Er war Inbegriff für die Exzesse an der Wall Street in den 1980er-Jahre – und lieferte so die Vorlage für «Gordon Gekko», der Hauptfigur im Film «Wall Street»: der Investmentbanker Michael Milken.

Milken hatte den Junk Bonds, den sogenannten Ramschanleihen, zum Durchbruch verholfen. 1990 kam der spektakuläre Absturz: Der «König der Junk Bonds» wurde wegen Finanzbetrugs verurteilt.

Nun hat diese schillernde Karriere eine weitere Wende genommen: US-Präsident Donald Trump hat den Financier begnadigt.

Anzeige

Seine Spezialität waren Leveraged Buyouts

Milkens grosse Zeit begann Anfang der 1980er-Jahre. Der kalifornische Banker machte die hochverzinslichen Firmenanleihen zu einem riesigen Geschäft. Milken setzte die Junk Bonds vor allem ein, um mit diesem Fremdkapital Firmenübernahmen einzufädeln, die Leveraged Buyouts. Damals war er Anleihen-Chef der Bank Drexel Burnham Lambert – sie wurde dank der Deals ihres Spitzenbankers das profitabelste Institut an der Wall Street.

Junk Bonds wandelten sich von einem exotischen Finanzinstrument für risikofreudige Anleger zu einem breit gehandelten Anlageprodukt. 1989 war der Markt für die Ramschanleihen 189 Milliarden Dollar schwer.

Dann platzte die Blase – der Markt brach zusammen und riss die Bank Drexel Burnham Lambert und zahlreiche weitere Institute in die Tiefe.

Wie sich herausstellte, war der Konkurs von Drexel auch auf die illegalen Praktiken seiner Spitzenbanker zurückzuführen.

«Er hat einen hohen Preis bezahlt»

Milken bekannte sich 1990 mehrere Finanzdelikte schuldig -– unter anderem der Geldwäscherei und des Steuerbetrugs – und wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

FILE - In this April 30, 2018, file photo, financier Michael Milken leads a discussion at the Milken Institute Global Conference in Beverly Hills, Calif. (AP Photo/Jae C. Hong, File ).Michael Milken

Michael Milken: Er lieferte die Vorlage für die Hauptfigur im Film «Wall Street».

Quelle: Keystone

Er ging für knapp zwei Jahre ins Gefängnis, zahlte eine über eine Milliarden Dollar hohe Busse und wurde lebenslang vom Börsenhandel ausgeschlossen.

Anzeige

Ein Grossteil dieser Straftaten hat Trump durch die Begnadigung nun offiziell getilgt. Die Anklage wird damit nachträglich aufgehoben, sein Ruf ist damit - zumindest aus offizieller Sicht - wiederhergestellt. Der Bann auf Lebenszeit für die Börse gilt allerdings weiterhin. Milken «habe stark gelitten und einen hohen Preis bezahlt», sagte der US-Präsident.

Kampf gegen Prostatakrebs

Das präsidiale Pardon kommt nicht überraschend. Denn Milken hat sich längst wieder einen Platz in den besten Gesellschaften gesichert. Der einstige Wirtschaftskriminelle zeigt sich nun als Wohltäter.

Seit er an Prostatakrebs erkrankte, setzt sich der heute 73-Jährige zur Bekämpfung der Krankheit ein und hat dafür mehre Stiftungen geschaffen. Zudem gründete er die renommierte Denkfabrik Milken Institute.

Sein Sinn fürs Geschäft hat ob der vielen guten Tat allerdings nicht gelitten: Auch nach dem Urteil setzte Milken sein Tätigkeit als Financier fort. Beispielsweise orchestrierte er 1996 den Verkauf des Senders CNN an den Medienkonzern Time Warner.

Anzeige

Er zahlte später auch eine hohe Busse, weil er gegen seinen Ausschluss von der Börse verstossen haben soll. Laut Schätzung des US-Magazins Forbes besitzt er inzwischen wieder ein Milliardenvermögen.

Giulianis verwunderlicher Rollerwechsel

Milken ist gut vernetzt und hat prominente Fürsprecher. So weibelten unter anderen Medienmogul Rupert Murdoch und Milliardär Robert Kraft für die Begadigung, US-Wirtschaftsminister Steven Minuchin ist ein enger Freund Milkens.

Zu den Unterstützern zählt auch der Ex-Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani. Giulianis Engagement in dieser Sache bedeutet ein verwunderlicher Rollenwechsel: Denn ausgerechnet Giuliani war in seiner damaligen Rolle als Staatswawalt federführend beim Prozess gegen Milken.

Anzeige

«Typisch für ein korruptes Justizsystem»

Die Begadigung ist höchst kontrovers und wird in den USA breit kritisiert. «Donald Trump sendet damit zwei Signale aus», schreibt ein Autor der «New York Times». «Dass Geld mitenscheidet, was Recht ist. Und dass Wirtschaftsdelikte nicht wichtig sind».  Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders nennt den Straferlass für Milken und weitere Prominente «typisch für ein rassistisches und korruptes Justizsystem».

Milken selber plant trotz der Begadigung keine Rückkehr in seine alte Rolle als Banker: «Nichts liegt ihm ferner», liess sein Sprecher ausrichten. Der Ex-Straftäter werde sich weiterhin dem lebenslangen Kampf für eine Heilung von Krebs widmen.

(mbü)