Martino Scabbia Guerrini ist einer jener polyglotten Italiener, die im Lauf ihrer Karriere in der angelsächsischen Konzernwelt die Espresso-Gemütlichkeit abgelegt, ihren Charme aber glücklicherweise behalten haben. Sein Büro, mit Pult und von Büchern übersätem Konferenztisch randvoll befüllt, kann jeder ohne Überwindung eines Vorzimmers betreten. Die Glastür wird er eine Stunde später schliessen, wenn die Konzernleitung per Videokonferenz tagt. Ansonsten steht sie meist offen.

Davor wuseln junge Leute durch die Gänge, treffen sich an Kaffeetheken, sitzen in den offenen Stockwerken still vor ihren Computern, hinter sich lange Stangen mit Stoffteilen und Musterkleidung, andere packen Werbemittel in Kartons oder spannen Textilproben in Labormaschinen ein, um Reissfestigkeit und Wasserdichtigkeit zu prüfen. In der Halle im Erdgeschoss lauschen mehr als 100 Leute einer Schulung, um sie herum Ladengeschäfte, die nichts zu verkaufen haben. Sie sollen den Mitarbeitern das passende Ambiente der Firmenbrands, deren «Markenwelt», in Fleisch und Blut übergehen lassen.

Ein Traum amerikanischer Firmenkultur

Der topmoderne Glasbau, in dem rund 900 Menschen arbeiten, residiert etwas versteckt in einem Tessiner Industriegebiet. Für den börsenkotierten US-Multi VF Corporation, zu Hause in Denver, Colorado, ist dieses Gebäude im beschaulichen Stabio das Hauptquartier der Weltregion Europa, Guerrini hier der charmante Chef.