Kapitalschutzprodukte werden meist aus zwei Komponenten zusammengesetzt: Einer Festgeldanlage, die das Erreichen des definierten Kapitalschutzniveaus am Ende der Laufzeit sicherstellen soll, und Call-Optionen, die die Partizipation an Kursgewinnen des Basiswertes gewährleisten. Je höher die Volatilität, desto teurer ist jedoch die Optionskomponente und umso niedriger wird, bei vorgegebenem Schutzniveau, die Partizipation ausfallen. Alternativ muss das Schutzniveau abgesenkt werden, damit eine vorgegebene Partizipationsrate resultiert.

Als Alternative zur optionsbasierten Konstruktion kann ein Kapitalschutzprodukt auch anhand dynamischer Absicherungsstrategien, wie der sogenannten Constant Proportion Portfolio Insurance (CPPI), konstruiert werden. CPPI sieht vor, dass der Anlagebetrag ständig regelbasiert zwischen dem Basiswert und einem Geldmarktkonto umgeschichtet wird. Ziel ist, möglichst direkt an einer positiven Wertentwicklung des Basiswertes zu partizipieren, am Laufzeitende aber mindestens das Kapitalschutzniveau (sog. Floor) zu erreichen. Zu jedem Zeitpunkt wird dazu ein virtueller Risikopuffer (Cushion) als Differenz aus aktuellem Portfoliowert und Barwert des Floors berechnet. Der Teil der Gesamtanlage, der nun in den Basiswert investiert wird, ergibt sich als Produkt aus dem Cushion und einem Multiplikator. Der Kehrwert des Multiplikators gibt vor, wie viel die risikotragenden Anlagen zwischen zwei Umschichtungsmöglichkeiten maximal verlieren dürfen, ohne dass der Floor unterschritten wird.

Regelbasierte Umschichtung

Erzielt der Basiswert Kursgewinne, nimmt das Cushion - alles andere konstant - zu, und die Quote des Basiswertes im Gesamtinvestment kann erhöht werden. Verliert der Basiswert und damit das Cushion, wird die Quote des Basiswertes im Investment reduziert. Im Unterschied zu einem optionsbasierten Kapitalschutz, bei dem sich der Rückzahlungsbetrag allein anhand des Basiswertes und des Ausübungspreises am Laufzeitende bestimmt, hängt die Rückzahlung einer CPPI-Struktur davon ab, wie sich Basiswert und Geldmarktanlage während der Laufzeit entwickelt haben (sog. Pfadabhängigkeit). Die Partizipationsrate am Basiswert ist damit nicht von vorneherein bestimmbar und kann höher oder tiefer als bei einem optionsbasierten Produkt ausfallen. Entwickelt sich der Basiswert während der Laufzeit tendenziell negativ und schnellt erst kurz vor Ende der Laufzeit in die Höhe, sind optionsbasierte Produkte meist im Vorteil, da ihre Performance einzig vom Schlusskurs des Basiswertes im Verhältnis zum Ausübungspreis abhängt. Falls sich der Basiswert konsequent gut entwickelt, können CPPI-Produkte jedoch besser als der Basiswert selbst abschneiden, da sie ab einem bestimmten Cushion in der Regel den Aufbau von «Leverage» vorsehen.

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CPPI-Methoden werden bislang vor allem zur Konstruktion von Kapitalschutzprodukten auf exotische und illiquide Basiswerte, für die herkömmliche Optionen nicht verfügbar sind, eingesetzt. Da sich mit ihnen aber ohne Optionserwerb (ex post) interessante Partizipationsraten erzielen lassen (insbesondere falls das Volatilitätsniveau während der Laufzeit absinkt), wäre es durchaus denkbar, sie in Phasen hoher Volatilitäten vermehrt auch auf liquide Standardtitel anzuwenden.

Zusammensetzung ändert sich

Zudem sind CPPI-Methoden erweiterbar: So können mittels CPPI Kapitalschutzprodukte auf Basiswerte konstruiert werden, deren Zusammensetzung sich während der Laufzeit dynamisch ändert. Auch kann eine allfällige positive Performance des Basiswertes während der Laufzeit durch Anheben des Floors periodisch «eingefroren» werden (sog. Lock-In). Dazu können verschiedene Arten von performanceabhängigen Coupons in den Mechanismus integriert werden, und nicht zuletzt kann der Multiplikator variabel an das jeweilige Volatilitätsniveau angepasst werden.