Welchen Herausforderungen muss ein Consultant heute und in Zukunft gewachsen sein? Welche Rolle spielen Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen? Solche und weitere Fragen stellen sich alle Berufsleute einer Branche - die von den aktuellen Veränderungen in der Wirtschaft besonders tangiert wird. Vier Berater, die berufsbegleitend das Studium Master of Advanced Studies in Business Consulting an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) absolvieren, beantworten diese Fragen aus ihrer Perspektive.

Was waren Ihre Beweggründe für eine Weiterbildung MAS in Business Consulting an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich?

Roy Käch: Als Projektleiter habe ich in den ersten beiden Jahren gemerkt, dass ich als Mathematiker das notwendige Werkzeug für den Job mitbringe, jedoch in einzelnen Themen noch vertieftes Wissen erlangen möchte. Daher habe ich mich entschlossen, die Weiterbildung MAS in Business Consulting zu besuchen. Mit diesem Diplom ermöglichen sich mir auch neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt, welche mir als reinem Mathematiker wahrscheinlich verwehrt gewesen wären. Neben der persönlichen Weiterentwicklung war es mir jedoch auch wichtig, mein Netzwerk zu erweitern und im Gespräch mit anderen Personen Erfahrungen auszutauschen.

Simone Otto: Mit dem Studium MAS in Business Consulting erhoffte ich mir zum einen, einen bunten Strauss an Werkzeugen und Methoden für eine qualitativ hochwertigere Beratung in methodischer und sozialpsychologischer Hinsicht an die Hand zu bekommen, welche mich bei der täglichen Arbeit im Kontakt mit Kunden und Kollegen unterstützen können. Zum anderen wollte ich vom Erfahrungsaustausch mit den anderen Studieren- den profitieren und mein Netzwerk erweitern. Der Praxisbezug spielte bei der Auswahl des Studiengangs eine wesentliche Rolle.

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Moreno Nolo: Die Erweiterung und Vertiefung meines Know-how im Beratungsgeschäft und die interessanten und praxisorientierten Fächer, die im Studium angeboten werden.

Stefan Schläppi: Im Consulting ist es heute nebst dem Fach-Know-how unerlässlich, auch die Methoden, Instrumente und somit das praxisnahe Handwerk zu beherrschen, um tatsächlich einen Mehrwert für den Mandanten zu generieren. Dies vermittelt das Weiterbildungsstudium an der HWZ. Deshalb habe ich mich nach meinem berufsbegleitenden Betriebsökonomiestudium, ebenfalls an der HWZ, für ein ergänzendes spezifisches MAS in Consulting entschieden. Zudem unterstützt und fördert mich meine Arbeitgeberin zu 100% in meinem Vorhaben. Auch von dieser Seite wird der Mehrwert gesehen.

Welche Erkenntnisse können Sie bereits heute aus dem Studium in die Praxis umsetzen?

Käch: Zwei wesentliche Erkenntnisse haben sich während des Studiums herauskristallisiert. Einerseits hat Consulting sehr viel mit gesundem Menschenverstand zu tun, und andererseits ist bei Projekten sehr oft der Mensch im Vordergrund. Nimmt man sich die Zeit, Probleme durchzudenken und berück- sichtigt Interessen und Bedürfnisse von Stakeholdern, ist schon vieles erreicht.

Otto: Besonders Methoden wie zum Beispiel spezielle Fragetechniken konnte ich direkt in der Praxis umsetzen. Natürlich müssen auch mit dem Einsatz neuer Methoden in der Praxis zunächst Erfahrungen gesammelt werden, das Studium bildet jedoch eine gute Basis und Inspiration, neue Methoden und Vorgehensweisen in der täglichen Arbeit auszuprobieren.

Nolo: Ich habe gelernt, Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und die richtigen Tools zur Analyse und zur Lösung einzusetzen. So zum Beispiel die Erkenntnisse aus dem Modul Beratungskompetenz, die mir den Umgang mit Veränderungen «Betroffene zu Beteiligten machen» veranschaulicht haben und mir in meinen Projekten hilfreich sind.

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Schläppi: Erstaunlich viele. Die Transformation vom Studium zum Beruf ist sehr hoch. Aus jedem Modul konnte ich 1:1 Inputs in meine alltägliche Consultingtätigkeit einfliessen lassen. Allen voran mit vernetztem Wissen zum Erfolg gelangen. Dafür gibt es bewährte Methoden und Instrumente, die im Studium an Praxis- oder eigenen Fällen angewandt und geübt werden.

Sie erlernen Kompetenzen in der Optimierung von Geschäftsentscheidungen und -prozessen im Umfeld von IT-, Change- und Projektmanagement. Wo sehen Sie für sich den grössten Nutzen?

Käch: Man sollte diese Themen nicht einzeln betrachten, sondern ganzheitlich. Ich habe im Studium gelernt, wesentliche Erkenntnisse aus einem Bereich in andere Bereiche zu übertragen. Als Projektleiter ist es mir wichtig, auch über den Tellerrand hinauszublicken und Erfahrungen und Know-how aus anderen Bereichen anzuwenden.

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Otto: Alle genannten Themen sind für die Tätigkeit in der internen und externen Beratung wichtig. Den grössten Nutzen sehe ich in der Kompetenz, die verschiedenen Themen nicht getrennt voneinander zu betrachten, also in der Fähigkeit, vernetzt zu denken und einzelne Aspekte der genannten Themen nicht streng getrennt voneinander, sondern im Zusammenhang zueinander zu sehen.

Nolo: Der grösste Nutzen liegt im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten. Gerade als Projektleiter sind interdisziplinäre Kompetenzen sehr wichtig.

Schläppi: Als nicht IT-Consultant ist es bei mir sicherlich die Optimierung von Geschäftsentscheidungen, sprich das strategische Management. Die Art und Weise, wie solche Entscheide zustande kommen und wie diese später umgesetzt und auch angemessen und wirksam in der Praxis kontrolliert werden können.

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Bei Führungs- und Beratungsaufgaben spielt die Sozialkompetenz eine wichtige Rolle. Was braucht es heute, um in Ihrer Funktion erfolgreich zu sein?

Käch: In der Tätigkeit als Projektleiter sind gerade die sozialen Fähigkeiten wesentlicher Bestandteil für das Gelingen eines Projektes. In meiner Erfahrung hat sich gezeigt, dass Fähigkeiten wie Toleranz, Teamfähigkeit und Zuhören eine gute Basis für eine erfolgreiche Projektleitertätigkeit bilden. Schliesslich sollte man als Projektleiter auch geduldig sein und eigene Fehler eingestehen können.

Otto: Neben Teamfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Flexibilität spielt für mich in der externen Beratung das «Gespür» für den Kunden eine wesentliche Rolle. Zudem ist für Führungs- und Beratungsaufgaben das Kommunikationsverhalten ein Schlüsselelement.

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Nolo: In meiner Funktion sind klare Kommunikation und Planung die ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen und Ziele, Vorgehen und Auswirkungen immer im Auge zu behalten.

Schläppi: Nebst dem Fachwissen, welches beim Consultant zwingend vorausgesetzt wird, braucht es die richtige Methodik für die Problemlösung, beziehungsweise um Nutzen für den Kunden zu generieren. Zudem ist man vielfach als Consultant ein Coach für den Mandanten - und somit braucht es Sozialkompetenzen.

Wo sehen Sie zukünftig die grösste Herausforderung für Business Consultants, sei es nun als externe oder interne Berater?

Käch: Eine der grossen Herausforderungen wird sicherlich darin liegen, für den kommenden Aufschwung richtig gewappnet zu sein. Während der Finanzmarktkrise war durch Investitionsstopps bei Unternehmen auch die Nachfrage nach Consultants geringer als in den Boomjahren. Mit der Erholung der Wirtschaft wird sich jedoch auch die Nachfrage nach Consultants wieder erhöhen. Damit ein Consulting-Unternehmen oder ein Consultant gestärkt aus der Krise hervorgeht, ist es wichtig, Veränderungen zu beobachten und Chancen richtig zu deuten.

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Otto: Neben Fachkompetenz werden für interne und externe Berater Methoden- und Sozialkompetenz immer wichtiger. In unserer Wissensgesellschaft sehe ich zudem die Herausforderung, Wissen effizient zu beschaffen und bestehendes Wissen zu verwalten. Da das Umfeld immer komplexer wird, spielt auch die Fähigkeit des vernetzten Denkens eine immer bedeutendere Rolle. Diese Fähigkeiten sollten viel früher, also schon zu Schulzeiten, gefördert werden.

Nolo: Die grösste Herausforderung in der Zukunft als Berater liegt darin, die immer komplexeren und vernetzten Aufgabenstellungen der Kunden wirksam und rechtzeitig zu lösen.

Schläppi: A jour zu bleiben und sich trotzdem nicht von den vielen Modetrends von neuen Methoden und Instrumenten in der Branche blenden zu lassen. Zu vieles ist heute alter Wein in neuen Schläuchen.

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