Bei ABB wird die Digitalisierung Chefsache: Mit Guido Jouret installiert der Technikkonzern ab Oktober einen Digitalchef (CDO), der direkt an Konzernleiter Ulrich Spiesshofer berichten wird. Jourets Hauptaufgabe wird es sein, die digitalen Projekte des weltweit tätigen Konzerns divisionsübergreifend zu bündeln. In der Mitteilung preist Spiesshofer seinen neuen Kollegen als «herausragende Führungskraft der industriellen digitalen Revolution».

Tatsächlich arbeitet der belgisch-amerikanische Doppelbürger bereits seit über einem  Jahrzehnt im Silicon Valley: Nach seiner Promotion in der Informatik war er 20 Jahre bei Kommunikationskonzern Cisco tätig und verantwortete dort schliesslich den Bereich «Internet der Dinge». Zuletzt arbeitete er als Chief Technical Officer (CTO) bei Nokia.

Verbindung zwischen Maschinen und Menschen

Mit der Personalie Jouret bekräftigt ABB die wachsende Bedeutung der Industrie 4.0 für die Wirtschaft. Die Welt steht an der Schwelle einer vierten industriellen Revolution, sind sich Experten einig. Zu den wichtigsten Triebkräften zählen gemäss ABB die ständige Verfügbarkeit von Daten, allgegenwärtige Konnektivität zwischen Maschinen und Menschen sowie das exponentielle Wachstum der Rechenleistung.

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Das sogenannte «Internet der Dinge» sieht man bei ABB als Mittel zum Zweck – um dank gesammelter Daten Zusammenhänge auswerten und schliesslich bessere Dienstleistungen anbieten und die Produktion optimieren zu können. Ein Ergebnis der Arbeit: Im Frühjahr präsentierte ABB den Smart Sensor, der wie ein Fitnessarmband für Elektromotoren funktioniert. Damit können Vibration, Temperatur und Überlastung gemessen werden, auch der Stromverbrauch wird berechnet. Gemäss ABB können damit Ausfallzeiten um bis zu 70 Prozent gesenkt, die Lebensdauer der Motoren angeblich um bis zu 30 Prozent verbessert werden.

Octopus optimiert Schiffsrouten, Yumi wird zum Mitarbeitenden

Ebenfalls im Frühjahr stellte ABB den Roboter Yumi vor, an dessen Seite Menschen in Zukunft unversehrt werken können. Bislang mussten Industrieroboter noch in Käfigen arbeiten – zu gross war die Verletzungsgefahr für die menschlichen Kollegen. Yumi hingegen ist mit Sensoren ausgestattet und lernt selbständig anhand von eingebauten Kameras.

Ein weiteres Zukunftsprojekt der Zürcher ist die Software Octopus: Sie optimiert Routen für Schiffe. Berücksichtigt werden Form und Beladung des Frachters, die Wetterverhältnisse und selbst Wellenbewegungen. Unterm Strich soll damit die Sicherheit für Menschen und Ladung steigen, Schiffe können ihre Geschwindigkeit optimieren und die Energieeffizienz verbessern. Für die Reederei Maersk rüstete ABB damit im vergangenen Jahr 140 Containerschiffe aus.

Mikronetze werden das Leben von Millionen Menschen verändern

Nicht zuletzt war ABB auch an der Weltumseglung der Solar Impulse massgeblich beteiligt. Auch hier galt es, den maximalen Energieertrag aus den über 17'000 installierten Solarzellen, die Flügel und Heck des Flugzeugs bedecken, herauszuholen.  Mit den sogenannten Mikronetzen betrat ABB Neuland: Diese autonomen Stromnetze werden mit Solar- oder Windkraft betrieben und verfügen über eine Notstromversorgung mit Batterien. Innert Sekunden wechseln sie zwischen verschiedenen Energiequellen, die Solar Impulse selbst ist ein fliegendes Mikronetz. «In den nächsten Jahren werden Mikronetze das Leben von Millionen Menschen verändern», beschrieb Spiesshofer kürzlich die Erfindung.

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