Früher waren sie aus Baumwoll-Feinripp oder Seide, dann kamen Kunstfasern wie Polyamid oder Nylon. Wenn es nach zwei jungen Schweizern und ihren Kunden geht, ist zurzeit die bequemste Form der Unterhose die aus Bambus-Birken-Fasern. «Das klingt vielleicht seltsam, aber die Mischung aus Bambus-Viskose und Birken-Fasern ist eines der weichsten Materialien, die es aktuell auf dem Weltmarkt gibt», sagt Allan Perrottet, der im Jahr 2016 die Idee dazu hatte. «Ich fand Unterwäsche generell unbequem und habe nach Alternativen gesucht.»  Gemeinsam mit seinem Mitgründer  Roy Bernheim hat er die Marke T-Bô (nach dem französischen «tu es beau») entwickelt. Sie bieten Boxershorts, Unterhosen und Unterhemden aus Bambus- und Bambus-Birken-Viskose an. 

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Die Gründer
Allan Perrottet studiert Volkswirtschaftslehre in Freiburg, Roy Bernheim studierte Volkswirtschaftslehre und Politik in England. Bereits mit der ersten Idee 2016 entschieden sich die beiden Volkswirtschafter, gemeinsam in die Wirtschaftswelt einzutauchen und ein Startup aufzubauen. Sie recherchierten nach atmungsaktiven Materialien und stiessen auf Bambus-Viskose. «Das Material ist atmungsaktiver als Baumwolle und braucht nicht so viel Wasser, ist also nachhaltiger», sagt Roy Bernheim. In der Volksrepublik China, wo der Bambus wächst, fanden sie einen Produzenten, den sie als geeignet für ihre Produkte einschätzten. Schon Ende 2016 hielten die beiden innovativen Jungunternehmer dann ihre ersten Entwürfe in den Händen. Anfang 2017 erfolgt die Gründung des Startups, Ende 2017 eine Neugründung der Comon Accelerator Holding AG. Der Gründerkarriere der beiden stand also nichts mehr im Wege. 

Der Markt
Bambus-Viskose ist nicht ganz neu, auch nicht im Unterwäschebereich. Neu und durchaus überraschend ist vielleicht die Herangehensweise der beiden. «Wir haben eine sehr aktive Community, die unsere Produktentwicklung aktiv mitgestaltet», sagt Bernheim. «Stoff, Schnitt, Bund, Farbe, Marketingkonzept – bei allen Entscheidungen lassen wir unsere Kunden durch Umfragen und Google Surveys mitsprechen.» 

Sie nennen das «Co-Created Underwear». In Kontakt mit ihren Kunden treten die Gründer hauptsächlich über soziale Medien. Sie haben mehr als 122 000 Follower auf Facebook (T-Bô underwear), 16 000 Follower auf Instagram und 120 000 E-Mail-Newsletter-Kontakte. Diese Feedback-Kanäle gehören für die beiden Jungunternehmer zu wichtigen Säulen ihrer Arbeit. Immer wieder werden neue Ideen über die sozialen Kanäle ins Startup gespült.  Vor allem die US-Kunden seien auf allen Kanälen «voll dabei», sagt Roy Bernheim. «Viele schicken uns regelmässig Fotos und Videos von sich in T-Bô-Produkten, die wir dann wiederum als Werbung mit viralem Effekt nutzen können.»  Ob sich Schweizer und andere europäische Männer ebenfalls öffentlich in sozialen Netzwerken so ausgelassen über Unterwäsche unterhalten und sich sogar darin zeigen wollen, bleibt fraglich – zumal die Schnitte für konservative Unterwäscheträger etwas gewagt sind. «Sportbegeisterte Männer schätzen unsere Schnitte und den weichen Tragekomfort bei Aktivitäten», meint Allan Perrottet.

Das Kapital
Das Stammkapital von 100 000 Franken kam von den Gründern. Es folgte eine private Finanzierungsrunde. Zu Beginn wurde auf Bestellung produziert, was längere Wartezeiten zur Folge hatte. Nach Neuorganisation der Logistik sollen diese nun der Vergangenheit angehören. 

Über 65 000 Kunden in rund 120 Ländern haben bereits T-Bô-Teile im Schrank. Rund 36 800 Franken brachte eine Kickstarter-Kampagne Ende 2018 ein. Die Einzelteile kosten zwischen 21.95 Franken für die Boxershorts aus der vergangenen Kollektion und 49.95 Franken für das Unterhemd. Insgesamt gibt es Shorts und Unterhemden in 22 verschiedenen Variationen. Die meisten Kunden haben die Jungunternehmer in den USA und Kanada.

Die Chance
«Wir wollen künftig weitere Produkte gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln», sagt Roy Bernheim, «wir glauben an eine Art Omnichannel-Erfahrung des Kunden, der durch sein Mitwirken Teil einer grösseren Sache wird. Das hilft dem Produkt und dem Kunden und ist die Zukunft.»