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Diese Gründer setzen auf die Holz-Unterhose

Start-up, Roy Bernheim, Co-Creator und Allan Perrottet von T-Bo Boxershorts aus Bambus Viskose in ihrem Atelier fotografiertStart-up, Roy Bernheim, Co-Creator und Allan Perrottet von T-Bo Boxershorts aus Bambus Viskose in ihrem Atelier fotografiert
Roy Bernheim und Allan PerrottetQuelle: © Sophie Stieger, all rights reserved

Zwei Zürcher haben mit ihren Kunden Unterwäsche aus Bambus- und Birkenfasern entwickelt. Das Modell soll aber auch durch das Design überzeugen.

Von Sira Huwiler
am 06.02.2019

Früher waren sie aus Baumwoll-Feinripp oder Seide, dann kamen Kunstfasern wie Polyamid oder Nylon. Wenn es nach zwei jungen Schweizern und ihren Kunden geht, ist zurzeit die bequemste Form der Unterhose die aus Bambus-Birken-Fasern. «Das klingt vielleicht seltsam, aber die Mischung aus Bambus-Viskose und Birken-Fasern ist eines der weichsten Materialien, die es aktuell auf dem Weltmarkt gibt», sagt Allan Perrottet, der im Jahr 2016 die Idee dazu hatte. «Ich fand Unterwäsche generell unbequem und habe nach Alternativen ­gesucht.»  Gemeinsam mit seinem Mitgründer   Roy Bernheim hat er die Marke T-Bô (nach dem französischen «tu es beau») entwickelt. Sie bieten Boxershorts, Unterhosen und Unterhemden aus Bambus- und Bambus-Birken-Viskose an. 

Die Gründer
Allan Perrottet studiert Volkswirtschaftslehre in Freiburg, Roy Bernheim ­studierte Volkswirtschaftslehre und Politik in England. Bereits mit der ersten Idee 2016 entschieden sich die beiden Volkswirtschafter, gemeinsam in die Wirtschaftswelt einzutauchen und ein Startup aufzubauen. Sie recherchierten nach atmungsaktiven Materialien und stiessen auf Bambus-­Viskose. «Das Material ist atmungsaktiver als Baumwolle und braucht nicht so viel Wasser, ist also nachhaltiger», sagt Roy Bernheim. In der Volksrepublik China, wo der Bambus wächst, fanden sie einen Produzenten, den sie als geeignet für ihre ­Produkte einschätzten. Schon Ende 2016 hielten die beiden innovativen Jungunter­nehmer dann ihre ersten Entwürfe in den Händen. Anfang 2017 erfolgt die Gründung des Start­ups, Ende 2017 eine Neugründung der Comon Accelerator Holding AG. Der Gründerkarriere der beiden stand also nichts mehr im Wege. 

Der Markt
Bambus-Viskose ist nicht ganz neu, auch nicht im Unterwäschebereich. Neu und durchaus überraschend ist vielleicht die Herangehensweise der beiden. «Wir ­haben eine sehr aktive Community, die ­unsere Produktentwicklung aktiv mitgestaltet», sagt Bernheim. «Stoff, Schnitt, Bund, Farbe, Marketingkonzept – bei allen Entscheidungen lassen wir unsere Kunden durch Umfragen und Google Surveys mitsprechen.» 

Sie nennen das «Co-Created Underwear». In Kontakt mit ihren Kunden treten die Gründer hauptsächlich über soziale ­Medien. Sie haben mehr als 122 000 Follower auf Facebook (T-Bô underwear), 16 000 Follower auf Instagram und 120 000 E-Mail-Newsletter-Kontakte. Diese Feedback-Kanäle gehören für die beiden Jungunter­nehmer zu wichtigen Säulen ihrer Arbeit. Immer wieder werden neue Ideen über die sozialen Kanäle ins Startup gespült.  Vor allem die US-Kunden seien auf allen Kanälen «voll dabei», sagt Roy Bernheim. «Viele schicken uns regelmässig Fotos und Videos von sich in T-Bô-Produkten, die wir dann wiederum als Werbung mit viralem Effekt nutzen können.»  Ob sich Schweizer und andere euro­päische Männer ebenfalls öffentlich in sozialen Netzwerken so ausgelassen über ­Unterwäsche unterhalten und sich sogar darin zeigen wollen, bleibt fraglich – zumal die Schnitte für konservative Unterwäscheträger etwas gewagt sind. «Sportbegeisterte Männer schätzen unsere Schnitte und den weichen Tragekomfort bei Aktivitäten», meint Allan Perrottet.

Das Kapital
Das Stammkapital von 100 000 Franken kam von den Gründern. Es folgte eine private Finanzierungsrunde. Zu Beginn wurde auf Bestellung produziert, was längere Wartezeiten zur Folge hatte. Nach Neu­organisation der Logistik sollen diese nun der Vergangenheit angehören. 

Über 65 000 Kunden in rund 120 Ländern haben bereits T-Bô-Teile im Schrank. Rund 36 800 Franken brachte eine Kick­starter-Kampagne Ende 2018 ein. Die Einzelteile kosten zwischen 21.95 Franken für die Boxershorts aus der vergangenen Kollektion und 49.95 Franken für das Unterhemd. Insgesamt gibt es Shorts und Unterhemden in 22 verschiedenen Variationen. Die meisten Kunden haben die Jungunternehmer in den USA und Kanada.

Die Chance
«Wir wollen künftig weitere Produkte gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln», sagt Roy Bernheim, «wir glauben an eine Art Omnichannel-Erfahrung des Kunden, der durch sein Mitwirken Teil einer grösseren Sache wird. Das hilft dem Produkt und dem Kunden und ist die Zukunft.» 
 

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