Die Weinwelt des Burgunds ist kompliziert und voller Widersprüche. Und es gibt wohl keinen Weinliebhaber, der beim Besuch der Region nicht ein wahres Wechselbad der Eindrücke und Gefühle erlebt. Denn in keinem berühmten Weinbaugebiet liegen Weltklasse und überteuerte Mittelmässigkeit so nahe beisammen. Diese Widersprüche, die nicht eben bescheidenen Preise und das für den nicht eingeweihten Weinfreund kaum durchschaubare Dickicht von historisch gewachsenen Appellationen und Lagen sind wohl die Hauptgründe dafür, dass die Burgunder Weine in den letzten Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten sind.

Ein Frauentrio sorgt für besonders schöne Musik

Zu Unrecht! Denn nirgendwo auf der Welt werden mit der Chardonnay- und der Pinot-noir-Traube bessere, vielschichtigere und finessenreichere Weine erzeugt. Aller Wenn und Aber zum Trotz verkörpern gute Burgunder Gewächse das, was man von einem aussergewöhnlichen Wein erwartet: Eigenständigkeit, Typizität, Komplexität, Vielfältigkeit, Eleganz und puren Trinkgenuss!

All diese Vorteile und Eigenständigkeiten besitzen die eleganten und tiefgründigen Rotweine, welche Jacqueline Mugneret und ihre beiden Töchter Marie-Christine und Marie-Andrée mit den Trauben der verschiedenen Parzellen, die zu ihren beiden Domänen Mugneret-Gibourg und Georges Mugneret gehören, in Vosne-Romanée erzeugen.

Im Burgund hat vieles eine verschlungene Vorgeschichte. Dies gilt auch für die beiden Mugneret-Domänen. Sie beginnt 1933, als das Ehepaar André Mugneret und Jeanne Gibourg, Tochter eines wohlhabenden Viehzüchters aus der Sâone-Ebene, in Vosne-Romanée seinen eigenen Weinbaubetrieb gründete und neben Bourgogne rouge als Basiswein auch Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges und einen Echezeaux Grand Cru kelterte.

Ihr 1929 geborener einziger Sohn, Georges Mugneret, war Augenarzt in Dijon und betätigte sich wie seine Eltern auch als Winzer. Über die Jahre kaufte er verschiedene Parzellen, die er zur Domäne Georges Mugneret zusammenfasste. Nach seinem Tod im Jahre 1988 nahmen seine Frau Jacqueline und Tochter Marie-Christine die Zügel der beiden Domänen in die Hand. Marie-Christine hatte ihre Arbeit als Apothekerin aufgegeben und sich zur Önologin weitergebildet. Ein paar Jahre später gesellte sich auch Marie-Andrée, die jüngere der beiden Töchter, hinzu, nachdem sie ihr Önologiestudium an der Universität in Dijon abgeschlossen hatte.

Seither leiten die drei Frauen die beiden Domänen, deren Rebfläche 8,3 ha in neun verschiedenen Appellationen beträgt, gemeinsam. In eigener Regie vinifiziert werden jedoch nur die Trauben von 5 ha (das ergibt in guten Jahren rund 30000 Flaschen), da ein Teil der Reben in der im Burgund auch heute noch verbreiteten Halbpacht (Métayage) bewirtschaftet wird. Der Pächter kultiviert dabei für den Landeigentümer die Reben und erhält als Lohn die Hälfte des Ertrags, über den er selbst verfügen kann.

Eine Burgunder Domäne in Frauenhand? Das war Ende der 80er Jahre noch keine Selbstverständlichkeit. «Im Dorf spekulierte man darüber, wie lange es noch dauern würde, bis das Gut verkauft würde», erinnert sich Madame Mugneret. Doch die drei Frauen bewiesen den Zweiflern, dass sie ihr Metier verstehen. Dank der wachsenden Erfahrung sowie den zahlreichen Verbesserungsmassnahmen in den Reben und im Keller wurden die Weine immer besser; seit etlichen Jahren gehört das kleine Gut nun zur Elite in Vosne-Romanée.

Keine Chemie und eine strikte Ertragsbeschränkung

Seit über zehn Jahren verzichten die Schwestern Mugneret, die gemeinsam für die Weinbereitung zuständig sind, auf die Verwendung von chemischem Dünger und Unkrautvertilgungsmitteln. Spritzmittel werden nur gezielt und mit Zurückhaltung eingesetzt. Selbstverständlich werden auch die Erträge mittels einer Vendage verte (Ertragsbeschränkung nach der Blüte der Reben) limitiert. Nach der Lese kommen die Trauben auf einen Sortiertisch, wo angefaulte und nicht ausgereifte Beeren von Hand entfernt werden. Anschliessend werden die Trauben entrappt und eingemaischt. Falls nötig, kühlt man das Traubengut auf 10 °C, damit die Gärung (es werden keine Reinzuchthefen verwendet) langsam in Gang kommt. Die Maischgärung dauert, je nach Jahr, 15 bis 25 Tage. Anschliessend werden die Trauben schonend abgepresst und ihr Saft während rund 15 Monaten in Barriques ausgebaut. Die fertigen Weine kommen ungeschönt und ungefiltert in die Flaschen. Voilà!

C'est tout? Natürlich nicht, denn neben dem Menschen und seinen Bemühungen spielt auch die Natur, insbesondere das Wetter und das Terroir, eine wichtige Rolle. Wie sonst liesse es sich erklären, dass nirgendwo sonst auf der Welt, wo ebenfalls Pinot-noir-Reben kultiviert werden, Weine von vergleichbarer Finesse und Komplexität erzeugt werden? Das Burgund hat seine eigene Magie.

Eine Magie, der man sich, wenn die Qualität der Weine stimmt, einfach nicht entziehen kann. Nach dem atypisch üppigen 2003er-Jahrgang zeigen die 2004er-Kreszenzen wieder jene klassische Eleganz, die man gemeinhin mit dem Burgund assoziiert. Gemeinsam sind den 2004er-Gewächsen der Domänen Mugneret-Gibourg und Georges Mugneret (sie werden bald in Flaschen abgefüllt) die rubinrote Farbe, die geschmeidigen Tannine, die herrlichen Fruchtnoten und ein filigranes, aber solides Säuregerüst, das den Weinen Halt und Länge verleiht.

Der Vosne-Romanée zeigt ein intensives rotbeeriges Bouquet und einen wunderbar fruchtigen, finessenreichen Körper. Der Chambolle-Musigny Les Feusselottes (1er Cru) brilliert mit einer kräftigen, fruchtigen Nase und einem ebenso eleganten wie ausdrucksvollen und unglaublich konturenreichen Körper. Der Nuits-Saint-Georges Les Chaignots (1er Cru) vermag mit seinen Düften von reifen roten Beeren und einem rauchig-animalischen Anklang zu begeistern. Im Gaumen ist er rund, dicht und reich an betörenden Geschmacksnuancen. Von verführerischer Kraft und herrlich samtiger Textur ist der Echezeaux Grand Cru. Ein expressives, facettenreiches Gewächs, das man genauso wenig vergisst wie den vollmundig-virilen Ruchottes-Chambertin Grand Cru mit seinen mineralischen und würzigen Noten sowie den markanten, aber gut integrierten Tanninen. Der Clos Vougeot Grand Cru schliesslich ist ein charmanter Schmeichler, eine runde, vielschichtige Kreszenz vol-ler Schmelz, graziler Eleganz und femininem Charme.

Der Jahrgang 2004 ist noch nicht im Handel

Von den Jahrgängen 2000 bis 2003 sind jedoch noch einige Flaschen erhältlich. Der beste von diesen Jahrgängen ist der 2002er. Vom üppigen 2003er sind der Vosne-Romanée, der Nuits-Saint-Georges und der Echezeaux besonders gut gelungen. Bei den guten, aber nicht überragenden Jahrgängen 2001 und 2000 (der 2001er gilt als der bessere der beiden) sind die 1er Crus und die Grand Crus zu empfehlen.

Besuche auf dem Gut sind gegen Voranmeldung möglich. Domaines Mugneret-Gibourg & Georges Mugneret, Rue des Communes 5, F-21700 Vosne-Romanée. Tel. 0033 380 61 01 57. In der Schweiz sind die Weine bei Divo SA, 1305 Penthalaz, erhältlich. Tel. 021 863 22 70.