiker der SNB also recht?

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

«Der Franken verteuerte sich aus Euro-Sicht um 32 Prozent seit 2015.»

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Franken tatsächlich stark aufgewertet. Sie erinnern sich: 2015 war das Jahr, als die Nationalbank die berühmte Untergrenze von 1.20 Franken für einen Euro fallen liess. Seither verlor der Euro in Franken rund einen Viertel seines Werts, derzeit ist der Euro für gut 91 Rappen zu haben. Oder anders gesagt: Der Franken verteuerte sich aus Euro-Sicht um 32 Prozent. Gegenüber dem Dollar beträgt die Aufwertung 27 Prozent und zum chinesischen Yuan sogar 40 Prozent. Kein Wunder, dass sich niemand mehr Schweizer Exportprodukte leisten kann, könnte man denken.

Doch so einfach ist das eben nicht. Denn die Franken-Aufwertung hat einen guten Grund: die Inflation. Laut dem harmonisierten Preisindex der EU betrug diese in der Schweiz seit Anfang 2015 – insgesamt! – 7 Prozent. Derzeit liegt sie praktisch bei null. Im Schnitt aller Länder der Euro-Zone lag die Teuerung in diesem Zeitraum bei 32 Prozent, in Deutschland sogar bei 36 Prozent. Bereinigt man die nominale Aufwertung also um die Inflation, bleibt über all diese Jahre eine reale Franken-Aufwertung von wenigen Prozenten übrig. Zwischenzeitlich hatte sich der Franken real sogar deutlich abgewertet.

Auch auf kurze Sicht gibt es wenig Grund für Panik. Der Ausbruch des Iran-Kriegs hat zwar dazu geführt, dass Geld in den Franken-Raum floss und sich der Franken aufwertete. Wenn man bedenkt, dass am Golf mit Dubai unter anderem ein aufstrebendes Bankenzentrum betroffen ist, kann man darüber kaum erstaunt sein. Doch auch hier reden wir von wenigen Prozenten seit Beginn des Kriegs. Zudem hat der Trend bereits gekehrt. Seit Anfang März hat sich der Franken zu den drei genannten Währungen deutlich abgewertet. Vielleicht, weil die Nationalbank interveniert hat. Vielleicht auch, weil dies aufgrund ihrer Ankündigungen gar nicht nötig war.

Nun sind einige Branchen tatsächlich überdurchschnittlich betroffen. Wer in Dollar-Märkte – und speziell ins Hochzollland USA – exportiert, hat ein riesiges Problem. Doch es wäre falsch, das über die Geldpolitik lösen zu wollen. Denn die Nationalbank muss bei ihrer Politik primär die Preisstabilität für uns alle sichern. Letztlich haben wir alle den gleichen Franken im Portemonnaie, ob wir nun Banker, Bäuerinnen, Journalisten oder Uhrenexporteurinnen sind.