Die Credit Suisse könnte ihren Bonuspool für 2022 um rund 50 Prozent zusammenstreichen, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Es ist der Abschluss eines düsteren Jahres für die Bank, in dem sie schwere Verluste erlitt und sich völlig neu aufstellen musste.

Der Gesamtbonuspool für die Mitarbeiter der Bank wird im Vergleich zum Vorjahr um etwa die Hälfte auf rund 1 Milliarde Franken gekürzt, sagten die Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten. Im Jahr 2021, als die Bank bereits Verluste im Zusammenhang mit Archegos Capital und Greensill erlitt, wurde der Pool schon um 32 Prozent reduziert.

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Bonuskürzungen stehen in diesem Jahr bei zahlreichen Banken von der Wall Street über die City bis Paris und Frankfurt an. Zu schwach war das Jahr für Übernahmen, Börsengänge und Geldbeschaffung. Doch wird der Gürtel bei der Credit Suisse besonders eng geschnallt. Die Kürzung des Budgets unterstreicht einmal mehr die Herausforderungen für Chief Executive Officer Ulrich Körner. Sein Sanierungsplan sieht erst im Jahr 2024 wieder Gewinne vor, bis dahin muss er trotzdem irgendwie unzufriedene Mitarbeiter halten.

Manche Banker könnten leer ausgehen

Die Boni werden wahrscheinlich sehr unterschiedlich ausfallen, da die Bank das schlechte Ergebnis in manchen Sparten in Einklang bringen muss mit der Notwendigkeit, die Mitarbeiter in anderen Geschäftsbereichen zu motivieren. Manche Banker werden dem Vernehmen nach überhaupt keinen Bonus erhalten.

Die Diskussionen über den Bonuspool seien noch nicht abgeschlossen und könnten sich noch ändern, hiess es. Ein Sprecher der Credit Suisse wollte sich zu den Bonuszahlungen nicht äussern.

Kader müssen bestimmte Ziele erreichen

Um den schrumpfenden Bonuspool auszugleichen, hatte die Bank ihren leitenden Angestellten im vergangenen Jahr eine zusätzliche Langzeitprämie gewährt, die an die Erreichung von Zielen in den folgenden drei Jahren geknüpft ist. Mitarbeiter, die 250'000 Dollar (230'000 Franken) oder mehr im Jahr verdienen, erhalten demnach einen grösseren Teil ihrer variablen Vergütung in bar, mussten sich jedoch verpflichten, einen anteiligen Betrag zurückzuzahlen, wenn sie innerhalb von drei Jahren ausscheiden.

Im Rahmen ihrer Umstrukturierung hat die Credit Suisse 4 Milliarden Franken frisches Geld aufgenommen und baut Tausende von Stellen ab. In den letzten Wochen haben bereits zahlreiche Spitzenbanker in Asien und Europa das Unternehmen verlassen, darunter China-Chef Carsten Stoehr und Italien-Boss Andrea Donzelli.

Das Kreditinstitut gliedert auch Teile seiner Investmentbank unter der traditionsreichen Marke First Boston aus, was die Vorlaufkosten erhöht.

(Bloomberg)

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