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Handel
Drive-in-Konzept ist vielen noch fremd

Logistikzentrum: Der Umbau des Lego-Werkes zum neuen Competec-Logistikzentrum in Willisau. (Bild: Peter Frommenwiler)

Coop und Migros gehen neue Wege: Kunden können ihre Einkäufe neu online bestellen und vor Ort abholen. Das fordert die Logistik.

Von Roberto Stefano
am 28.08.2013

Das Zeitfenster ist kurz bemessen. Maximal 5 Minuten soll ein Kunde an einer Drive-in-Station von LeShop warten müssen, bis seine Einkäufe an den Abholstationen zusammengestellt, in einer Einkaufstüte verpackt und von einem Mitarbeiter ins Fahrzeug eingeladen sind. Nur 5 Minuten – statt einer nervenaufreibenden Suche nach ­einem freien Parkplatz, des zeitaufwendigen Gangs durch die Regale im Einkaufszentrum und des langen Anstehens an der Kasse. Bis spätestens 2 Stunden vor dem Abholtermin muss dazu der Einkauf online getätigt werden, egal ob über ein Smartphone oder am Computer.

Damit die kurze Wartezeit an der Abholstation gewährleistet werden kann, ist in den Drive-ins eine ausgeklügelte Logistik erforderlich. Schliesslich können die Kunden aus einem riesigen Sortiment an Produkten auswählen, vom Frischfleisch über Tiefkühlprodukte bis hin zum frisch gebackenen Brot.

Zeit als Logistik-Herausforderung

Die Migros-Tochter LeShop betreibt seit Oktober 2012 einen sogenannten Drive direkt an der Autobahn A6 in Studen bei Biel. Das markante Gebäude wirkt von weitem wie eine Tankstelle. Hier sind rund 30 Angestellte im Einsatz und stellen die Bestellungen aus dem Sortiment von über 8000 Migros-Produkten zusammen. Der Service ist gratis und ohne Mindestbestellwert. Im ersten Semester 2013 nutzten 4500 Kunden das Angebot und kauften für 1,9 Millionen Franken ein. Sie registrieren sich an einer Anmeldesäule mittels eines QR-Codes, eines zweidimensionalen Bildcodes, oder einer Kundenkarte, bezahlen die Ware, falls sie dies nicht schon vorgängig online gemacht haben, an der Säule und fahren anschliessend auf einen zugewiesenen Abholplatz, wo ein Mitarbeiter den Einkauf direkt ins Fahrzeug verlädt. «Der Drive verfügt über eine eigene kleine Bäckerei, damit Brote möglichst frisch ­geliefert werden können», sagt Dominique Locher, seit Mitte Juli der neue Chef von LeShop. «Da ist eine ausgeklügelte Just-in-Time-Logistik gefragt.» Zu tief in die Karten will sich Locher, was die Logistik im Drive betrifft, allerdings nicht blicken lassen. «Die Logistik ist die grosse Herausforderung bei den Drive-in-Stationen, wenn man die Abholzeit von 5 ­Minuten erreichen will», sagt Locher.

Konkurrent Coop ist mit Coop@home bereits im November 2011 ins Abholgeschäft eingestiegen und hat in Zürich ein Drive-in gestartet. Inzwischen bietet das Unternehmen die Dienstleistung darüber hinaus in Bachenbülach und Allaman in der Westschweiz an. «Der Start im frankophonen Teil der Schweiz ist uns sehr gut geglückt», sagt Coop-Sprecherin Nadja Ruch. Dies liege auch daran, dass die Drive-in-Stationen in Frankreich grosse Zuwachsraten verzeichnen, bekannt seien und auf breite Akzeptanz stossen würden. In der Deutschschweiz dagegen erscheint das Drive-in-Konzept für den Einkauf noch etwas fremd. In Zürich am Sihlquai zumindest sind auch knapp zwei Jahre nach der Lancierung des Ange­botes bisher wenig Kunden auszumachen. «Wir haben sehr viele Stammkunden, die wöchentlich ihre Bestellung beim Drive-in abholen. Zahlen kommunizieren wir hierzu keine», so Ruch.

Unterschiedliche Ansätze

Auch bei Coop bilden die sehr engen Zeitfenster in der Logistik der Drive-in-Stationen eine grosse Herausforderung. Allerdings in einem anderen Bereich. «Die Belieferung der Abholstellen ist aus logistischer Sicht eine anspruchsvolle Herausforderung, weil der Kunde beispielsweise bis 14 Uhr seine Bestellung abschicken kann und diese bereits um 16 Uhr 30 für ihn beim Drive-in bereitsteht», sagt Coop-Sprecherin Ruch.

Ohnehin haben LeShop und Coop@home, was die Standorte der Abholstationen betrifft, zwei unterschiedliche An­sätze gewählt. Die Drive-ins von Coop in ­Bachenbülach und Allaman sind an eigene Einkaufszentren angegliedert, während LeShop in Studen den Drive auf der grünen Wiese geplant hat. In Frankreich wurden laut Dominique Locher von LeShop von 2000 Abholstationen nur 20 Prozent auf der grünen Wiese geplant. 80 Prozent seien sogenannte Pick-ups, also an einen bestehenden Supermarkt angegliedert. «Bei den Umsätzen der Stationen verhält es sich dagegen genau umgekehrt, 80 Prozent der Umsätze werden an neuen Standorten gemacht», so Locher. Grund dafür sei unter anderem, dass neue Drive-ins an strategisch günstigen Orten erstellt werden können, sodass die Kundschaft nicht in Verkehrsballungen fahren müssten.

Wenig Potenzial oder viel?

Auch was die zukünftige Bedeutung der Abholstationen betrifft, gehen die Meinungen der beiden Konkurrenten auseinander. Angesichts des dichten Versorgungsangebots in der Schweiz sieht Coop die Drive-ins nur als weitere Einkaufsmöglichkeit für die Kunden. «Das Potenzial für einen Ausbau dürfte daher nicht gleich gross sein wie beispielsweise in Frankreich», so Coop-Sprecherin Nadja Ruch.

LeShop-Chef Locher ist optimistischer. «Die Drives sind ein Kundenbedürfnis, das sich noch stark entwickeln wird.» Der Kunde kombiniere die Heimlieferung, den Abholservice und die bestehenden Einkaufsläden und werde so zu einem Drei-Kanal-Nutzer. «Und diese Multi-Channel-Nutzer geben 2,3-mal mehr aus als die herkömmlichen Kunden», erklärt Dominique Locher.

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