Kryptobörsen boomen – so auch Bitpanda aus Wien. Qualifizierte Programmierer und andere Arbeitskräfte zu finden, ist hier besonders schwierig. Sie sind hoch spezialisiert und können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Die Unternehmen müssen daher besonders kreativ sein, um sich die besten Talente zu schnappen. Bitcoin allein reicht nicht.

Bitpanda möchte diesem Umstand Rechnung tragen – und gleichzeitig auch die eigenen Mitarbeiter bei Laune halten. Deshalb erhalten die Mitarbeitenden des Unternehmens unbegrenzt Ferien. Voll bezahlt. Das bedeutet, es gibt nicht die gängigen 25 Tage Urlaub pro Jahr. Die Angestellten können die Länge und Häufigkeit ihrer Ferien stattdessen nach bestem Wissen und Gewissen selbst bestimmen, wie das Portal «Trending Topics» berichtet. 

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Diesen Anspruch können die Mitarbeitenden ab 1. April geltend machen. «Wir wollen, dass Bitpanda der Ort ist, der den Mitarbeitenden alles bietet, was sie brauchen, auch um professionell und persönlich zu wachsen. Dabei sollen sie mit einer sich schnell verändernden und anspruchsvollen Branche Schritt halten können», sagt Bitpanda-Mitgründer Eric Demuth in einer Mitteilung. Man wolle flexibel sein und den Angestellten alle Möglichkeiten geben, sich «nach arbeitsreichen Zeiten eine Auszeit zu nehmen», so Demuth.

Netflix macht das auch

Bitpanda gilt als erfolgreichstes Startup Österreichs, wie das Magazin «The Red Bulletin» kürzlich schrieb. Laut eigenen Angaben hat die Firma mittlerweile über drei Millionen Nutzerinnen und Nutzer und beschäftigt rund tausend Angestellte. Über Bitpanda können Kryptowährungen, Edelmetalle, Aktien und ETF gehandelt werden. Das Fintech wurde 2014 von Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer gegründet. Neben dem Hauptsitz in Wien gibt es auch Offices in Amsterdam, Barcelona, Dublin, Berlin und Zürich.

Der Trend der unbegrenzten Ferien kommt von den Tech-Buden an der US-Westküste. Beim Streaming-Dienst Netflix gehört die eigene und flexible Ferienplanung schon seit längerem dazu. Netflix wollte sich damit von der Konkurrenz abheben und Talente anlocken. 

Elternzeit für alle

Damit nicht genug: Bitpanda bietet den Mitarbeitenden auch zweimal pro Jahr eine sogenannte Recharge Week. Dort erhalten alle Angestellten frei. Das sind jeweils fünf oder vier Tage. In diesen Tagen erhalten nur ein paar wenige Mitarbeitende den Betrieb aufrecht, und diese können ihren Einsatz später als Ferien beziehen. Um die Work-Life-Balance der Mitarbeitenden zu nähren, möchte sich Bitpanda auch bei jungen Eltern beliebt machen.

Das Wiener Startup stellt dafür eine «geschlechtsneutrale, zwanzigwöchige und voll bezahlte Elternzeit für alle neuen Eltern» zur Verfügung. Liest man die Details, wird grosser Wert auf Gleichheit gesetzt: «Dies schliesst auch Geburts-, Leihmutter- und Adoptiveltern jeden Geschlechts oder Alters ein, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Familienform, einschliesslich gleichgeschlechtlicher Partner und Alleinerziehende», ist in der Mitteilung zu lesen. 

Dazu kommt das Angebot «Work from Anywhere» bei Bitpanda. Es gibt allen Angestellten die Möglichkeit, bis zu sechzig Arbeitstage pro Jahr «an einem Ort der eigenen Wahl zu arbeiten». Dabei gibt es ein Kriterium, damit die Mitarbeitenden sich nicht in total unterschiedlichen Zeitzonen befinden. «Um eine effektive Zusammenarbeit zu gewährleisten, müssen die Mitarbeitenden, die von anderen Ländern aus arbeiten, sicherstellen, dass sich 80 Prozent ihrer Arbeitszeit mit jener ihres Teams überschneiden».

Leistung neu messen

Die Idee unbegrenzter Ferien wird auch in der Schweiz gelebt. Fintech-Unternehmer Phil Lojacono gehört zu den Vorreitern der Bewegung. Wenn seine Angestellten in den Ferien sind, zahlt der Chef sogar den Flug und die Hotelkosten.

«Wir sehen das Team als den wichtigsten Teil unseres Unternehmens. Ausserdem sehen wir die Veränderungen im Arbeitsmarkt, und wir wollten dementsprechend ein innovatives Programm auf die Beine stellen, welches dem heutigen Zeitgeist entspricht», begründete Mitgründer Lojacono den Schritt im Gespräch mit der «Handelszeitung».

Bei Wissensarbeitenden habe die Arbeitszeiterfassung eigentlich nur mehr den Zweck, diese vor Überlastung zu schützen, sagt HR-Experte Matthias Mölleney zum Modell der unlimitierten Ferien. «Die Leistung und ihre Messung werden über inhaltliche Zielvereinbarungen geregelt, bei denen die Anwesenheit keine Rolle mehr spielt. In einem solchen Umfeld liegt es dann tatsächlich in der Verantwortung der Arbeitskräfte, die Länge ihrer Ferien zu definieren», so der ehemalige HR-Chef der Swissair.